Magisterarbeit, 2008
94 Seiten, Note: 1,3
Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF
1. Einleitung
2. Interaktion im FSU
2.1. Definition von Interaktion im Hinblick auf den FSU
2.2. Unterrichtliche vs. außerunterrichtliche Interaktion
2.3. Die vier Typen der pädagogischen Interaktion
2.4. Einflussfaktoren auf die Interaktion im FSU
2.5. Interaktion und Schweigen im Unterricht
2.5.1. Schweigen – Begriffsbestimmung und Funktion
2.5.2. Schweigen im Unterrichtskontext
3. Interaktion im FSU im kulturellen Kontext
3.1. Zur Diskussion eines angemessenen Kulturbegriffes für den FSU
3.2. Forschungsansätze zur Operationalisierbarkeit des Kulturfaktors
3.3. Kulturelle Sozialisation und deren Einfluss auf den FSU
3.4. Die kulturelle Markiertheit von Interaktion
3.5. Schweigen im interkulturellen Sprachkontakt – schweigende Kulturen?
4. Interaktion im japanischen FSU – Beobachtungen
4.1. Interaktionsgeschehen – Frage- Antwort – Verhalten
4.2. Der japanische Fremdsprachenlerner
4.3. Der japanische Fremdsprachenlehrer
5. Kulturelle Markiertheit von Interaktion im japanischen DaF-Unterricht –Einflussfaktoren auf das Rede- und Schweigeverhalten
5.1. Soziopsychologische und soziokulturelle Einflussfaktoren
5.1.1. Das Verständnis von Harmonie in der japanischen Kultur
5.1.2. „Don’t do the FTA“ – Schweigen, um das Gesicht zu wahren“
5.1.3. „The nail that sticks up gets pounded down“ - Gruppenharmonie
5.1.4. Gehorsam und Disziplin sind unerlässlich – Hierarchie in Japan
5.1.5. Die ‚zwei Gesichter‘ der Japaner
5.1.6. Die Rolle der non-verbalen Kommunikation in Japan
5.2. Linguistische Faktoren
5.2.1. Verständigungsprobleme aufgrund unzureichender Sprachfertigkeit
5.2.2. Die Rolle der schriftlichen Kommunikation
5.3. Kognitive Faktoren
5.3.1. Zum Stellenwert von ‚Wissen‘ in Japan
5.3.2. Die Reaktionsgeschwindigkeit – kognitive Verarbeitungszeit
5.3.3. Normen für die Angemessenheit von Gesprächsbeiträgen
5.4. Der Einfluss von Lehr- und Lerntraditionen
5.4.1. Schulische Sozialisation – Leistungsdruck und ‚Prüfungshölle‘
5.4.2. Stellenwert und Anforderungen eines (Deutsch-)Studiums
5.4.3. Einfluss der Lehrerausbildung auf Interaktionsprobleme im Unterricht
6. Kritische Betrachtung und Erkenntnisinteresse
6.1. „Östliche-und „westliche Kulturen– Kulturvergleich Sinn oder Unsinn?“
6.2. Konsequenzen für den DaF-Unterricht in Japan
6.2.1. Veränderungen und Perspektiven des Deutschunterrichts in Japan
6.2.2. Anforderungen für deutsche Lehrkräfte
6.2.3. Didaktische Implikationen und Strategien
7. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht das Interaktionsverhalten japanischer Studierender im universitären Deutschunterricht. Ziel ist es, die kulturell geprägten Ursachen für die häufig beobachtete Passivität und das Schweigen der Lernenden zu identifizieren und daraus didaktisch-methodische Strategien für Lehrkräfte abzuleiten.
2.5.1. Schweigen – Begriffsbestimmung und Funktion
Die ursprüngliche Bedeutung von Schweigen stammt aus dem Mittelhochdeutschen (swîgen) und lautet in etwa „die Rede unterbrechen– bzw. „die Stimme beugen, unterdrücken–(vgl. MAREK 2003: 302). Dieses Fehlen von Sprache, quasi das Nicht-Kommunizieren, wird in der Regel negativ gewertet. „Silence as absence – as absence of sound and therefore as absence of communication–(SCOLLON 1985 in ULSAMER 2002: 32). Jedoch ist erst im Wechselspiel von Sprache und Schweigen Kommunikation überhaupt möglich, sie bedingen sich zufolge gegenseitig (vgl. KASSEM 1994: 3; MAREK 2003: 302). Es existieren verschiedene Faktoren, die Einfluss auf die Bedeutung von Schweigen mit anderen Personen besitzen (vgl. MAREK 2003: 203). Vor allem die den Sprechakt begleitenden nonverbalen Elemente wie Mimik und Gestik fallen darunter. Zugleich darf der situative Kontext in dem Schweigehandlungen vollzogen werden hier nicht fehlen. In der Kirche oder im Kloster bspw. wird ein anderes Rede- und Schweigeverhalten verlangt, als an gastronomischen Orten, in der Schule oder im Museum. Folglich kann man auch von einer Orts- und Institutionsgebundenheit von Schweigen sprechen (MAREK 2003: 302).
