Magisterarbeit, 2007
88 Seiten, Note: 2,0
I.Einführung
II. Theoretische Vorüberlegungen
III. Forschungsgrundlagen
IV. Die Unsagbarkeit in Peter Handkes Prosa aus theologischer Sicht
IV.1 Direkter und indirekter Ausdruck des Numinosen nach Rudolf Otto – die Arabeske, das Dunkel und das Schweigen
IV.2 Strategien der Negativen Theologie und Apophatik in Peter Handkes Prosa über den Jugoslawienkrieg
IV.2.1 Politische Strategien der Negativen Theologie nach Jacques Derrida bei Peter Handke
IV.2.2 Das Geheime als Träger der negativen Rede
IV.2.3 Die Erfindung als Methode, Unsagbares zu sagen
IV.2.4 Die Metaphorik der Unsagbarkeit
IV.2.5 Der Ort in der negativen Rede
IV.3 Religiöse Sprache in den Jugoslawien-Texten Handkes – Innovation und „investiertes Schweigen“
IV.4 Irreligiöse Sprachen des Unsagbaren – Peter Handkes arabeske Miniaturbilder als negative Redeweise
IV.5 Tropen und Figuren der Unsagbarkeit und Negativität – Apostrophe, Personifikation, Metapher
IV.6 Durch das Symbol vom Unsagbaren sprechen
IV.6.1 Grenz-Erfahrungen durch die Sprache bei Handke
IV.6.2 Vielfältigkeit des Unsagbaren
IV.7 Apophasis als Teil des Mystizismus und der Unsagbarkeit bei Peter Handke
V. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarischen Verfahren Peter Handkes in seinen Texten zum Jugoslawienkonflikt. Ziel ist es, nachzuweisen, dass Handke durch eine spezifische, an religiöse und mystische Diskurse angelehnte Sprache versucht, das als „unsagbar“ empfundene Kriegsgeschehen darzustellen und eine poetische Gegenwelt zu den medialen Repräsentationen des Konflikts zu entwerfen.
IV.1 Direkter und indirekter Ausdruck des Numinosen nach Rudolf Otto – die Arabeske, das Dunkel und das Schweigen
Wie schon in der Einleitung erwähnt, soll der Begriff „Gott“ als nicht benennbares Überwirkliches, wie ihn die Negative Theologie begreift, in dieser Arbeit substituiert werden mit dem Begriff des „Numinosen“. Es lässt sich somit, verstanden als etwas, das außerhalb der alltäglichen Sphäre stattfindet, hervorragend mit Peter Handkes Mystifizierung Jugoslawiens in Verbindung bringen, denn das Numinose bewegt sich in der Sphäre des Anderen, welches dargeboten wird durch einen Zwiespalt, der hervorgerufen wird durch die Angst auf der einen Seite und die Faszination auf der anderen. Laut Rudolf Otto, der den Begriff des „Numinosen“ prägte, lässt dies sich zunächst direkt am besten ausdrücken in „‚heiligen’ Situationen“, bevor im nächsten Schritt versucht wird, diese Situationen anschaulich zu schildern und wiederzugeben. Indirekt kann das Numinose am primitivsten im „Fürchterlichen“ oder Erschreckenden veranschaulicht werden (tremendum). Die Ausdrucksmittel des Scheußlichen machen die indirekte (religiöse) Scheu realisierbar.
Genau dieses Schema lässt sich als motivierendes Charakteristikum der literarischen Arbeiten Peter Handkes erkennen. Seine Sprache in den Jugoslawien-Texten bedient sich Worten, die der alltäglichen Sphäre enthoben wurden. Es ist eine mystische Art Sprache, die als Basis der Handkeschen Mystifikation angesehen wird. Heilige Situationen, wie z. B. die Sonntagsmesse und der anschließende Besuch des Gräberfeldes in Višegrad, erlebt der Erzähler im „Sommerlichen Nachtrag“. Der Besuch des Gottesdienstes findet in einer gleichsam stummen Atmosphäre statt. Nur die Glockenrufe ertönen, aber es ist niemand da zum Fragen und somit bleiben die Fragen unausgesprochen. Diese Situation auf dem Friedhof wird veranschaulicht durch das erschreckende und fürchterliche Wehklagen der Angehörigen: „Allgemeines Weinen (zunehmend lautlos, ein Schluchzen oder Wimmern nur noch ganz vereinzelt), Gräberpolieren, Einander-Zutrinken, Kauen, Beiseitegehen, Zurückkehren, Weiterweinen.“ Als sprachliches Mittel wird hier auf die Aufzählung und eine protokollhafte, karge Sprache zurückgegriffen.
