Diplomarbeit, 2003
203 Seiten, Note: 1,7
A. Einleitung
1. Forschungskontext
2. Aufbau der Arbeit
2. Methoden und Material
3. Danksagung
B. Theoretische Grundlagen
1. Begriffsdefinitionen
1.1 Aus soziologischer Sicht
1.1.1 Minderheit
1.1.1.1 Sprachliche Minderheiten
1.1.1.2 Germans/Volksdeutsche/Reichsdeutsche
1.1.2 Assimilation
1.1.3 Integration
1.1.4 (kulturelle) Identität
1.2 Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht
1.2.1 Auslandsdeutsche Presse/Volksdeutsche Presse
1.2.2 Emigranten- und Exilpublizistik
1.2.3 „Ethnic press“
1.2.4 Enklavenpublizistik und Minderheitenpresse
2. Die Integrations- und Identifikationsfunktion von Medien
2.1 Integration, Assimilation und interkulturelle Kommunikation
2.2 Kulturelle Identität und Medien
C. Historische Grundlagen
1. Kanada
1.1 Geschichte der deutschen Einwanderung nach Kanada
1.1.1 Beginn der deutschen Einwanderung nach Kanada
1.1.2 Der erste Weltkrieg als Wendepunkt
1.1.3 Einwanderung zwischen den Weltkriegen
1.1.4 Der Zweite Weltkrieg
1.1.5 Einwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute
1.2 Geschichte der deutschkanadischen Presse
1.2.1 Zeitungspioniere in Waterloo County
1.2.2 Die deutschsprachige Presse Westkanadas
1.2.3 Die deutschkanadische Presse seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs
1.3 Der kanadische Multikulturalismus
2. Belgien
2.1 Geschichte der deutschsprachigen Minderheit Belgiens
2.1.1 Vor 1920: Eupen-Malmedy als Teil Preußens
2.1.2 Angliederung von Eupen-Malmedy an Belgien
2.1.3 Annexion und „Heim-ins-Reich“-Politik der Nationalsozialisten
2.1.4 Gründung der deutschsprachigen Gemeinschaft
2.2 Geschichte der deutschbelgischen Presse
2.2.1 Die Presse in Alt-Deutschbelgien
2.2.2 Der Pressekampf in Eupen-Malmedy
2.2.3 Neues Selbstverständnis der Minderheitenpresse
2.3 Der belgische Multikulturalismus
3. Zusammenfassung
D. Gegenstandsbeschreibung
1. Überblick über die deutschsprachige Presse im Ausland
2. Das „Echo“ und das „Grenz-Echo“ im Vergleich
2.1 Das Echo: Vom Flugblatt zur nationalen Monatszeitung
2.2 Das Grenz-Echo: Vom pro-belgischen Wochenblatt zur einzigen deutschsprachigen Tageszeitung in Belgien
3. Zusammenfassung
E. Die Leserschaft deutschsprachiger Presse im Ausland
1. Die Leserschaft deutschsprachiger Presse im Allgemeinen
2. Die Leserschaft von „Echo“ und „Grenz-Echo“ im Vergleich
2.1 Größe und Verbreitung der deutschsprachigen Minderheiten
2.2 Altersstruktur
2.3 Das kulturelle Gedächtnis und die Identität der Leserschaft
2.4 Geschlecht
2.5 Bildungs- und Berufsstruktur
2.6 Sprachkenntnisse
2.7 Leseverhalten und Lesegewohnheiten
3. Zusammenfassung
F. Funktionen deutschsprachiger Presse im Ausland
1. Allgemeine Funktionen deutschsprachiger Presse im Ausland
2. Das „Echo“ und das „Grenz-Echo“ im Vergleich
2.1 Quantitative Gewichtung der Themenkomplexe
2.2 Informations- und Servicefunktion
2.3 Unterhaltungsfunktion
2.4 Werbeträger für deutschsprachige Firmen
2.5 Die Zeitung als „Brücke zur Heimat“
2.5.1 Anteil der Berichterstattung über Deutschland
2.5.2 Das Deutschlandbild in der Berichterstattung
2.6 Integrationsfunktion in die neue Heimat
2.6.1 Anteil der Berichterstattung über das Residenzland
2.6.2 Das vermittelte Bild des Erscheinungslandes
2.7 Artikulationsfunktion für eine Minderheit
2.7.1 Fokussierung auf die lokale Perspektive in der Berichterstattung
2.7.2 Schaffung einer gruppeninternen Identität
2.7.3 Sprachrohr nach außen
2.7.4 Sprachrohr nach innen
