Examensarbeit, 2009
100 Seiten, Note: 1.0
I. Einleitung
II. Theoretischer Rahmen und zentrale Begriffe
II.1. Jugend und Identität
II.2. Jugendkultur
II.3. Jugendsprache
II.3.1. Funktionen von Jugendsprache
II.3.2. Jugendsprachliche Merkmale
II.3.2.1. Gegenseitige Anreden
II.3.2.2. Vulgär- und Sexualsprache
II.3.2.3. Vagheitsmarker
II.3.2.4. Ethnolektgebrauch als jugendsprachliches Merkmal?
II.4. Genderspezifische Kommunikation
II.4.1. Stereotype
II.4.2. Das konstruktivistische doing gender-Konzept
II.4.3. Sprachgebrauch und Gesprächsverhalten von Frauen und Männern
II.5. Sprachkonvergenz- und Sprachdivergenzprozesse
III. Empirische Untersuchung
III.1. Erhebung und Auswertung der Daten
III.2. Teilnehmer
III.3. Aufnahmebedingungen und Ablauf
III.4. Diskussionsgrundlagen
III.5. Fragebogen
IV. Ergebnisse
IV.1. Auswertung des Fragebogens
IV.1.1. Jugendsprache und genderspezifische Jugendsprache
IV.1.2. Ethnolekt – Kenntnis und Gebrauch
IV.2. Thematisierung von Geschlechter-Stereotypen im Gespräch
IV.3. Vulgär- und Sexualsprache
IV.4. Vagheitsmarker
IV.5. Gegenseitige Anreden
IV.6. Ethnolektgebrauch
IV.7. Konvergenz- oder Divergenzprozesse in der gemischtgeschlechtlichen Probandengruppe?
IV.7.1. Vulgär- und Sexualsprache
IV.7.2. Vagheitsmarker
IV.7.3. Gegenseitige Anreden
IV.7.4. Ethnolektgebrauch
V. Fazit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Existenz und Ausprägung genderspezifischer Jugendsprache unter Anwendung eines empirisch-ethnographischen Ansatzes. Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob sich unterschiedliche Entwürfe von Geschlechtsidentität in der Jugendsprache manifestieren und wie diese das Sprachverhalten von Mädchen und Jungen beeinflussen.
II.3.1. Funktionen von Jugendsprache
Betrachten wir Jugendsprache als einen gruppensprachlichen sowie an Situationen und Kontexte gebundenen sprechsprachlichen Stil, so stellt sich die Frage nach den Funktionen von Jugendsprache. Was Jugendsprache bewirkt ist mannigfaltig. Die wichtigsten Funktionen und somit auch Gründe für die Entwicklung von Jugendsprache sollen hier vorgestellt und erläutert werden.
Ehmann kategorisiert die Funktionen von Jugendsprache in sechs Komplexe: „den Protestaspekt“, „den Abgrenzungsaspekt“, „den Aspekt der Credibility“, „den Spiel und Innovationsaspekt“, „den affektiv-emotionalen Aspekt“, und „den kommunikativ ökonomischen Aspekt“ (Ehmann 2001: 10f). Die folgenden Überlegungen lehnen sich an Ehmanns Kategorisierung an, wobei weitere Forschungspositionen in die Darstellung einfließen.