Desweiteren existieren drei wesentliche Schweigephasen: Erstens das Schweigen innerhalb eines Redezuges oder ‚turns‘, wodurch ein Sprecherwechsel ermöglicht wird, zweitens am Ende eines Beitrags und drittens anstelle eines erwarteten Redebeitrages (vgl. MAREK 2003: 303; NAKANE 2007: 7; ULSAMER 2002: 67ff). Schweigen wirkt besonders unangenehm bei längerem Andauern und zum anderen vor allem anstelle eines erwarteten Gesprächsbeitrages. Unterbricht ein Gesprächspartner in einer Kommunikationssituation seine Rede, hat dieses Verhalten zumeist einen bestimmten Grund bzw. eine Funktion. Denn auch wenn der Gesprächspartner nicht spricht, heißt das nicht automatisch, dass er nicht an der Kommunikation teilnimmt. „Man kann nicht nicht kommunizieren—so hat es WATZLAWIK schon formuliert und folglich ist auch Schweigen nicht ohne Bedeutung.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen den Erwartungen deutscher Lehrkräfte und dem beobachteten passiven Interaktionsverhalten japanischer Studierender im Deutschunterricht.
2. Interaktion im FSU: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Interaktion im Kontext des Fremdsprachenunterrichts und beleuchtet pädagogische Interaktionsmuster sowie die Bedeutung des Schweigens.
3. Interaktion im FSU im kulturellen Kontext: Hier werden theoretische Ansätze zur Operationalisierung des Kulturfaktors sowie die Auswirkungen kultureller Sozialisation auf das Verhalten im Sprachunterricht erörtert.
4. Interaktion im japanischen FSU – Beobachtungen: Der Fokus liegt auf der empirischen Beschreibung des Unterrichtsgeschehens in Japan, insbesondere des Frage-Antwort-Verhaltens und der Lehrer-Schüler-Rollen.
5. Kulturelle Markiertheit von Interaktion im japanischen DaF-Unterricht –Einflussfaktoren auf das Rede- und Schweigeverhalten: Eine tiefgehende Analyse soziopsychologischer, linguistischer und kognitiver Faktoren, die das japanische Rede- und Schweigeverhalten prägen.
6. Kritische Betrachtung und Erkenntnisinteresse: Eine kritische Reflexion über Kulturvergleiche sowie die Ableitung von Konsequenzen und didaktischen Strategien für den Deutschunterricht in Japan.
7. Schlusswort: Die Autorin fasst zusammen, dass das Schweigen japanischer Studierender tief in kulturellen Normen verankert ist und neue didaktische Ansätze eine Anpassung an diese Gegebenheiten erfordern.
Deutsch als Fremdsprache (DaF), Interaktion, Japan, Schweigen, Interkulturelle Kommunikation, Harmonie, Gruppenkonformität, Sozialisation, Lehr- und Lerntraditionen, Didaktik, Interkulturelle Kompetenz, Sprachfertigkeit, Non-verbale Kommunikation.
Die Arbeit untersucht die kulturellen und psychosozialen Ursachen, warum japanische Studierende im Deutschunterricht häufig passiv agieren und schweigen, anstatt sich aktiv am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen.
Im Mittelpunkt stehen die Analyse von Interaktionsformen im DaF-Unterricht, der Einfluss der japanischen Kultur (z.B. Harmonie, Hierarchie) und die kritische Auseinandersetzung mit westlich geprägten didaktischen Erwartungen.
Das Ziel ist es, das für westliche Beobachter oft als "apatisch" missinterpretierte Verhalten japanischer Lernender durch eine fundierte Analyse ihrer kulturellen Prägung verständlich zu machen und didaktische Strategien für Lehrende zu entwickeln.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse interkultureller Theorien sowie auf die Auswertung zahlreicher Berichte und Beobachtungsstudien deutscher Lehrkräfte, die an japanischen Hochschulen tätig waren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung von Interaktion und Kultur sowie eine detaillierte Untersuchung der Faktoren (sozial, linguistisch, kognitiv), die das spezifische japanische Rede- und Schweigeverhalten beeinflussen.
Die zentralen Begriffe sind DaF, Interkulturelle Kommunikation, Japan, Schweigen, Harmoniestreben, Gruppenkonformität und Didaktik des Fremdsprachenunterrichts.
Das Konzept des "Gesicht-Wahrens" (Face-Threatening Acts) ist zentral: Viele Lernende schweigen, um weder sich selbst noch andere durch falsche Antworten oder Kritik bloßzustellen, da Harmonie in der Gruppe den höchsten Stellenwert genießt.
Der Rückgriff auf das Wörterbuch ist ein Symptom für das Bedürfnis nach Sicherheit und Korrektheit, da die japanische Bildungstradition stark auf schriftliche Genauigkeit und Vokabelwissen fokussiert ist.
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