Magisterarbeit, 2007
109 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Indischer Film – Ein Überblick
2.1. Einige Bemerkungen zum indischen Filmgeschäft
2.2. Nur eine Mode? Indischer Mainstreamfilm in Deutschland
Exkurs: Shahrukh Khan als paradigmatische Gestalt des ‚Bollywood’-Films in Deutschland
3. Strukturmerkmale des ‚Bollywood’-Films
3.1. Hybrider Inhalt und hybride Form
3.2. Handlungsbündel statt Handlungsverlauf
3.3. Eine andersartige Emotionalität
3.4. Film ohne Mimesis
4. Kulturelle und gesellschaftspolitische Bedeutungsebenen in Devdas und Kabhi Alvida Naa Kehna
4.1. Kulturelle Repräsentationen in Devdas
4.1.1. Bezüge zum Mythos
4.1.2. Gesellschaftliche Konfliktfelder
4.1.3. Die Bedeutung der song and dance sequences
4.1.4. Die Bedeutung des visuellen Stils
4.2. Kabhi Alvida Naa Kehna – Ein Plädoyer für neue Familienstrukturen?
4.2.1. Die Familienstrukturen
4.2.2. Die Beziehungsstrukturen
4.2.3. Die Figurencharakterisierung
4.2.4. Die Bedeutung der song and dance sequences
5. Resümee – Von der Eigenständigkeit des indischen Films in einer transnationalen Medienwelt
Die Arbeit untersucht das indische Mainstream-Kino, insbesondere den sogenannten „Bollywood“-Film, als visuelle Repräsentation einer komplexen, im Wandel begriffenen Gesellschaft. Ziel ist es, die kulturellen und gesellschaftspolitischen Bedeutungsebenen hinter der farbenfrohen Fassade aufzuzeigen und dabei zu belegen, dass diese Filme weit mehr als bloße Unterhaltungsprodukte sind, sondern moralische und politische Diskurse widerspiegeln.
3.1. Hybrider Inhalt und hybride Form
Eine Hybridform ist der indische Film nicht nur was die Elemente der Handlung betrifft, sondern auch was die künstlerischen Mittel betrifft. Stephen Alter kommt in seiner Beschreibung dem als ‚Bollywood’ bezeichneten Phänomen näher, indem er dessen Charakter als Gemisch in Form und Handlung beschreibt:
Superficially, it describes movies that splice together elaborate plots involving plenty of dramatic action and leaps of improbable imagination, intercut with song and dance. Nevertheless, Bollywood is more than just the sum of its many stereotypes. It is a culture all its own, with pantheon of celebrity icons and a fan base larger than the population of Europe and America combined.103
Indische Filme griffen andere Kulturpraktiken auf und vermengten künstlerische Sparten miteinander, die in der westlichen Tradition sehr viel stärker getrennt sind:
This change also reflected something very deep in Indian thinking, the very different way Indians see drama, comedy, musical. Indians say the West follows a facist system of thought, which divides various artistisc expressions into separate, watertight compartments. India mixes them all together, rather like the Indian dish kicheree where everything from rice through pulses to eggs, vegetables and spices, are all thrown into a pot to make a delicious meal. So it was with films.104
Stories entwickelten sich vielfach aus den indischen Epen des Ramayana und Mahabharata, so dass mythologische Ursprünge, aber auch deren Umsetzung im Theater, von hoher Bedeutung waren und blieben.105 Auch die Musik ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die spätere Popularität des Films. Schon der bereits erwähnte erste indische Tonfilm Alam Ara (The Light of the World) von Ardeshir Irani aus dem Jahr 1931 hatte song and dance sequences, die somit von Anfang an zum indischen Tonfilm dazugehörten.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Bedeutung des indischen Films als globales Phänomen und definiert das Erkenntnisinteresse an den gesellschaftlichen Bedeutungsebenen des Genres.
2. Indischer Film – Ein Überblick: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des indischen Kinos, von den Anfängen unter Phalke bis zur modernen Medienindustrie.
3. Strukturmerkmale des ‚Bollywood’-Films: Hier werden die narrativen und formalen Eigenheiten wie Hybridität, Handlungsbündel und die spezifische emotionale Struktur analysiert.
4. Kulturelle und gesellschaftspolitische Bedeutungsebenen in Devdas und Kabhi Alvida Naa Kehna: Anhand dieser zwei Filme werden kulturelle Codes, Familienideale und die Rolle von Sexualität in indischen Mainstream-Produktionen detailliert untersucht.
5. Resümee – Von der Eigenständigkeit des indischen Films in einer transnationalen Medienwelt: Das Fazit fasst zusammen, dass indisches Kino ein eigenständiges, ernst zu nehmendes kulturelles Erzeugnis ist, das globale Einflüsse mit lokalen Traditionen verwebt.
Bollywood, Indischer Film, Mainstream-Kino, Devdas, Kabhi Alvida Naa Kehna, Song and dance sequences, Hybridität, Sozialstruktur, Familie, Ehediskurs, Indische Diaspora, Mythologie, Emotion, Transnationalität, Indien.
Die Arbeit analysiert das indische Mainstream-Kino, insbesondere das „Bollywood“-Genre, und arbeitet heraus, dass diese Filme tiefergehende kulturelle und gesellschaftspolitische Bedeutungsebenen besitzen.
Im Fokus stehen die Verbindung von Film, Religion und Gesellschaft, die Darstellung von Familien- und Beziehungsstrukturen sowie die Einzigartigkeit der indischen Filmästhetik gegenüber westlichen Standards.
Das Ziel ist es, den „Bollywood“-Film als ernsthaftes visuelles Repräsentationsmedium zu rehabilitieren und zu zeigen, dass hinter der farbenfrohen Fassade komplexe moralische und gesellschaftliche Themen verhandelt werden.
Die Arbeit bedient sich einer hermeneutischen Methodik, um Zeichensysteme, Symbole und die „weltbildgenerierende Überlieferung“ innerhalb der Filme zu rekonstruieren und zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Strukturmerkmale (z.B. Hybridität, Emotionalität) und eine exemplarische Analyse der Filme „Devdas“ und „Kabhi Alvida Naa Kehna“.
Zentrale Begriffe sind Bollywood, Indischer Film, Song and Dance, Familie, soziale Transformation, Identitätsstiftung und Transnationalität.
„Devdas“ dient als Beispiel für die Verbindung von mythischen Epen und traditionellen Werten mit einer innovativen visuellen Inszenierung, die tief in die indische Identitätsbildung eingreift.
Die Diaspora dient laut der Arbeit als „Laborsituation“, in der spezifische indische Konflikte (wie Ehebruch oder Scheidung) isoliert und so pointiert auf den Kern der gesellschaftlichen Bruchlinien hin untersucht werden können.
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