Bachelorarbeit, 2017
66 Seiten, Note: 1,3
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1 Einleitung
1.1 Problem- und Zieldarstellung
1.2 Zentrale Fragestellung
2 Methode Literaturrecherche
2.1 Systematik der Recherche
2.2 Kritische Beurteilung der verwendeten Literatur
3 Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung - ADHS
3.1 Definition der ADHS
3.2 Klassifikation der ADHS
3.2.1 International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD-10)
3.2.2 Diagnostic Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5)
3.3 Epidemiologie der ADHS
3.4 Symptomatik
4 Medizinische Sichtweise
4.1 Definition Gesundheit und Krankheit
4.2 Ätiologie
4.2.1 Genetische Faktoren
4.2.2 Exogene Faktoren
4.2.3 Neurochemische, neuroanatomische und neuropsychologische Faktoren
4.3 Diagnostik
4.3.1 Klinische Untersuchung
4.3.2 Interview
4.3.3 Selbst- und Fremdbeurteilungsskalen
4.4 Differenzialdiagnose und Komorbiditäten
4.5 Therapie
4.5.1 Medikamentöse Therapieform
4.5.2 Nicht-Medikamentöse Therapieformen
5 Neurodiversität
5.1 Definition
5.2 Normalität; Begriffserklärung
5.3 ADHS als Normvariante
6 ADHS im Berufsleben
6.1 Kriterien zur Auswahl des Berufes
6.2 Strategien/Ressourcen von Menschen mit ADHS
6.3 Berufsberatung
6.4 Professionelle Beratung
6.5 Beratungskonzept bei ADHS
7 Diskussion
8 Schlussfolgerung
Die Arbeit untersucht die Unterschiede zwischen der medizinischen Sichtweise und dem Ansatz der Neurodiversität im Kontext der adulten ADHS und deren Auswirkungen auf das Berufsleben sowie auf Berufsberatungskonzepte.
1.1 Problem- und Zieldarstellung
„Ob der Phillipp heute still wohl bei Tische sitzen will? Also sprach in einem ernsten Ton der Papa zu seinem Sohn, [...] Doch der Phillipp hörte nicht, Was zu ihm der Vater spricht. Er gaukelt und schaukelt, er trappelt und zappelt auf dem Stuhle hin und her. [...] Er schaukelt gar zu wild, bis der Stuhl nach hinten fällt; da ist nichts mehr, was ihn hält; nach dem Tischtuch greift er, schreit. [...]“ (Dr. Heinrich Hoffmann, 1846)
Der Arzt Heinrich Hoffmann schenkte 1844, seinem dreijährigen Sohn zum Weihnachtsfest, sein wohl bekanntestes Werk „Struwwelpeter“. In der 1845 veröffentlichten, gedruckten Version, sowie in den folgenden weiteren Auflagen skizzierte Hoffmann die mannigfaltigen Facetten einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Der von Hoffmann beschriebene Zappelphilipp wurde namensgebend für die Symptomatik einer ADHS (Zappelphilipp-Syndrom). Obwohl eine ADHS bereits 1775 in Lehrbüchern beschrieben wurde, wurde das Störungsbild erst Anfang des 20. Jahrhunderts umfangreicher erforscht. Die im weiteren Verlauf, als häufigste kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankung geltende Störung, wurde in Deutschland erst Ende des 20. Jahrhunderts als psychiatrische Erkrankung im Erwachsenenalter anerkannt. Mit einer durchschnittlichen Prävalenz der adulten ADHS von 4,4 % rückt, das von motorischer Unruhe, mangelnder Impulsivitätskontrolle und geringer Aufmerksamkeit charakterisierte Bild der ADHS, zunehmend in den Fokus der Wissenschaft und der Gesellschaft.
1 Einleitung: Beschreibt die historische Einordnung und die wachsende Bedeutung der adulten ADHS in der Gesellschaft sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Methode Literaturrecherche: Erläutert das methodische Vorgehen bei der systematischen Suche und kritische Beurteilung der wissenschaftlichen Literatur.
3 Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung - ADHS: Definiert die Störung, stellt die Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-5 dar und beleuchtet epidemiologische Daten sowie die Symptomatik.
4 Medizinische Sichtweise: Untersucht ADHS aus dem klinischen Blickwinkel, inklusive Ätiologie, Diagnostik, Differenzialdiagnosen, Komorbiditäten und Therapiemöglichkeiten.
5 Neurodiversität: Analysiert den alternativen Ansatz der Neurodiversität und betrachtet ADHS hier als genetische Normvariante anstatt als pathologische Störung.
6 ADHS im Berufsleben: Thematisiert Kriterien zur Berufswahl, notwendige Ressourcen sowie Aspekte der Berufsberatung und professionelle Konzepte.
7 Diskussion: Reflektiert kritisch die Divergenz zwischen dem biomedizinischen Modell und dem Neurodiversitätsansatz sowie die begrenzte Evidenzlage für Berufsberatungskonzepte.
8 Schlussfolgerung: Fasst die Ergebnisse zusammen und fordert weitere Studien zur Entwicklung evidenzbasierter, multimodaler Berufsberatungsangebote.
ADHS, adulte ADHS, Neurodiversität, Klassifikation, ICD-10, DSM-5, Berufsleben, Berufsberatung, multimodale Therapie, Symptomatik, Komorbiditäten, Stressbewältigung, Coping-Strategien, Arbeitsmarktentwicklung, psychiatrische Diagnose.
Die Arbeit behandelt die adulte Form der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und vergleicht das klassische medizinische Verständnis der Störung mit dem Ansatz der Neurodiversität.
Die Hauptfelder umfassen die Definition, Klassifikation und Ätiologie der ADHS, die diagnostischen Verfahren, therapeutische Ansätze sowie die spezifischen Herausforderungen im Berufsleben und der Berufsberatung.
Es soll geklärt werden, wie sich die medizinische Sichtweise vom Neurodiversitätsansatz bei Erwachsenen mit ADHS unterscheidet und welche Folgen dies für die Gestaltung eines professionellen Berufsberatungskonzepts hat.
Die Autorin nutzte zur Datenerhebung eine systematische Literaturrecherche, bei der nationale und internationale evidenzbasierte Publikationen, Studien und Fachzeitschriften analysiert wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine medizinische Analyse (Diagnostik, Ätiologie, Komorbiditäten, Therapie) und eine Auseinandersetzung mit der Neurodiversität, gefolgt von einer Untersuchung der Auswirkungen bei ADHS im Berufsleben.
Wesentliche Begriffe sind adulte ADHS, Neurodiversität, diagnostische Klassifikation, multimodale Therapie, Berufsberatung im Kontext von ADHS und die Abgrenzung von Krankheit gegenüber Normvariante.
Die Diagnose bei Erwachsenen ist herausfordernd, da im Laufe des Lebens häufig Anpassungsprozesse stattfinden und die Symptomatik limitierende Auswirkungen auf die psychische und soziale Lebensführung hat.
Während das biomedizinische Modell ADHS als zu therapierende Störung oder Krankheit definiert, sieht der Neurodiversitätsansatz diese Merkmale als Teil der natürlichen menschlichen neurologischen Variation an.
Berufsberatung sollte bei ADHS-Betroffenen idealerweise als Teil eines multimodalen Therapie-Netzwerks fungieren, um durch individuelle Strategien Abbruchquoten zu senken und die berufliche Teilhabe zu fördern.
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