Bachelorarbeit, 2010
102 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Politische Struktur Thessaliens
2.1. Landschaftliche Gegeben- und Eigenheiten
2.2. Eroberung und Bildung Thessaliens
2.3. perioikoi und penestai
2.3.1. penestai
2.3.2. perioikoi
2.3.3. wirtschaftliche Folgen
2.4. Thessaliens Außenpolitik
3. Thessalisches Militär
3.1. Kavallerie
3.2. Infanterie
4. Mythos und Herrschaftslegitimation
5. Fortsetzung der mykenischen bzw. homerischen Kultur?
5.1. Betrachtung der mykenischen Zeit
5.2. Betrachtung der homerischen Zeit
5.3. Versuch des Übertrags auf Thessalien
6. Fazit
Diese Arbeit untersucht die politische und soziale Struktur Thessaliens in der archaischen Zeit, um zu ergründen, warum dieser bedeutende Machtfaktor im Gegensatz zu anderen griechischen Stadtstaaten keine Kolonien gründete. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern interne Machtstrukturen und das herrschende feudale System diese Entwicklung einschränkten.
3.1 Kavallerie
Thessalien bedeutet in der Regel „Kavallerie“. Diese einfache Regel findet sich in vielen (neuen und alten) Publikationen jeder Art wieder, die sich mit griechischer (Kriegs-)Geschichte befassen. Natürlich ist das richtig. Die thessalische Kavallerie gehörte zu den Besten, die es im griechischen Raum gab. Das mag kein allzu großes Lob sein, wenn man sich vor Augen führt, dass die Reiterei im griechischen Militär ob des Geländes bei den Griechen in der Regel höchstens „Stiefkind-Charakter“ hatte. Der Wert einer Reitertruppe, das war bereits in der Antike klar, lag in ihrer Schnelligkeit. Zusätzlich haben Kavallerieattacken ein immenses psychologisches Moment: Der Anblick einer Abteilung Reiter, die in Formation anreiten, ist durchaus ein erhebender (für Freunde) bzw. angsteinflößender (für Feinde) Augenblick.
Das zeigt sich bei der Schlacht um Phaleron, in deren Verlauf Thessaler Spartaner angreifen. Herodot erwähnt zwar, dass viele Lakedaimonier ums Leben kamen, er schildert allerdings keine harten Kämpfe und keine Verluste der Thessaler die man, angesichts der Spartaner als Gegner wohl hätte erwarten können. Hier scheinen die Spartaner – die selber keine gute Reiterei vorzuweisen hatten – es mit der Angst zu tun bekommen haben. Einen flüchtenden Feind niederzumachen muss dann für die Thessaler eine Kleinigkeit gewesen sein. Wie aber setzte sich die thessalische Reiterei zusammen? Was machte aus ihr die Vorbildkavallerie?
Die Antwort ist eher einfach: in erster Linie die Pferde. Simon von Athen, literarischer Vorgänger zu Xenophons Werk über die Reitkunst, bezeichnete die Pferde Thessaliens als die Besten im griechischen Raum. Diese Pferde (wohl „Pindos“ genannt) waren eher klein (aber größer als Ponys), schmal und schnell. Sie wurden, laut Überlieferung, angeblich von jeher in Thessalien gezüchtet. Dabei sieht Gaebel allerdings zwei Probleme, die dieser Überlieferung widersprechen: Zum Einen waren die Thessali eingewandert und brachten dementsprechend ihre eigenen Tiere mit. Somit wäre zumindest eine Erweiterung des Genpools erfolgt. Der zweite, ebenso logische Grund, ist, dass die Pferde wahrscheinlich immer wieder mit anderen Tieren vermischt wurden, um neue Merkmale hinzuzufügen.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der thessalischen Machtstellung im archaischen Griechenland und Formulierung der Forschungsfrage nach dem Ausbleiben von Koloniegründungen.
2. Politische Struktur Thessaliens: Analyse der geographischen Gegebenheiten, der Eroberungsgeschichte sowie des sozialen Gefüges bestehend aus Adel, penestai und perioikoi.
3. Thessalisches Militär: Untersuchung der thessalischen Streitkräfte mit Schwerpunkt auf der dominanten Kavallerie und der Rolle der Infanterie im Kontext der sozialen Hierarchie.
4. Mythos und Herrschaftslegitimation: Darstellung der Bedeutung des Pferdes und kultischer Spiele zur Festigung der Herrschaft und Legitimation des Adels.
5. Fortsetzung der mykenischen bzw. homerischen Kultur?: Erörterung der These, ob die thessalischen sozialen und politischen Strukturen als bewusste Fortführung mykenischer Traditionen zu werten sind.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage, dass das fragile, feudale System und die innenpolitische Instabilität durch penestai Koloniegründungen verhinderten.
Thessalien, Kavallerie, Kolonisation, Aristokratie, penestai, perioikoi, tagos, basileus, Tetraden, mykenische Kultur, Feudalsystem, Militär, Herrschaftslegitimation, griechische Geschichte, archaische Zeit.
Die Arbeit analysiert die soziopolitische Sonderstellung Thessaliens im antiken Griechenland und untersucht, warum der thessalische Adel – trotz seiner Macht – keine externe Kolonisation betrieb.
Die zentralen Felder umfassen die politische Organisation der Tetraden, das thessalische Militärwesen mit seiner berühmten Kavallerie, die soziale Schichtung sowie den kulturellen Erbe-Bezug zur mykenischen Zeit.
Das Hauptziel ist die Erklärung des „selbstgewählten Ausschlusses“ Thessaliens von der Kolonisationsbewegung, indem interne soziale und militärische Hindernisse identifiziert werden.
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, die philologische Quellenkritik (Herodot, Thukydides, Strabon) mit der Auswertung moderner Fachliteratur zur Gesellschaftsstruktur und Militärgeschichte verknüpft.
Der Hauptteil behandelt die Bedeutung der topographischen Lage für die Autarkie, das komplexe Abhängigkeitsverhältnis der penestai und perioikoi sowie die kriegerische Organisation des Adels.
Wesentliche Begriffe sind Thessalien, Kavallerie, Kolonisation, Aristokratie, penestai, perioikoi, tagos, basileus und Tetraden.
Das System war zu fragil; die ständige Furcht vor Aufständen der penestai und die Notwendigkeit, Truppen zur Grenzsicherung im Inland zu binden, ließen keine großflächige koloniale Expansion zu.
Das Pferd war nicht nur militärisches Schlüsselelement, sondern auch zentrales Statussymbol und kultisches Objekt, das die Exklusivität des Adels legitimierte.
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