3. Zusammenfassung
G. Perspektiven deutschsprachiger Presse im Ausland
1. Allgemeine Perspektiven deutschsprachiger Presse im Ausland
2. Die Perspektiven von „Echo“ und „Grenz-Echo“ im Vergleich
2.1 Stagnation der Leserschaft
2.1.1 Ansprechen der jungen Generation
2.1.2 Ausweitung auf andere Leserkreise
2.1.2.1 Leser aus dem Ausland
2.1.2.2 Geschäftsleute und Touristen
2.2 Schwierigkeiten in den Bereichen Personal und Organisation
2.3 Finanzielle Probleme
2.4 Konkurrenz durch anderen Medien
2.5 Kampf gegen Vorurteile
2.6 Minderheitenpublizistik in der modernen, multikulturellen Gesellschaft – ein Widerspruch?
2.6.1 Zwischen Assimilation und Isolation
2.6.2 Die Minderheitenpresse als Beitrag zur interkulturellen Kommunikation
3. Zusammenfassung
H. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, Funktion und Zukunftsperspektiven deutschsprachiger Presse im Ausland anhand der Fallbeispiele des Echo in Kanada und des Grenz-Echo in Belgien. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob diese Minderheitenmedien primär als Stifter einer exklusiven Gruppenidentität fungieren oder als Beitrag zur Integration in die Gesamtgesellschaft dienen, und wie sie dabei die Gratwanderung zwischen Assimilation und Isolation bewältigen.
2.1 Das Echo: Vom Flugblatt zur nationalen Monatszeitung
Die Geschichte des Echo ist sicher nicht die klassische Geschichte einer Zeitung, der genaue Planung und Absicht vorausgehen. Vielmehr handelt es sich bei dieser deutschsprachigen kanadischen Zeitung um ein Zufallsprodukt. „Wie die Jungfrau zum Kinde“ kam Paul Christian Walter, Gründungsherausgeber und bis dato Chefredakteur in Personalunion, ins Zeitungsgeschäft. Der aus dem Gebiet des heutigen Kroatien stammende und in den 50er Jahren nach Kanada emigrierte Donauschwabe, übernahm im August 1978 die Verantwortung für das hauseigene Flugblatt des Deutschen Hauses in Montreal, dem Dachverband der deutschen Vereine in Quebec. Dieses Blatt sollte die deutschsprachige Gemeinde in unregelmäßigen Abständen über Termine und Veranstaltungen der deutschen Vereine informieren. Die Reaktionen auf diesen ersten Veranstaltungskalender waren durchweg positiv. Walter entschloss sich, das Blatt auszubauen und mit kleineren Artikeln über das Vereinsleben zu füllen, so dass bereits nach drei Monaten ein Heftchen von 12 Seiten zusammengekommen war. Bis 1984 blieb das Echo ein reines Anzeigenblättchen mit Vereinsnachrichten und Veranstaltungshinweisen, bis auch andere, allgemeinere Themen Eingang in das inzwischen 24 Seiten-starke Blatt im Magazinformat fanden.
Der große Wendepunkt und die Weichenstellung für das heutige Echo kam im Jahr 1985. Das Deutsche Haus wurde aufgelöst und Paul Christian Walter stand vor der Entscheidung „alles hinzuschmeißen oder aus eigener Initiative die Zeitung am Leben zu erhalten“. Der nach wie vor voll berufstätige Walter bewies Mut, akquirierte weitere Anzeigenkunden und bot das bisher kostenlos verteilte Echo zum Abonnement an. Die alten Leser vom Deutschen Haus und den deutschen Vereinen hielten ihm die Treue, neue kamen hinzu und zwölf Jahre lang erschien das Echo im bewährten Magazinformat 10 mal im Jahr. Als Papier und Druck immer teurer wurden, hätte das dem Echo beinahe den Todesstoß versetzt, doch Walter setzte auf billigeres Zeitungspapier und erbat von der kanadischen Regierung die Erlaubnis, die Abonnements als verbilligte Pressepost zu versenden.
A. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Forschungsthema ein, erläutert die Beweggründe der Verfasserin und definiert die Leitfragen zur Rolle deutschsprachiger Minderheitenmedien in Kanada und Belgien.
B. Theoretische Grundlagen: In diesem Kapitel werden zentrale Begriffe wie Minderheit, Assimilation, Integration und Identität soziologisch und kommunikationswissenschaftlich definiert, um ein theoretisches Fundament für die Analyse zu schaffen.
C. Historische Grundlagen: Hier wird die Geschichte der deutschsprachigen Einwanderung und der Entwicklung der jeweiligen Presse in Kanada und Belgien nachgezeichnet, wobei auch die nationalen Multikulturalismuskonzepte beleuchtet werden.
D. Gegenstandsbeschreibung: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über deutschsprachige Presse im Ausland und skizziert die Entstehung und Entwicklung des Echo und des Grenz-Echo im direkten Vergleich.
E. Die Leserschaft deutschsprachiger Presse im Ausland: Die Leserschaften von Echo und Grenz-Echo werden hier hinsichtlich ihrer Größe, Alter, Bildung und ihres Leseverhaltens untersucht, um die Bedeutung der Medien für diese Gruppen zu verdeutlichen.
F. Funktionen deutschsprachiger Presse im Ausland: Hierbei steht die Analyse der Service-, Informations-, Unterhaltungs- und Artikulationsfunktion im Vordergrund, ebenso wie die Rolle der Zeitungen bei der Identitätsstiftung und Integrationsförderung.
G. Perspektiven deutschsprachiger Presse im Ausland: Dieser Abschnitt befasst sich mit den Zukunftsfähigkeit der Minderheitenmedien, der Rekrutierung von Nachwuchs, finanziellen Schwierigkeiten und der Notwendigkeit einer strategischen Neuausrichtung.
H. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Fazit über die Bedeutung und Überlebenschancen deutschsprachiger Minderheitenmedien in der globalisierten Welt.
Deutschsprachige Minderheiten, Auslandsdeutsche Presse, Integration, Assimilation, Identität, Kanada, Belgien, Ethnic Press, Minderheitenmedien, Enklavenpublizistik, Kulturautonomie, Leserverhalten, Identitätsstiftung, Mediennutzung, interkulturelle Kommunikation.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung, Funktion und Zukunft von deutschsprachigen Zeitungen in Kanada und Belgien im Vergleich, um zu verstehen, wie diese Medien den Zusammenhalt ihrer jeweiligen Minderheit beeinflussen.
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Definition von Minderheiten, die historische Einbettung der deutschsprachigen Einwanderung in den beiden Ländern sowie die medienwissenschaftliche Analyse von Leserschaft und Funktionen.
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob das Echo und das Grenz-Echo eher zur Isolation der Minderheit oder zu ihrer Integration in die Gesamtgesellschaft beitragen und wie diese Gratwanderung gestaltet wird.
Die Verfasserin nutzt eine Kombination aus teilnehmender Beobachtung bei den Zeitungen, Literaturanalyse und empirischen Befragungen der Leserschaften sowie Experteninterviews.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Minderheiten, eine detaillierte Gegenstandsbeschreibung der Zeitungen sowie eine Analyse ihrer Funktionen und der Zukunftsperspektiven in einem multikulturellen Umfeld.
Die zentralen Begriffe sind Minderheitenmedien, Identitätsstiftung, Integration versus Assimilation, kulturelles Gedächtnis und Enklavenpublizistik.
Während das Echo eine semi-professionelle Monatszeitung in einem typischen Einwanderungsland ist und primär die deutsche Identität stiftet, fungiert das Grenz-Echo als professionelle Tageszeitung in einem durch Grenzverschiebung entstandenen Sprachgebiet, die stärker in die lokale Politik eingebunden ist.
Das Echo bietet kaum explizite Orientierungshilfe zur Integration; stattdessen fördert es den Zusammenhalt der Minderheit, wobei Leser häufig auf kanadische Hauptmedien zurückgreifen, um sich über das Tagesgeschehen zu informieren.
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