Masterarbeit, 2021
70 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Antonio Tabucchi und Notturno indiano
3. Vergleichende Analyse der Novelle und des Films
3.1 Struktur
3.2 Erzählperspektive
3.3 Protagonist
3.4 Zeit
3.5 Atmosphäre
3.5.1 Dunkelheit
3.5.2 Traum
3.5.3 Unklarheit
3.5.3.1 Schein vs. Sein
3.5.3.2 Intertextualität
3.5.4 Mysteriösität
3.6 Reise
3.6.1 Durch Indien
3.6.2 Zu sich selbst
3.7 Rahmen
4. Fazit
Die vorliegende Masterarbeit analysiert die Novelle „Notturno indiano“ von Antonio Tabucchi sowie die gleichnamige Verfilmung von Alain Corneau, um zu untersuchen, wie zentrale Aspekte der literarischen Vorlage in das visuelle Medium Film übersetzt wurden und welche interpretatorischen Konsequenzen diese filmische Umsetzung für die Rezeption der Geschichte hat.
1. Einleitung
„Wer sucht, der findet“, ist eine Redewendung, deren Grundgedanke weit verbreitet ist und tagtäglich von vielen Menschen bestätigt wird. Der Satz wird als Selbstlob, aber auch oft als Aufforderung verstanden nicht aufzugeben, wenn etwas schwer erreichbar erscheint oder verloren ging. Die Redewendung verspricht, dass derjenige, der wirklich sucht, am Ende auch fündig wird und die Anstrengungen belohnt werden. Aber was gilt es zu suchen und was findet man am Ende? Ist das Gesuchte mit dem Fund immer deckungsgleich oder findet derjenige, der sucht, eventuell auch Unerwartetes? Noch spannender wird die Frage, wenn man zwar sucht, aber selbst nicht genau weiß wonach. Was findet derjenige, der ahnungslos sucht?
Antonio Tabucchis Novelle Notturno indiano, veröffentlicht 1984, gehört heute zu den bekannten Klassikern der postmodernen Literatur und wurde dementsprechend bereits mehrfach versucht zu interpretieren. Die Schwierigkeit, die diesbezüglich auftritt, ist, dass es keine eindeutige Interpretation der Novelle zu geben scheint und wohl auch nicht geben soll. Tabucchi selbst deutete immer wieder darauf hin, dass Eindeutigkeit zu einfach sei und den Leser nicht genug motiviere selbst zu einer eigenen Interpretation zu kommen.
Fünf Jahre nachdem die Novelle veröffentlicht wurde, erschien unter der Leitung des französischen Regisseurs Alain Corneau eine Verfilmung mit dem Titel Nocturne indien. Bezugnehmend auf die bereits genannte Schwierigkeit, die Novelle eindeutig zu interpretieren, erscheint es umso problematischer, ein solch mehrdeutiges Werk zu verfilmen, da eine Literaturverfilmung, basierend auf der Tatsache, dass ein Film sich anderer Mittel bedienen kann als ein Buch, ohnehin schon mit Grenzen der werkgetreuen Darstellungsmöglichkeiten konfrontiert wird.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit, ein mehrdeutiges Werk wie „Notturno indiano“ zu interpretieren und filmisch umzusetzen, und definiert die Zielsetzung der vergleichenden Analyse.
2. Antonio Tabucchi und Notturno indiano: Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick über das Leben und Schaffen von Antonio Tabucchi sowie die Kernmotive seiner Novelle.
3. Vergleichende Analyse der Novelle und des Films: Der Hauptteil untersucht die filmische Adaptation einzelner Aspekte wie Struktur, Perspektive, Atmosphäre und Reise, um die Unterschiede zwischen Buch und Film offenzulegen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Film kein bloßes Abbild, sondern ein eigenständiges Kunstwerk darstellt, das die Rätselhaftigkeit der Vorlage beibehält.
Antonio Tabucchi, Alain Corneau, Notturno indiano, Literaturverfilmung, Identitätssuche, Postmoderne, Intertextualität, Erzählperspektive, Atmosphäre, Indien, Selbstsuche, Spiegelung, Ambivalenz, Film vs. Literatur.
Die Arbeit vergleicht Antonio Tabucchis literarische Novelle „Notturno indiano“ mit der filmischen Adaption von Alain Corneau, um die mediale Umsetzung zentraler Themen wie Identität und Suche zu untersuchen.
Im Fokus stehen die Struktur, die Erzählperspektive, der Protagonist, die Bedeutung von Zeit, Atmosphäre und die Indienreise als Metapher für die Suche nach Selbstfindung.
Es soll untersucht werden, wie bestimmte literarische Aspekte filmisch realisiert wurden und welche Auswirkungen die filmischen Änderungen auf die Interpretation und Wirkung der Geschichte haben.
Die Autorin/der Autor nutzt eine vergleichende Analyse, bei der jedes Kapitel in zwei Teile gegliedert ist: die Untersuchung der Novelle und der anschließende Abgleich mit der filmischen Umsetzung.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Erzählweise, des Protagonisten Roux, der Darstellung des Raumes Indien und der atmosphärischen Mittel (Dunkelheit, Traum, Unklarheit).
Die zentralen Schlagworte sind Identität, Intertextualität, Transformation, mediale Differenz, Rätselhaftigkeit und die Interpretation von „Notturno indiano“.
Der Film verzichtet teilweise auf die innere Sicht des autodiegetischen Erzählers, wodurch der Zuschauer das Handeln des Protagonisten mimetisch beobachtet und manche Reaktionen isoliert im Kontext erscheinen.
Die Musik, insbesondere Franz Schuberts Streichquintett, dient als dramatisches Mittel, um eine Atmosphäre von latenter Trauer und Hoffnungslosigkeit zu erzeugen und die fehlende Erzählerstimme zu kompensieren.
Die Dunkelheit erschwert die Orientierung und spiegelt die Verwirrung des Protagonisten wider, wobei sie im Film gleichzeitig zu einer konturlosen, atmosphärisch dichten und traumartigen Erfahrung beiträgt.
Während in der Novelle die Struktur der Schauplätze wie ein Reiseführer fungiert, arbeitet der Film stärker mit „establishing shots“ und verändert die Abfolge der Orte, um die Fragmentierung der Suche zu unterstreichen.
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