Diplomarbeit, 2009
117 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1 Einleitung
2 Grundlagen zu Essstörungen bei Männern
2.1 Historie der Essstörungen bei Männern
2.2 Diagnostische Klassifikation von Essstörungen
2.2.1 Überblick
2.2.2 Anorexia nervosa
2.2.3 Bulimia nervosa
2.2.4 Nicht Näher Bezeichnete Essstörungen
2.3 Differentialdiagnostik von Essstörungen
2.4 Body-Mass-Index
2.5 Körperbild und Körperschemastörung
2.5.1 Körperbild und Körperschema
2.5.2 Das ideale männliche Körperbild
2.5.3 Entwicklung eines Körperschemas
2.5.4 Körperschemastörung
2.6 Klinisches Erscheinungsbild von Essstörungen bei Männern
2.6.1 Gemeinsamkeiten mit essgestörten Frauen
2.6.2 Unterschiede zu essgestörten Frauen
2.6.3 Die ideale Körperform bei Männern
2.6.5 Ausprägung der endokrinen Störung bei Männern
2.6.6 Zusammenfassung des klinischen Erscheinungsbildes
2.7 Methodische Probleme bei der Erforschung von Essstörungen bei Männern
2.7.1 Erforschung in der Vergangenheit
2.7.2 Publizierung von Essstörungen als Frauenkrankheit
2.7.3 Probleme bei der Erhebung und Auswertung von Daten
2.7.4 Diagnostische Probleme
2.7.5 Zusammenfassung der methodischen Probleme
2.8 Epidemiologie
2.8.1 Prävalenz von Essstörungen bei Männern
2.8.2 Inzidenz von Essstörungen bei Männern
2.8.3 Entwicklung der Fallzahlen
2.9 Komorbidität
2.9.1 Allgemeine Komorbidität bei Essstörungen
2.9.2 Essstörungsspezifische Komorbiditäten
2.9.3 Substanzmissbrauch und Essstörungen
2.10 Verlaufsergebnisse (und Prognose)
2.10.1 Beginn und Verlauf der Erkrankung
2.10.2 Langzeitverlauf
2.10.3 Prognose
2.10.4 Mortalität bei Männern mit einer Essstörung
2.10.5 Zusammenfassung der Verlaufsergebnisse
3. Ätiologie von Essstörungen bei Männern auf Grundlage der mehrfaktoriellen Modelle nach Biedert
3.1 Einführung zur Ätiologie von Essstörungen bei Männern
3.2 Prädisponierende Faktoren
3.2.1 Biologische Faktoren
3.2.2 Persönlichkeitsfaktoren
3.2.3 Familiäre Faktoren
3.2.4 Soziokulturelle Faktoren
3.2.5 Zusammenfassung der prädisponierenden Faktoren
3.3 Auslösende Faktoren
3.3.1 Kritische Lebensereignisse
3.3.2 Psychosoziale Faktoren
3.3.3 Zusammenfassung der auslösenden Faktoren
3.4 Aufrechterhaltende Faktoren
3.4.1 Biobehaviorale Faktoren
3.4.2 Psychosoziale Faktoren
3.4.3 Kognitive Faktoren
3.4.4 Zusammenfassung der aufrechterhaltenden Faktoren
3.5 Bewertung und Probleme des mehrfaktoriellen Ätiologie-modells
4. Diskussion
4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.2 Interpretation der Ergebnisse und Einordnung
4.2.1 Subtypen von Essstörungen bei Männern
4.2.2 Bewertung der Forschungsliteratur
4.2.3 Implikationen für die Forschung
4.2.4 Diagnostik und Früherkennung
4.2.5 Behandlung von essgestörten Männern
4.2.6 Aufklärung und Prävention
4.3 Ausblick
Ziel dieser Arbeit ist es, einen umfassenden Gesamtüberblick über Essstörungen bei Männern zu vermitteln, Grundlagen zu vermitteln und die Entstehung dieser Störungen anhand eines modifizierten mehrfaktoriellen Ätiologiemodells zu analysieren und zu diskutieren.
2.6.3 Die ideale Körperform bei Männern
Frauen streben hauptsächlich eine schlankere Idealfigur und somit einen immer dünneren Körper an als Männer (Furnham & Greaves, 1994). Bei Männern äußern sich im Gegensatz dazu die Veränderungswünsche der Körperstatur in beide Gewichtsrichtungen, also eine Tendenz zu einem dünneren oder zu einem massigeren und muskulöseren Idealbild (Andersen & DiDomenica, 1992; Drewnowski & Yee, 1987; Drewnowski et al., 1995; Furnham & Calnan, 1998; Petersen, 2005; Toro et al., 2005). Anhand dieser Ergebnisse könnten essgestörte Männer in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die, welche das klassische bzw. typische männliche Schönheitsideal vom muskulösen Mann anstreben, so wie es vor allem westliche Medien suggerieren (s. Gliederungspunkt 3.2.4.3) und jene, welche sich eher mit dem femininen, sehr schlanken Ideal identifizieren. Der gesellschaftliche vorgegebene ideale männliche Körper hat dabei eine klassische V-Form, d. h. breite muskulöse Schultern, einen Waschbrettbauch, muskulöse Arme und Beine und schmale Hüften (Furnham & Calnan, 1998), den es, z. B. durch exzessives Training, zu erreichen gilt.
