Magisterarbeit, 2010
67 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitendes
1.1 Thema und Problematik
1.2 Theorie, Forschungsfrage und Forschungshypothesen
1.3 Überblick und Stand der Forschung
1.4 Methodisches Vorgehen und Aufbau der Arbeit
2. Europapolitische Finalitätsleitbilder im Wandel
2.1 Der Begriff des europapolitischen Leitbildes
2.1.1 Funktionen und Pluralität europapolitischer Leitbilder
2.1.2 Kontextueller Raum
2.2 Finalitätsleitbildmodelle und -merkmale
2.3 Zusammenfassung
3. Die Erklärungskraft von Lernprozessen im sozialkonstruktivistischen Ansatz
3.1 Der Begriff des Lernens
3.2 Bedingungen für Lernprozesse
3.3 Faktoren transnationaler Lernprozesse
3.4 Zusammenfassung
4. Europapolitische Rahmenbedingungen in Großbritannien und Deutschland
4.1 Politisches System und Grundlinien der Europapolitik
4.1.1 Großbritannien
4.1.2 Bundesrepublik Deutschland
4.2 Das Akteur-Struktur-Verhältnis
4.3 Britische und deutsche Finalitätskonzeptionen um 2000
4.4 Zusammenfassung
5. Zusammenfassung zum theoretischen Hintergrund der Analyse
6. Positionen zur Finalität des europäischen Integrationsprozesses in Deutschland und Großbritannien
6.1 Leitbilder und Leitbildmerkmale
6.2 Reden 2000/2001 – Zeitpunkt 1
6.2.1 Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer
6.2.2 Zusammenfassung
6.2.3 Premierminister Tony Blair und Außenminister Jack Straw
6.2.4 Zusammenfassung
6.3 Reden 2008/2009 – Zeitpunkt 2
6.3.1 Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier
6.3.2 Zusammenfassung
6.3.3 Premierminister Gordon Brown und Außenminister David Miliband
6.3.4 Zusammenfassung
6.4 Analyseraster
7. Die soziale Konstruktion britischer und deutscher Finalitätsleitbilder in Regierungsreden
7.1 Ergebnisse der Arbeit
7.2 Ausblick
Die Arbeit untersucht vergleichend die Entwicklung der europapolitischen Finalitätsleitbilder in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum 2000 bis 2009, um festzustellen, ob Lernprozesse zu einer Annäherung der kontrastierenden Zielmodelle geführt haben.
1. Einleitendes
Seit den Anfängen der europäischen Integration mit ihrer sukzessiven Weiterentwicklung wurde parallel auch stets die Frage nach einem Zielzustand der Europäischen Gemeinschaften (EG) bzw. der Europäischen Union (EU) diskutiert; kurz: Die Frage nach ihrer Finalität, über die es in der EU sowohl zwischen als auch in den Mitgliedstaaten selbst kontroverse Meinungen gibt (vgl. Hillenbrand 2009: 427). Dabei kann es aufgrund der Dynamik der Europäischen Integration und ihrer bewusst angelegten Offenheit einen tatsächlichen Endzustand nicht geben.
Eine erfolgreiche Debatte um eine europapolitische Finalität muss vielmehr als Möglichkeit verstanden werden, dem europäischen Einigungsprozess eine verbindliche Richtung zu geben. Philosophisch ausgedrückt, ist der Weg selbst das Ziel der Integration und zugleich ihr kritischer Punkt. Die Gründe für die gegenwärtig geführte Finalitätsdebatte sind zum einen der erreichte Umfang der europäischen Integration mit derzeit 27 Mitgliedstaaten. Zum anderen lösen sogenannte Integrationskrisen, wie die abgelehnten Referenden zum Europäischen Verfassungsvertrag (EVV) in Frankreich und den Niederlanden 2005 und die daraufhin angeordnete „Reflexionsphase“ (Weidenfeld 2009: 49), rege Debatten um das Ziel des europäischen Integrationsprozesses aus. Somit steht die Finalitätsfrage in direktem Zusammenhang mit der Diskussion um einen europäischen Verfassungsvertrag, soll doch eine konstitutionelle Grundlage der EU eine politisch stabile Struktur geben (vgl. Jopp/Matl 2006: 216, vgl. auch Janning 2006: 304). Allerdings ist der stagnierende EU-Vertragsreformprozess symptomatisch für die kontrovers geführte Debatte, wohin die EU steuern soll.
