Bachelorarbeit, 2023
37 Seiten
1. Einleitung
2. Höfische Liebe und Ehe in der mittelalterlichen Literatur
2.1. Begriffsdefinition der höfischen Liebe
2.2. Ehe in der höfischen Kultur
3. Das höfische Epos „Iwein“
3.1. Inhaltlicher Aufbau
3.2. Charakterisierung des Artusritters Iwein
3.3. Charakterisierung der Burgherrin Laudine
4. Liebes- und Ehekonzeption in Hartmanns „Iwein“
4.1. Iweins und Laudines erste Begegnung
4.2. Iweins Ehemotivation
4.3. Laudines Ehemotivation
4.4. Der Heiratsantrag
5. Problematisierung des Ehekonzepts
5.1. Fristversäumnis und Treuebruch
5.2. Laudines Eid und Versöhnung
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eheschließung zwischen Iwein und Laudine in Hartmanns von Aue Artusroman „Iwein“, mit dem zentralen Ziel zu ergründen, ob diese Verbindung eine höfische Liebesbeziehung oder eine machtpolitisch motivierte Vernunftehe darstellt, unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Beweggründe beider Charaktere sowie der Rolle strategischer Notwendigkeiten.
4.4. Der Heiratsantrag
Während des ersten Gesprächs zwischen Iwein und Laudine kommt es auch direkt zur Absprache der Eheschließung, da hier die Gegenseitigkeit ihrer Eheabsichten thematisiert wird. Mit der Verlöbnisformel „ich wil iuch gerne, welt ir mich?“ (Iw., V. 2332), überlässt Laudine Iwein die Entscheidung, betont allerdings, „wie wichtig ihr die Gewinnung Iweins für die Ehe ist.“:
„und geloubet mir ein mære:
ê ich iuwer enbære,
ich bræche ê der wîbe site.
swie selten wîp mannes bite,
ich bæte iuwer ê.“ (Iwein, V. 2327-2331)
Laudine versichert Iwein, ihm seine Gunst zu erweisen, indem sie auf den eigenen Stolz verzichtet. Sie zeigt eine außergewöhnliche Entschlossenheit und ist dazu bereit, ihre Zurückhaltung gegenüber einem Mann zu überwinden, was eine ungewöhnliche Geste für eine Frau des Mittelalters darstellt. Wie auch sie selbst bereits anspricht, hebt sich dieses Verhalten untypisch von den traditionellen Heiratsanträgen im mittelalterlichen Kontext ab, da üblicherweise der Mann um die Hand der Frau anhält. Laudine bricht somit diese Norm, indem sie Iwein aktiv auffordert, sie zur Frau zu nehmen und nur noch deutlicher ihre dringliche Notlage hervorhebt, aus der sie gezwungen ist zu entkommen. Wiegand deutet die Szene des Heiratsantrags als klaren Beweis dafür, dass Laudine nicht aus tiefer Liebe, sondern aus politischen Gründen und aus der Not heraus entscheidet, Iwein zu heiraten. Er ist der Ansicht, dass Laudine den Heiratsantrag, fast schon wie eine Bedingung äußert und unterstreicht die Tatsache, dass die Verlöbnisformel weniger einem Liebesgeständnis als einem Angebot zu einer Ehe, politisch motiviert.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob die Ehe zwischen Iwein und Laudine als Ausfluss höfischer Minne oder machtpolitischer Notwendigkeit zu interpretieren ist, und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Höfische Liebe und Ehe in der mittelalterlichen Literatur: Dieses Kapitel erarbeitet die begriffliche Definition der höfischen Liebe (Minne) und beschreibt die soziokulturellen Rahmenbedingungen von Eheschließungen im hochmittelalterlichen Feudaladel.
3. Das höfische Epos „Iwein“: Hier werden der inhaltliche Aufbau des Doppelwegschemas sowie die psychologischen Profile und ritterlichen beziehungsweise herrschaftlichen Rollen von Iwein und Laudine vorgestellt.
4. Liebes- und Ehekonzeption in Hartmanns „Iwein“: Dieses Hauptkapitel analysiert kritisch die Beweggründe zur Eheschließung, wobei die erste Begegnung, individuelle Motivationen und der Heiratsantrag inklusive eines Vergleichs mit Chrétien de Troyes detailliert beleuchtet werden.
5. Problematisierung des Ehekonzepts: Dieses Kapitel widmet sich dem Scheitern der Ehe durch Iweins Treuebruch und Fristversäumnis sowie der anschließenden Versöhnung durch Laudines Eid.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und konstatiert eine komplexe Verschränkung von persönlichen Gefühlen und politischen Notwendigkeiten in der Ehe der Protagonisten.
Iwein, Laudine, Hartmann von Aue, höfische Minne, politische Ehe, Heiratsantrag, Literaturanalyse, Mittelalter, Chrétien de Troyes, Ehekonzeption, Triuwe, Machtpolitik, Rollenbilder, Lunete, Artusroman.
Die Arbeit analysiert die Ehe zwischen den Hauptfiguren Iwein und Laudine im Artusroman von Hartmann von Aue und hinterfragt, ob die Verbindung eher auf höfischer Minne oder auf machtpolitischen Kalkülen basiert.
Die Arbeit verknüpft literaturwissenschaftliche Textanalyse mit historischen Kontexten, insbesondere zur mittelalterlichen Eheschließungspraxis, zur höfischen Minnelehre und zur Rolle der Frau als Herrscherin.
Die zentrale Frage lautet: Inwiefern kann die Ehe zwischen Iwein und Laudine als höfische Liebesbeziehung interpretiert werden, im Kontrast zu einer aus machtpolitischen oder sozialen Zwängen motivierten Vernunftehe?
Die Arbeit nutzt eine strukturierte Text- und Motivanalyse, ergänzt durch einen literaturwissenschaftlichen Vergleich mit der altfranzösischen Vorlage „Yvain“ von Chrétien de Troyes, um Charakterentwicklung und Beziehungsdynamiken herauszuarbeiten.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der ersten Begegnung der Protagonisten, den individuellen Ehemotivationen, der Analyse der Heiratsszene sowie der Problematisierung der Beziehung durch Treuebruch und Rechtskonflikte.
Wesentlich sind Begriffe wie Iwein, Laudine, Minne, politische Ehe, Geschlechterrollen, Treue (triuwe) und der Vergleich zwischen Hartmann von Aue und Chrétien de Troyes.
Der Heiratsantrag markiert eine Schlüsselszene, in der Laudine traditionelle Geschlechterrollen bricht, indem sie aktiv um die Hand des Ritters anhält, was als Beweis für ihre pragmatische, notgezwungene Handlungsmotivation angeführt wird.
Die Arbeit interpretiert Laudine primär als selbstbestimmte, wenngleich unter politischem Druck stehende Herrscherin, die erst im Laufe der erzählten Geschichte eine tiefere emotionale Bindung zu Iwein entwickelt, die über die anfängliche reine Vernunftentscheidung hinausgeht.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