I.Einführung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein, das Leitmotiv von Handkes Jugoslawien-Texten zu analysieren und als Arbeit an der Sprache zu verstehen.
II. Theoretische Vorüberlegungen: Hier wird der theoretische Rahmen um Begriffe der Negativen Theologie, der Mystik und der Apophatik abgesteckt, um Handkes Verfahren der Darstellung des Undarstellbaren zu untersuchen.
III. Forschungsgrundlagen: Das Kapitel bietet eine kritische Sichtung der bestehenden Ressourcen und Literatur zur Jugoslawien-Prosa Handkes und verortet die Arbeit im wissenschaftlichen Diskurs.
IV. Die Unsagbarkeit in Peter Handkes Prosa aus theologischer Sicht: In diesem Hauptteil wird das theoretische Fundament auf die Texte angewendet, wobei verschiedene Unterkapitel die spezifischen Sprachmittel (Arabeske, Stille, Negativität) detailliert analysieren.
V. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, die eine Kausalität zwischen den mystischen Theorien und Handkes poetischen Sprachverfahren bestätigt.
Peter Handke, Jugoslawienkrieg, Unsagbarkeit, Negative Theologie, Arabeske, Rudolf Otto, Numinoses, Apophatik, Mystik, poetische Sprache, Sprachkritik, Bilderverbote, Negativität, Jacques Derrida, literarische Darstellung.
Die Arbeit analysiert die literarischen Texte Peter Handkes über den Jugoslawienkrieg unter dem Fokus, wie das als „unsagbar“ empfundene Leid und die komplexe politische Realität in eine poetische Sprache transformiert werden.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Krieg und Sprache, die religiöse und mystische Aufladung der Erzählungen, die Kritik an den Medien sowie der Einsatz von ästhetischen Verfahren wie der „Arabeske“ zur Darstellung des Unerzählbaren.
Ziel ist der Nachweis, dass Handkes Schreiben eine bewusste, an mystische Traditionen angelehnte Technik nutzt, um einer „trivialisierenden“ medialen Berichterstattung eine eigene, poetische Wahrnehmung der Wirklichkeit entgegenzusetzen.
Die Arbeit stützt sich auf literaturwissenschaftliche Analysen, die durch theologische und philosophische Diskurse (insbesondere Negative Theologie und Apophatik nach Autoren wie Rudolf Otto und Jacques Derrida) ergänzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Untersuchungen, etwa zu den direkten und indirekten Ausdrucksmitteln des „Numinosen“, zur Bedeutung des „Geheimen“, der „Erfindung“ als Methode sowie der Rolle von Symbolen und Grenz-Erfahrungen in Handkes Prosa.
Wesentliche Begriffe sind: Handke, Jugoslawienkrieg, Unsagbarkeit, Negative Theologie, Arabeske, Numinoses, poetische Sprache und Sprachkritik.
Handke lehnt journalistische Standards ab, da er diese als Teil eines einseitigen „Großbildgetriebes“ sieht, das die tatsächliche, subtile Wirklichkeit des Leids in den betroffenen Gebieten nicht erfassen kann.
Die Arabeske dient als zentrales poetisches Verfahren, das Unabgeschlossenes, Wucherndes und Verschlungenes darstellt und somit die Unvorhersehbarkeit und Vielschichtigkeit des Krieges ohne eine (falsche) Eindeutigkeit vermittelt.
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