Diplomarbeit, 1994
97 Seiten, Note: sehr gut
PROLOG — EIN BIBLIODRAMA
DAS SPIEL
DEUTUNG DES SPIELES
EINLEITUNG
ZUR SYSTEMATISCHEN EINORDNUNG
ZUR VORGEHENSWEISE
ZUR SPRACHE
1. „HERR, RUFE MICH !“ — DIE SITUATION SEHEN: DIE STRUKTURELL INDIVIDUALISIERTE GESELLSCHAFT DER MODERNE UND IHR RELIGIÖSES VERHALTEN
1.1 DIE GESCHICHTE DES WANDELS SEIT 1850
1.1.1 DER KATHOLIZISMUS IM KONTEXT DER BÜRGERLICH-MODERNEN INDUSTRIEGESELLSCHAFT VON 1850 - 1950
1.1.1.1 Der sondergesellschaftliche Katholizismus in der Schweiz
1.1.2 DER BRUCH ZWISCHEN VOR- UND NACHKRIEGSGENERATION
1.1.2.1 Die Achtundsechziger-Krise: Enttraditionalisierung und Transformation der christlichen Religion
1.1.2.2 Die achtziger Jahre: Pluralisierung und Individualisierung
1.2 DIE ENTGRENZT-MODERNE STRUKTUR VON GESELLSCHAFT UND RELIGION: INDIVIDUALISIERUNG
1.2.1 FAKTOREN DER INDIVIDUALISIERUNG
1.2.1.1 Entgrenzte strukturelle und funktionale Differenzierung
1.2.1.2 Kultureller und religiöser Pluralismus
1.2.1.2.1 Das Problem von Typologisierungen
1.2.1.2.2 Fünf Sektoren des Katholizismus
1.2.2 DE-INSTITUTIONALISIERUNG ALS SICHTBARSTE FORM DER STRUKTURELLEN INDIVIDUALISIERUNG
1.2.2.1 Institutionen sind out
1.2.2.2 „Formale Organisationen“ sind in
1.2.2.3 Typen der Kirchenbindung
1.2.3 VERGLEICH MIT FRÜHER
1.2.4 DER/DIE EINZELNE ALS TRÄGER DER INDIVIDUALISIERUNG
1.3 PLAUSIBILISIERUNG DER PASTORALEN OPTION DER ENTSCHEIDUNGSFÖRDERUNG
1.3.1 KOMMT IN DER UMFRAGE DES SPI VON 1993 DAS MASS DER RELIGIÖSEN ENTSCHIEDENHEIT DER BEFRAGTEN ZUM AUSDRUCK?
1.3.2 DIE MODERNE GESELLSCHAFT VERLANGT ENTSCHEIDUNGEN
2. WIDER DIE „BERUFUNGS-IDEOLOGIE“ — GLAUBEN KÖNNEN UND GLAUBEN WOLLEN
2.1 WIE EIN MENSCH ZUM GLAUBEN KOMMT – PSYCHISCHE VORAUSSETZUNGEN DER RELIGIÖSEN REIFUNG NACH DIETER FUNKE
2.1.1 ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGISCHE VORAUSSETZUNGEN