Das zweite Schönheitsideal stellt das komplette Gegenteil zum eben beschriebenen dar. Es fokussiert eher auf das weibliche Schlankheitsideal, d. h. die betroffenen Männer identifizieren sich eher mit dem sehr dünnen weiblichen Rollenmodell und streben nach dem Aussehen z. B. eines überschlanken Models, was als Erklärung für eine Anorexie vor allem bei homosexuellen Männern gesehen wird (French, Story, Rernafedi, Resnick & Blum, 1996).
Die Ausprägung dieser idealen Körperformen bei Männern soll anhand folgender Textpassage aus dem Buch von Bernhard Wappis (2005) „Darüber spricht man(n) nicht…!“, in welchem er autobiographisch über seine Essstörung berichtet, verdeutlich werden. Wappis (2005, S.59) zu Körperbildern männlicher essgestörter Patienten:
„Das männliche Schönheitsideal, muskelbepackt und durchtrainiert, war für mich nie ein wirkliches Zeichen von Männlichkeit. Ich hatte mich immer unbewusst mit der Mädchenrolle identifiziert, die meine Mutter für mich wollte. In Österreich ist man eben erst mit der Statur von Arnold Schwarzenegger ein „richtiger Mann“. Ich hingegen war empfänglich für ein sehr schlankes Ideal. Mich haben zarte, schmalgliedrige Männer und Frauen angesprochen. Ich habe dabei nicht unterschieden zwischen Männern und Frauen. Entscheidend war dünn. Tom Cruise z. B. hat mit viel mehr zugesagt als etwa Silvester Stallone. Aber einen Körper zu haben wie Sven Hannawald (damals 54kg auf 183cm), davon hatte ich geträumt. Entscheidend war dünn, und Sven Hannawald war eben extrem dünn. Dünn, wie ein sehr schlankes Mädchen.“
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Zunahme von Essstörungen bei Männern und betont die mangelnde wissenschaftliche Aufarbeitung sowie die Notwendigkeit, diese "Frauenkrankheit" auch im männlichen Kontext zu untersuchen.
2 Grundlagen zu Essstörungen bei Männern: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis, indem es die Historie, diagnostische Klassifikationen, das klinische Erscheinungsbild sowie epidemiologische und methodische Aspekte von Essstörungen bei Männern darlegt.
3. Ätiologie von Essstörungen bei Männern auf Grundlage der mehrfaktoriellen Modelle nach Biedert: Hier wird ein biopsychosoziales Erklärungsmodell vorgestellt, das prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren bei der Entstehung von männlichen Essstörungen detailliert strukturiert.
4. Diskussion: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Subtypen der Störung, bewertet die Forschungsliteratur und leitet daraus Implikationen für Forschung, Behandlung und Prävention ab.
Essstörungen, Männer, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Nicht Näher Bezeichnete Essstörungen, Ätiologie, Körperbild, Körperschemastörung, Geschlechtsspezifische Unterschiede, Pubertät, Medien, Diät, Prävalenz, Komorbidität, Leistungssport
Die Arbeit befasst sich intensiv mit dem Thema Essstörungen bei Männern, einem Bereich, der in der wissenschaftlichen Literatur häufig vernachlässigt wurde, da Essstörungen oft primär als "Frauenkrankheiten" wahrgenommen werden.
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Klassifikation von Essstörungen, die spezifischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Vergleich zu betroffenen Frauen, die Ätiologie (Entstehung) anhand mehrfaktorieller Modelle sowie Aspekte der Prävention und Therapie.
Das Hauptziel ist es, einen fundierten Gesamtüberblick über das Störungsbild bei Männern zu geben und die komplexen Entstehungsbedingungen (biologisch, psychologisch, soziokulturell) anhand von Modellen wissenschaftlich darzustellen.
Die Autorin stützt sich auf eine umfangreiche Literaturrecherche in medizinischen und psychologischen Fachdatenbanken (wie DIMDI und InterScience), wertet Studien aus und nutzt ein modifiziertes mehrfaktorielles Ätiologiemodell als Analyserahmen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Grundlagenanalyse (Klassifikation, Epidemiologie, Verlauf) und eine detaillierte Ätiologie-Betrachtung, die prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren wie Medien, Sport und familiäre Einflüsse beleuchtet.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Essstörungen, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Ätiologie, Körperbild und Geschlechtsspezifische Unterschiede geprägt.
Der Begriff beschreibt die krankhafte Fixierung auf den eigenen Körper bei Männern, oft in Form von Muskeldysmorphie oder Bigorexie, bei der sich Betroffene trotz muskulösem Körperbild weiterhin als "schmächtig" empfinden.
Dies sind Berufsfelder (z. B. Modeln, Tanz, Gastronomie), in denen ein übermäßiger Druck herrscht, eine bestimmte Körperform zu erreichen, was als potenzieller Auslöser oder aufrechterhaltender Faktor für gestörtes Essverhalten wirken kann.
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