Examensarbeit, 2009
93 Seiten, Note: 1,7
0. Einleitung
1. Der Begriff „Homosexualität“
1.1 Die männliche Homosexualität als Sexualitätskonzept betrachtet von der Antike bis zur Gegenwart
1.1.1 Antike
1.1.2 Mittelalter
1.1.3 Neuzeit bis einschließlich 20.Jahrhundert
1.2 Praxen der Erzeugung der Geschlechterdifferenz in der Neuzeit
1.2.1 Jungenbilder – gender und sex
1.2.2 Probleme der Rollenbilder – doing gender und gender trouble
1.3 Männliche Homosexualität in der Gesellschaft
2. Männliche Homosexualität und Schule
2.1 Die Aufgabe der Schule als werte- und moralvermittelnde Instanz und die Einbindung der Homosexualität in diesen Kontext
2.2 Der Fachbereich Deutsch als Plattform für das Thema der männlichen Homosexualität
2.2.1 Der literarische Schulkanon und die Thematisierung der männlichen Homosexualität
2.2.2 Die Lehrwerke des Fachbereichs Deutsch von Klasse 7-13 und die Thematisierung der männlichen Homosexualität
3. Die Behandlung des Themas der männlichen Homosexualität im Literaturunterricht des Faches Deutsch am Beispiel „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann
3.1 Inhaltsanalyse der Novelle „Der Tod in Venedig“ mit dem Schwerpunkt auf männlicher Homosexualität Literaturauswahl
3.1.1 Aschenbach und der Gegensatz „apollinisch“ und „dionysisch“
3.1.2 Venedig
3.1.3 Der Phaidros-Dialog
3.2 Die Eignung des Werkes für die Thematisierung der männlichen Homosexualität im Deutschunterricht
3.3 Die Verarbeitung des Themas der männlichen Homosexualität in Unterrichtsmodellen zu „Der Tod in Venedig“ Literaturauswahl
3.3.1 Vorstellen der Unterrichtsmodelle
3.3.1.1 Analyse und Kritik zu dem Unterrichtsmodell der Handreichung für Schwule und lesbische Lebensweisen
3.3.1.2 Analyse und Kritik zu dem Unterrichtsmodell von Frizen
3.3.2 Fazit zu den Unterrichtsmodellen
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Thematisierung männlicher Homosexualität im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Vorurteile und heteronormative Strukturen den Unterricht beeinflussen und wie Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ als Medium zur Vermittlung dieser komplexen Thematik dienen kann.
3.1.2 Venedig
Schon im ersten Kapitel fällt Aschenbach die Entscheidung, in den „liebenswürdigen Süden“ zu reisen (MANN 1912: S.12). Dass ihn dort mehr als nur Erholung und die ersehnte Entspannung seiner Nerven erwartet, wird dem Leser aber bereits durch den Einsatz mannigfacher Symbole deutlich, die das erste Kapitel durchziehen. So nicht nur der Wanderer, welcher einem Todesboten gleichkommt, sondern auch die dionysisch geprägte Umgebung und Traumlandschaft, die Aschenbach vor sich entstehen sieht.
„Eine seltsame Ausweitung seines Innern ward ihm ganz überraschend bewußt, eine Art schweifender Unruhe, ein jugendlich durstiges Verlangen in die Ferne, ein Gefühl, so lebhaft, so neu oder doch so längst entwöhnt und verlernt, daß er, die Hände auf dem Rücken und den Blick am Boden, gefesselt stehen blieb, um die Empfindung auf Wesen und Ziel zu prüfen. (…) Er sah (…) wie mit leiblichem Auge eine ungeheure Landschaft, ein tropisches Sumpfgebiet unter dickdunstigem Himmel, feucht, üppig und ungesund, eine von Menschen gemiedene Urweltwildnis aus Inseln, Morästen und Schlamm führenden Wasserarmen. (…) Dem Schauenden war es, als hauchte der laue, mephitische Odem dieser geilen und untauglichen Öde ihn an, die in einem ungeheuerlichen Zustande von Werden oder Vergehen zu schweben schien, zwischen den knotigen Rohrstämmen eines Bambusdickichts glaubte er einen Augenblick die phosphoreszierenden Lichter des Tigers funkeln zu sehen--und fühlte sein Herz pochen vor Entsetzen und rätselhaftem Verlangen“ (MANN 1912: 10).