Der Protestaspekt steht für Ehmann vor allem für die Ablehnung sprachlicher und gesellschaftlicher Konventionen, welche die Jugendlichen zum Ausdruck ihrer Bedürfnisse als unzeitgemäß empfinden (vgl. Ehmann 2001: 10). Jugendliche grenzen sich von der Erwachsenenwelt so unter anderem durch eine Kommunikation, die Erwachsene ausschließt oder durch provokante Ausdrücke und Paraphrasen empört, ab. Sie schaffen sich sprachliche Räume, in welchen die eigene Auffassung gesellschaftlicher Werte und Normen ausgedrückt werden kann. Neuland verweist in diesem Zusammenhang auf den Aspekt der „Spiegelung und Gegenspiegelung“ (Neuland 2003b: 10) gesellschaftlicher Verhältnisse in Jugendsprache: Sie betont die „zeitdiagnostisch-kulturanalytische“ (ebd.) Dimension von Jugendsprache, die gegebene gesellschaftliche Verhältnisse reflektiert, bejaht oder ablehnt. Jugendsprache entsteht also relational zu gesellschaftlichen oder politischen Systemen. Unter anderem wird hier die Notwendigkeit einer differenzierten, vorurteilsfreien Sichtweise auf Jugendsprache deutlich, die sich von pauschalierenden Beurteilungen von Jugendsprache als Sprachverfall abgrenzt. Augenstein verweist sogar auf die mögliche Einordnung von Jugendsprache als Fachsprache und begründet diese Sichtweise mit einem von der Erwachsenenwelt abweichenden Wissens- und Erfahrungshorizont, der andere Ausdrucksmöglichkeiten unbedingt fordert (Augenstein 1998: 47).
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage zur Existenz und Ausprägung genderspezifischer Jugendsprache ein und erläutert die Hypothese der Arbeit.
II. Theoretischer Rahmen und zentrale Begriffe: Das Kapitel definiert grundlegende Begriffe wie Identität, Jugendkultur und Jugendsprache und beleuchtet Theorien zur genderspezifischen Kommunikation.
III. Empirische Untersuchung: Hier wird der methodische Ansatz der Datenerhebung durch Gesprächsaufnahmen mit Jugendlichen sowie die Nutzung von Fragebögen beschrieben.
IV. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Analyse der erhobenen Gesprächsdaten hinsichtlich der verschiedenen untersuchten jugendsprachlichen Merkmale und deren Genderspezifik.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bestätigung der aufgestellten Thesen im Kontext der Forschung zu Gender und Sprache.
Jugendsprache, Genderspezifische Kommunikation, Identität, Doing Gender, Ethnolekt, Vagheitsmarker, Vulgärsprache, Sprachkonvergenz, Gruppenspezifik, Soziolinguistik, Geschlechterstereotype, Gesprächsanalyse, Jugendliche, Jugendkultur, Sprachwandel
Die Arbeit untersucht, ob und wie Jugendliche genderspezifische sprachliche Merkmale in ihrem Alltag gebrauchen und ob sich dadurch unterschiedliche Entwürfe von Geschlechtsidentität manifestieren.
Zentrale Themen sind die soziale Identitätsbildung im Jugendalter, die Funktionen von Jugendsprache sowie die Frage nach geschlechtstypischen Kommunikationsstilen.
Ziel ist es zu klären, ob Jugendsprache geschlechtsspezifisch generiert wird und ob sich unterschiedliche Ausdrucksweisen von Mädchen und Jungen empirisch nachweisen lassen.
Die Autorin wendet einen empirisch-ethnographischen Ansatz an, der qualitative Gesprächsanalysen (transkribiert in GAT) mit quantitativen Auswertungen von Fragebogendaten kombiniert.
Im Hauptteil werden vier spezifische Merkmale – Vulgär- und Sexualsprache, Vagheitsmarker, Anreden und Ethnolektgebrauch – hinsichtlich ihres Gebrauchs in Mädchen- und Jungengruppen analysiert.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Jugendsprache, Doing Gender, Identität, Ethnolekt und Sprachkonvergenz aus.
Der Ethnolekt wird als möglicher Stilisierungsfaktor und als Ausdruck von männlich konnotiertem, aggressivem Sprachverhalten in bestimmten Gruppen untersucht.
Die Emmendinger Mädchengruppe wird als Sonderfall hervorgehoben, da sie durchgängig mit stereotypen weiblichen Erwartungen bricht, was im Fazit als bemerkenswertes Ergebnis diskutiert wird.
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