Examensarbeit, 1989
94 Seiten, Note: sehr gut
1. Transformierung der Wirklichkeit
1.1 Ästhetische Vertextung
1.2 Sublimierung von Erfahrung im Kunstwerk
1.3 Ästhetische Einstellung
1.4 Loslösung von der Hier-unf-Jetzt-Situation
2. Die Oberflächen- und Tiefenstruktur des Bildes
3. Analogien für das Sprechen im Bild
3.1 Die sprachanalogen Gegenstandswörter im Bild
3.2 Die sprachanalogen Präpositionen
3.3 Die sprachanalogen Adjektive und die Funktion der Farbe im Bild
3.4 Die Analogie für die Intonation im Bild
3.5 Die sprachanalogen Verben im Bild
4. Der Bildsatz und seine Erschließung
5. Zur Sprachlichkeit von Kinderzeichnungen
5.1 Die Entwicklung des bildnerischen Gestaltens und die Sprachentwicklung des Kindes
5.2 Lallmonologe, Echolalie und Kritzelstufe
5.3 Einwortsätze und Streubildstufe
5.4 Mehrwortsätze und Standflächen- und Standlinienbild
5.5 Flexionen und Schrägbildstufe
5.6 Richtiges Sprechen und Horizontbildstufe
5.7 Intonation und farbiges Gestalten
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Analogien zwischen bildnerischer Gestaltung und sprachlichen Systemen, basierend auf den Theorien von Rolf Wedewer. Ziel ist es, die "Sprachlichkeit von Bildern" aufzudecken, indem die formale Bildstruktur mit grammatikalischen und semantischen Kategorien der Sprache in Beziehung gesetzt und auf die ontogenetische Entwicklung der Kinderzeichnung angewendet wird.
1.1 Ästhetische Vertextung
Die Umkehrung „Sprachlichkeit von Bildern“ in den Satz „Bildlichkeit von Sprache“ führt die Metapher als einen theoretischen Ausgangspunkt ein, an welchem Rolf Wedewer ansetzen kann, bestehende Analogien für die Sprache im Bilde der Malerei herauszuarbeiten.
Metaphern finden vornehmlich in der Sprachgattung der Lyrik ihren Gebrauch, wo es darum geht, innerseelische Zustände des Menschen künstlerisch darzustellen, weshalb sie als eine solche der Malerei am nächsten steht. Charles Tayler schreibt in seinen „Bedeutungstheorien“ über den metaphorischen Gebrauch der Sprache: „... Der entscheidende Punkt bei (den) Metaphern ist, der, daß das Artikulieren unserer Auffassung von einer Sache untrennbar verknüpft ist mit der Identifikation ihrer Wesensmerkmale ...“¹
Und wenn, nach der von Konrad Fiedler geprägten Formel, dichterisch das Wort für die Anschauung und nicht für den Begriff steht, so schließt die Dichtung prinzipiell den metaphorischen Aspekt der Sprache in sich ein. Gleichzeitig ist diese Formel nur im Verhältnis mit grundlegend ästhetischen Kriterien wie Rhythmus, Proportion, Dynamik, Akzente usw. denkbar, weil diese Kriterien formbestimmenden Einfluss auf die Struktur der Sprache nehmen.
1. Transformierung der Wirklichkeit: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis, indem es die ästhetische Vertextung als Prozess beschreibt, in dem Wirklichkeit durch künstlerische Gestaltung in eine neue Struktur überführt wird.
2. Die Oberflächen- und Tiefenstruktur des Bildes: Hier werden Chomskys linguistische Konzepte auf die Bildanalyse übertragen, um zwischen dem direkt wahrnehmbaren Bild und seiner tieferliegenden semantischen Organisation zu unterscheiden.
3. Analogien für das Sprechen im Bild: Das Kapitel detailliert die Entsprechungen zwischen sprachlichen Komponenten wie Substantiven, Präpositionen, Adjektiven und Verben und deren ästhetischen Entsprechungen im Bildraum.
4. Der Bildsatz und seine Erschließung: Es wird analysiert, wie der Betrachter das Kunstwerk als "Satz" wahrnimmt und erschließt, wobei der Rezeptionsprozess als strukturierte zeitliche Abfolge betrachtet wird.
5. Zur Sprachlichkeit von Kinderzeichnungen: Dieses Kapitel bildet die Synthese, in der die entwicklungspsychologischen Stufen des Kindes (vom Kritzeln bis zur Horizontbildstufe) mit sprachwissenschaftlichen Erwerbsphasen verglichen werden.
Ästhetische Vertextung, Sprachlichkeit von Bildern, Rolf Wedewer, Bildsatz, Kinderzeichnung, Tiefenstruktur, Oberflächenstruktur, Semantik, Bildnerisches Gestalten, Sprachentwicklung, Metapher, Bildrezeption, Syntaktische Struktur, Sprachanalogie, Kunstpädagogik
Die Arbeit untersucht die theoretische Annahme, dass Bilder eine ähnliche strukturelle Organisation wie Sprache aufweisen und wie diese "Sprachlichkeit" durch ästhetische Mittel konstituiert wird.
Die zentralen Felder sind die kunsttheoretische Analyse der Bildstruktur, die Anwendung linguistischer Kategorien auf die bildende Kunst sowie die Entwicklungspsychologie der Kinderzeichnung.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Bildnerisches Gestalten nicht nur intuitiv erfolgt, sondern analogen Prinzipien folgt wie der Artikulation von Sprache, um Wirklichkeit ästhetisch zu ordnen.
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse von kunsttheoretischer und linguistischer Literatur basiert und diese auf die bildnerische Analyse überträgt.
Der Hauptteil behandelt die Transformation von Wirklichkeit in ästhetische Strukturen, die Anwendung von Grammatik-Analogien auf das Bild sowie die Anwendung dieser Theorie auf verschiedene Entwicklungsstufen kindlicher Zeichnungen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie ästhetische Vertextung, Bildsyntax, Sprachanalogie und Kinderzeichnung charakterisieren.
Analog zur Linguistik beschreibt er die Oberfläche als das unmittelbar Sichtbare und die Tiefenstruktur als das formale Gerüst von Flächenbeziehungen und geistigen Inhalten.
Die Farbe wird als Analogon zur Intonation in der gesprochenen Sprache gesehen, die dem Bild eine emotionale Dimension und eine spezifische Bedeutungsebene verleiht.
Der Autor zeigt auf, dass Kinder in ihrer bildnerischen Entwicklung ähnliche Phasen durchlaufen wie beim Spracherwerb, wobei einfache Formen (Kritzeln) analogen Vorstufen der Sprache entsprechen.
Es markiert eine fortgeschrittene Stufe, in der das Kind die Fähigkeit zur vollen Tiefendimension und zur syntaktisch organisierten Darstellung erwirbt, analog zum Beherrschen komplexer grammatikalischer Strukturen.
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