2.1.1.1 Die „psychische Geburt des Individuums“
2.1.1.2 Entwicklungsphasen nach Margaret S. Mahler
2.1.2 VORSPRACHLICH-UNBEWUSSTE STUFEN DES GLAUBENS
2.1.2.1 Beziehungen zu Personen: Mutter und Vater
2.1.2.2 Beziehungen zu Dingen: Der „intermediäre Raum“
2.1.2.3 Symbole und ihre Bedeutung
2.1.3 ZWEI GRUNDTENDENZEN: VERBINDUNG UND TRENNUNG
2.1.4 „IM GLAUBEN ERWACHSEN WERDEN“ – EINE KRITIK FUNKES
2.2 WAS IST EINE ENTSCHEIDUNG ?
2.2.1 DER BEGRIFF
2.2.1.1 Geschichte
2.2.1.2 Begriffliche Unterscheidungen
2.2.1.3 Ansätze
2.2.2 ASPEKTE EINER ENTSCHEIDUNG
2.2.2.1 Freiheit
2.2.2.2 Bewusstheit
2.2.2.3 Willentlichkeit
2.2.2.4 Auseinandersetzung mit dem Vorgegebenen: Annahme und Scheidung
2.2.2.5 Eine Entscheidung will konkret und symbolisch gelebt sein
2.2.3 DIE STADIEN DES WOLLENS — DIE LEHRE VOM WILLEN NACH ASSAGIOLI
2.2.3.1 Motivation, Bewertung, Absicht, Ziel
2.2.3.2 Erwägung
2.2.3.3 Wahl
2.2.3.4 Bekräftigung
2.2.3.5 Planung und Durchführungsleitung
2.2.4 EINZELENTSCHEIDUNGEN - GRUNDENTSCHEIDUNG — KRITERIUM FÜR DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG
2.3 DIE ENTSCHEIDUNGSFÄHIGKEIT DER MENSCHEN VON HEUTE
2.3.1 DAS SCHÖN GEPFLEGTE BOOT – WIE VERMEIDE ICH ENTSCHEIDUNGEN.
2.3.1.1 Entscheidungshemmende und -verhindernde Faktoren
2.3.1.2 Strategien: Indifferenz und Fundamentalismus
2.3.1.3 Hemmende Strukturen in der Kirche
2.3.2 MOMENTE, DIE EINE ENTSCHEIDUNG PROVOZIEREN
2.4 DIE GLAUBENSHALTUNG DER ENTSCHEIDUNG – GLAUBEN WOLLEN
2.4.1 GLAUBE ALS ENTSCHEIDUNG IST EIN PROZESS — GLAUBEN
2.4.2 GLAUBE ALS ENTSCHEIDUNG IST EIN WAGNIS — HOFFEN
2.4.3 GLAUBE ALS ENTSCHEIDUNG IST GEMEINSCHAFTLICH — LIEBEN
2.4.4 GLAUBE ALS ENTSCHEIDUNG IST ANT-WORT AUF EIN WORT DES ANGEBOTES
3. „KOMM MIT MIR, JESUS!“ — ERZIEHUNG ZUM GLAUBEN-WOLLEN
3.1 "SCHULUNG DES WILLENS" — FÜR EINE PÄDAGOGIK DER ENTSCHEIDUNGSFÖRDERUNG
3.2 EINE ENTSCHEIDUNGSFÖRDERNDE KIRCHE
SCHLUSSWORT
Die Arbeit zielt darauf ab, unter den Bedingungen einer individualisierten und pluralistischen Moderne eine pastorale Seelsorge zu begründen, die den Menschen konkret in seiner Entscheidungsfähigkeit fördert. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie Seelsorge so gestaltet sein muss, dass sie den modernen Menschen in seiner religiösen Identitätsfindung unterstützt, ohne seine individuelle Freiheit zu beschneiden oder ihn in vorgefertigte ideologische Bahnen zu drängen.
Die Entscheidungsfähigkeit der Menschen von heute
Werde, was du bist. Dich verwirklichen? Schreckst du vielleicht vor einer Entscheidung zurück, aus Furcht, den falschen Weg einzuschlagen? Solltest du im Treibsand deiner Unschlüssigkeit versinken? Sei dir darüber im Klaren: einem Ja zu Christus für das ganze Leben haftet ein Stück Irrtum an, aber dieser Anteil ist von allem Anfang an durch einen Glaubensakt geläutert. Aufbrechen also, ohne zu sehen, im Vertrauen auf sein Wort. Rufe nicht länger die Dunkelheit in dir herbei, um deine Weigerung zu bedecken. Glücklich, wer sich die Hand von den Augen reisst, um das Kühnste aller Risiken einzugehen: ,Ostern zusammen mit Christus durchleben.‘
Die Umfrage des SPI hat uns wenig Hinweise geben können auf die Fähigkeiten der Befragten, dem Leben entschieden zu begegnen. Zahlreiche Autorinnen und Autoren attestieren dem Menschen von heute aber Entscheidungsschwierigkeiten. Ohne diese Aussagen statistisch überprüfen zu können, kann ich ihrer Erfahrung Glauben schenken, allerdings unter der Einschränkung, dass sie, gerade weil sie hauptsächlich aus ihrer therapeutischen Erfahrung schöpfen, wohl manchmal in Versuchung sind, diese verallgemeinernd auch auf die Menschen zu übertragen, die keine Therapie aufsuchen. Dass aber jemand keine Therapie sucht, heisst wohl im Normalfall auch, dass er auch keine Schwierigkeiten hat, sein Leben zu bewältigen (obwohl ,leben‘ mehr heisst als nur ,das Leben bewältigen‘). Einige Aussagen will ich hier heranziehen, um auf die meines Erachtens häufigsten Fallen hinzuweisen, in die wir heute gerne hineinlaufen.