1. Einleitendes: Einführung in die Finalitätsdebatte, Formulierung der Forschungsfrage zur Annäherung nationaler Leitbilder durch Lernprozesse und methodisches Vorgehen.
2. Europapolitische Finalitätsleitbilder im Wandel: Theoretische Grundlegung und Definition von Leitbildern sowie deren Funktionen und Bedeutung in der EU-Forschung.
3. Die Erklärungskraft von Lernprozessen im sozialkonstruktivistischen Ansatz: Operationalisierung der unabhängigen Variable "Lernprozesse" und Erläuterung der Bedingungen für transnationales Lernen.
4. Europapolitische Rahmenbedingungen in Großbritannien und Deutschland: Analyse der unterschiedlichen politischen Systeme und der daraus resultierenden historisch gewachsenen Europapolitik der beiden Länder.
5. Zusammenfassung zum theoretischen Hintergrund der Analyse: Synthese der theoretischen Überlegungen zu Leitbildern und Lernprozessen als Grundlage für die empirische Analyse.
6. Positionen zur Finalität des europäischen Integrationsprozesses in Deutschland und Großbritannien: Empirische Untersuchung der Regierungsreden mittels eines Analyserasters für zwei definierte Zeitpunkte.
7. Die soziale Konstruktion britischer und deutscher Finalitätsleitbilder in Regierungsreden: Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich der Hypothesen und Diskussion möglicher Annäherungstendenzen.
Europäische Union, Finalität, Integrationsprozess, Leitbilder, Sozialkonstruktivismus, Lernprozesse, Großbritannien, Deutschland, Regierungsreden, Vertragsreformprozess, Föderalismus, Intergouvernementalismus, Politische Kultur, Europapolitik, Europäische Verfassung.
Die Arbeit analysiert die unterschiedlichen europapolitischen Zielvorstellungen (Finalitätsleitbilder) von Großbritannien und Deutschland zwischen 2000 und 2009 und untersucht, ob durch soziale Lernprozesse eine Annäherung dieser Positionen stattgefunden hat.
Im Zentrum stehen die europäische Integration, die theoretische Leitbildforschung, sozialkonstruktivistische Ansätze sowie die Analyse nationaler politischer Systeme und deren Einfluss auf die Außenpolitik.
Ziel ist es zu klären, ob sich die als "Extrempole" bezeichneten Finalitätskonzeptionen Deutschlands (föderal) und Großbritanniens (intergouvernemental) durch transnationale Interaktionen und Lernprozesse angenähert haben.
Die Arbeit nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse von Regierungsreden. Dabei werden die Formulierungen der Politiker anhand eines Analyserasters nach Maurer operationalisiert und in einem Längsschnittvergleich für zwei Zeitpunkte ausgewertet.
Der Hauptteil umfasst den theoretischen Rahmen, die Darstellung der nationalen Rahmenbedingungen (Politisches System), die Vorstellung der Analysedaten aus den Regierungsreden und deren Auswertung im Hinblick auf die aufgestellten Forschungshypothesen.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Finalitätsleitbild, sozialkonstruktivistischer Ansatz, Lernprozesse, intergouvernementale Zusammenarbeit und supranationale Integration.
Die Länder wurden gewählt, da sie als "Extrempole" in der Debatte um die europäische Finalität gelten – Deutschland mit seiner föderalen Tradition und Großbritannien mit seiner intergouvernementalen, souveränitätsorientierten Sichtweise.
Die Autorin stellt fest, dass im Untersuchungszeitraum keine signifikante Annäherung der britischen und deutschen Sichtweisen stattgefunden hat und dass die Leitbilder weiterhin durch Kontinuität und nationale Traditionen geprägt sind.
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