Es stellt sich hier eine Landschaft ein, die stark dionysische Züge trägt. Der Tiger als Bewohner Indiens, dem Ursprungsland des Gottes Dionysos (FINK 1993: 92), reiht sich somit ein in das Gefolge jenes Gottes (SHALABI 1996: 25) und steht mythologisch betrachtet neben allen dionysischen Attributen auch für Wildheit und Kraft (KRETSCHMER 2008: 427). Die Landschaft, die Aschenbach so vor Augen hat, besitzt etwas Chaotisches, Exotisches, Unbekanntes, genau das, was der Protagonist in seinem Leben vermisst.
0. Einleitung: Hier wird die gesellschaftliche Unsicherheit gegenüber Homosexualität dargelegt und die Forschungsfrage formuliert, wie Schulen als Bildungsinstitutionen dieser Thematik begegnen.
1. Der Begriff „Homosexualität“: Dieses Kapitel liefert eine diachrone Übersicht über das Verständnis von Homosexualität von der Antike bis zur Gegenwart und analysiert die Konstruktion von Geschlechterrollen durch „doing gender“.
2. Männliche Homosexualität und Schule: Hier wird die Rolle der Schule als Wertevermittlerin beleuchtet und untersucht, inwieweit der Fachbereich Deutsch zur Aufklärung und Toleranzbildung beitragen kann.
3. Die Behandlung des Themas der männlichen Homosexualität im Literaturunterricht des Faches Deutsch am Beispiel „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann: Das Kernkapitel analysiert das literarische Werk sowie existierende Unterrichtsmodelle und bewertet deren Eignung zur Thematisierung homosexueller Inhalte.
4. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und es wird resümiert, dass eine stärkere, lineare Integration des Themas in den Unterricht notwendig ist, um Diskriminierung abzubauen.
Männliche Homosexualität, Deutschunterricht, Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Geschlechterrollen, Literaturkanon, Sexualerziehung, Identitätsfindung, Didaktik, Intertextualität, Toleranz, Vorurteile, Diskriminierung, Preußentum, Antike.
Die Arbeit untersucht den Umgang mit männlicher Homosexualität innerhalb der Institution Schule und insbesondere im Literaturunterricht des Faches Deutsch, wobei Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ als zentrales Beispiel dient.
Die Arbeit fokussiert auf die geschichtliche Entwicklung des Begriffs Homosexualität, die Konstruktion von Geschlechterrollen durch Sozialisation, die Funktion der Schule bei der Wertevermittlung und die problematische heterosexuelle Normierung des Literaturkanons.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Homosexualität in der Schule meist tabuisiert oder ignoriert wird, und ein Konzept zu entwickeln, wie durch eine fundierte Auseinandersetzung mit Literatur ein Beitrag zur Toleranzbildung und Identitätsstärkung geleistet werden kann.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Diskursanalyse, in die Ergebnisse sexualwissenschaftlicher und pädagogischer Studien einfließen, ergänzt durch eine fachdidaktische Evaluation konkreter Unterrichtsmodelle.
Der Hauptteil analysiert, wie „Der Tod in Venedig“ als literarischer Text die Aspekte von Künstlertum, Dekadenz und unterdrückter Homosexualität verknüpft und kritisiert die gegenwärtigen Versuche, diese Inhalte in Unterrichtseinheiten zu integrieren.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie „Männliche Homosexualität“, „Deutschunterricht“, „Literaturkanon“, „Doing Gender“ und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Rollenbildern.
Das Werk gilt als kanonisch und bietet durch seine vielschichtige und teils codierte Behandlung von Homoerotik hervorragende Anknüpfungspunkte, um über Identität, Normabweichungen und gesellschaftliche Konventionen zu diskutieren.
Kritisiert wird, dass viele Modelle Homosexualität nur als Randthema behandeln, zu wenig Anleitung für den konkreten Unterrichtsverlauf bieten und oft Gefahr laufen, Stereotype eher zu verfestigen statt sie zu dekonstruieren.
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