Bachelorarbeit, 2022
82 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Sucht und Gewalt
2.1 Sucht- und Gewaltbegriff
2.2 Zahlen, Daten und Fakten
2.3 Kausalitäten oder Korrelationen zwischen Abhängigkeit und Gewalttätigkeit
3 Gewalt unter Substanzkonsum
3.1 Theoretische Ansätze
3.2 Die Bedeutung für die Soziale Arbeit in der Suchthilfe
3.3 Zwischenfazit
4 Empirische Untersuchung zur Gewaltbehandlung
4.1 Forschungsstand
4.2 Methodik
5 Darlegung der Ergebnisse
5.1 Kontextualisierung und allgemeiner Überblick
5.2 Konzepte und Methoden zum Umgang mit gewaltfahrenen PatientInnen
5.3 Zusammenfassung
5.4 Diskussion der vorliegenden Ergebnisse
6 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen Suchterkrankungen und Gewalterfahrungen bzw. Gewaltausübung und analysiert, wie diese Thematik in stationären Suchthilfeeinrichtungen durch Fachkräfte wahrgenommen und behandelt wird.
3.1 Theoretische Ansätze
Unter den theoretischen Ansätzen zur Erklärung des Zusammenhangs zwischen Alkohol und Gewalt dominierte lange Zeit die Disinhibitionstheorie (vgl. Klein 2000, 24). Diese beschreibt, dass die Wirkung des Alkohols Hemmungen vieler Funktionen z.B. auch Angst oder Unsicherheiten auslöst. Nach dem Prinzip „Hemmung der Hemmung“ wird dadurch aggressives und gewalttätiges Verhalten gefördert. Die Theorie konnte aber nicht auf Personen angewendet werden, welche in manchen Situationen mit Gewaltverhalten, in anderen Situationen hingegen mit keinem Gewaltverhalten oder gar mit Rückzug reagieren. Es gibt dahingehend keinen Automatismus, dass erhöhter Alkoholkonsum zu erhöhter Gewaltbereitschaft führt. Deshalb beziehen sich neue Theorien auf die Wichtigkeit differenzieller Faktoren, wie neuropsychologische Effekte, sozial-kognitiver Erwartungen an den Rausch oder Alkoholmenge und -art. Unter Betrachtung einer kriminologischen Analyse von Gewaltakten bei Vorliegen Alkoholintoxikation ist als Ergebnis hervorgestochen, dass oft ein verbaler Streit (Beschimpfungen, Drohungen oder Einschüchterungen) vorausgeht. Entscheidend ist dabei, dass die alkoholisierte Person sich provoziert fühlt. Dabei ist zu bemerken, dass Opfer und TäterInnen gleichermaßen oft eine verbale Auseinandersetzung beginnen. Jedoch sorgen höhere Alkoholdosen für eine stärkere aggressive Reaktion und die Eskalation wird durch die alkoholisierte Person beschleunigt (vgl. Klein 2022, 13).
An dieser Kurzbeschreibung greifen zwei theoretische Ansätze an, um Gewaltverhalten unter Substanzkonsum -hier Alkoholkonsum- zu beschreiben. Der erste neuere theoretische Ansatz hat einen kognitiven Hintergrund (vgl. ebd., 14). Er teilt den Prozess des Gewaltaktes in drei Phasen ein: die Anxiolyse, den Hemmungskonflikt und die Selbstaufmerksamkeit. Die Anxiolyse beschreibt, dass die KonsumentInnen durch den Einfluss von Alkohol gedämpfte Angstgefühle hat, welche wiederum die Auslösung von aggressiven Impulsen erleichtert. Im nachfolgenden Hemmungskonflikt wird Gewaltverhalten einerseits durch verschiedene Reize ausgelöst, währenddessen gleichzeitig andere Reize das Verhalten hemmen.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Verbindung zwischen Substanzkonsum und Gewalt sowie Darlegung der zentralen Forschungsfrage.
2 Sucht und Gewalt: Definition der Grundbegriffe und Darstellung statistischer Zusammenhänge zwischen Abhängigkeitserkrankungen und Gewaltphänomenen.
3 Gewalt unter Substanzkonsum: Erörterung der theoretischen Hintergründe von Gewalt bei Suchtmittelgebrauch und deren Relevanz für die Soziale Arbeit.
4 Empirische Untersuchung zur Gewaltbehandlung: Beschreibung des Forschungsdesigns und der methodischen Vorgehensweise mittels Experteninterviews.
5 Darlegung der Ergebnisse: Präsentation und Analyse der Interviewauswertung zur Praxis der Gewaltbehandlung in Suchteinrichtungen.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ableitung von Empfehlungen für die suchttherapeutische Praxis.
Suchthilfe, Gewaltprävention, Alkoholabhängigkeit, Substanzkonsum, Sozialarbeit, Trauma, Patientenbetreuung, Aggression, Therapiekonzepte, Suchtrehabilitation, Gewalt, Dualdiagnose, Patientenmotivation, Fachkräfte, Suchttherapie.
Die Bachelorarbeit setzt sich mit der komplexen Verbindung zwischen Abhängigkeitserkrankungen und Gewalttätigkeit auseinander, wobei der Fokus auf dem professionellen Umgang damit in Suchthilfeeinrichtungen liegt.
Die Arbeit beleuchtet die Definitionen von Sucht und Gewalt, theoretische Erklärungsmodelle, die Rolle von traumatischen biografischen Erfahrungen sowie die konkrete Praxis in der stationären Suchtrehabilitation.
Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie die Thematik Gewalt in Suchtrehabilitationseinrichtungen thematisiert wird und welche Konzepte hierfür existieren, um betroffene PatientInnen bestmöglich zu begleiten.
Die Arbeit basiert auf einem qualitativen Forschungsdesign, in dessen Rahmen Experteninterviews mit drei Fachkräften aus Suchtrehabilitationseinrichtungen durchgeführt und ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Gewalt-Sucht-Thematik und einen empirischen Teil, der die tatsächliche Arbeitssituation und Erfahrungen aus dem Klinikalltag schildert.
Zentrale Begriffe sind Suchthilfe, Gewaltprävention, Substanzkonsum, suchtspezifische Therapiekonzepte sowie Trauma und Patientenbetreuung.
Die Erhebungen zeigen, dass das Thema Gewalt in der Einrichtung präsent ist und oft individuell gehandhabt wird, wobei professionelle Standards und ein klares Regelwerk wesentlich dazu beitragen, Sicherheit und Entlastung für Patienten zu schaffen.
Die Anamnese gilt als essenzieller Baustein, um Gewalterfahrungen der PatientInnen offenzulegen und diese als therapeutisches Ziel in den Behandlungsprozess zu integrieren.
Die Interviews verdeutlichen, dass Frauen in Partnerschaften häufiger von Gewalt betroffen sind, während bei Männern oft eigene strafrechtliche Verwicklungen und delinquente Hintergründe im Vordergrund der Arbeit stehen.
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