1. „HERR, RUFE MICH !“ — DIE SITUATION SEHEN: DIE STRUKTURELL INDIVIDUALISIERTE GESELLSCHAFT DER MODERNE UND IHR RELIGIÖSES VERHALTEN: Dieses Kapitel analysiert die moderne Gesellschaftsstruktur und deren Einfluss auf Religiosität, wobei insbesondere das Konzept der Individualisierung und die damit verbundene institutionelle Schwächung der Kirchen thematisiert werden.
2. WIDER DIE „BERUFUNGS-IDEOLOGIE“ — GLAUBEN KÖNNEN UND GLAUBEN WOLLEN: Hier werden psychologische und anthropologische Grundlagen der Glaubensentscheidung untersucht, wobei der Fokus auf dem Übergang von der unbewussten Identitätsentwicklung zur bewussten, willentlichen Glaubensentscheidung liegt.
3. „KOMM MIT MIR, JESUS!“ — ERZIEHUNG ZUM GLAUBEN-WOLLEN: Das abschließende Kapitel leitet aus den theoretischen Überlegungen praktische Konsequenzen für eine moderne Seelsorge ab, die den Menschen zur Mündigkeit und zu einer bewussten Gestaltung seines Lebens- und Glaubensweges befähigt.
Glaubensentscheidung, Individualisierung, Moderne, Seelsorge, Entscheidungsförderung, Identität, Psychologie, Religion, Freiheit, Bewusstheit, Willentlichkeit, Symbolpädagogik, Kirche, Pluralismus, Spiritualität
Die Arbeit untersucht, wie in einer modernen, stark individualisierten Gesellschaft ein authentischer christlicher Glaube und ein gelebtes Christsein unter Berücksichtigung der persönlichen Freiheit des Einzelnen möglich sind.
Die Themenfelder umfassen die soziologische Situationsanalyse der Gegenwart, psychologische Grundlagen der menschlichen Identitätsentwicklung sowie die theologische Begründung einer entscheidungsfördernden Seelsorge.
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie kirchliche Praxis den Menschen helfen kann, mündige Glaubensentscheidungen zu treffen, anstatt lediglich durch überlieferte Tradition oder Druck zur Passivität verdammt zu sein.
Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der religionssoziologische Studien mit tiefenpsychologischen Theorien (insbesondere von Funke und Assagioli) sowie eine theologisch-phänomenologische Betrachtung von Entscheidungsprozessen verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der modernen Gesellschaft als strukturell individualisiertes Umfeld, eine Untersuchung des "Glauben-Könnens" anhand psychologischer Reifungsprozesse und die Erörterung des "Glauben-Wollens" als bewusster Entscheidungsprozess.
Zentrale Begriffe sind Glaubensentscheidung, Individualisierung, Freiheit, Identität, psychische Reifung, Entscheidungsförderung und die Reflexivität des Glaubens.
Der Autor kritisiert die Auffassung, dass man auf eine passive Berufung warten müsse, statt als Mensch selbst die Initiative zu ergreifen, um einen Weg mit Jesus zu suchen und zu gehen.
Er plädiert für eine "entscheidungsfördernde Kirche", die nicht als bevormundende Institution auftritt, sondern als "Spielraum", in dem Individuen ihre eigene Glaubensidentität in freier Entscheidung entwickeln können.
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