Fachbuch, 2010
150 Seiten
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
0. Einführung
0.1. Forschungslage und Problem
0.1.1. Quellensituation
0.1.2. Aufgearbeitete Quellen
0.1.3. Nichtaufgearbeitete Quellen
0.2. Zielstellung
0.3. Methodisches Vorgehen
1. Zur Biographie
1.1. Elternhaus und Familie
1.2. Studium
1.3. Promotion und Habilitation
1.4. Akademische Stationen
1.5. Mitgliedschaften in Vereinen und Gremien
1.5.1. Politische Vereine
1.5.2. Historische Vereine
1.6. Tod und Nachfolge auf seinem Lehrstuhl
2. Wuttke als Geschichtsprofessor und Werk
2.1. Methodische Grundlagen
2.2. Hauptforschungsfelder
2.2.1. Friedrich II.
2.2.2. Antinapoleonische Befreiungskriege
2.2.3. Geschichte der Schrift
2.2.4. Historische Kartographie und Geographie
2.2.5. Geschichte des Zeitungswesens und sonstige politischen Schriften
2.2.5.1. Geschichte des Zeitungswesens
2.2.5.2. Politische Reden und Schriften
2.2.6. Rezensionen
2.3. Geschichtskonzeption
3. Wuttke und die historischen Hilfswissenschaften
3.1. Gegenstand der historischen Hilfswissenschaften
3.2. Sein Vorgänger Friedrich Christian August Hasse
3.3. Sein Nachfolger Carl von Noorden
3.4. Privatdozent Wilhelm Arndt
3.5. Verhältnis zum übrigen akademische Lehrkörper
3.6. Zwischenbilanz
4. Wuttke und seine Schüler
4.1. Lehrveranstaltungen
4.2. Nachweise der betreuten Promotionen
4.3. Nachwirkungen bei seinen Schülern
5. Die Bedeutung von Wuttkes Geschichtswerk für die zeitgenössische und für die heutige Forschung
5.1. Alte Geschichte
5.2. Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
5.3. Historische Hilfswissenschaften
5.3.1. Geschichte der Schrift
5.3.2. Geschichte der Geographie und Kartographie
5.4. Geschichte Friedrich II. und Aufklärung
5.5. Geschichte des 19. Jahrhunderts
5.6. Die Rezensionen von Wuttkes Werk
5.6.1. Rezensionen zu Wuttkes Schriften
5.6.2. Rezensionen zu Wuttkes Herausgeberschaften anderer Werke
6. Schlußbetrachtung
6.1. Zusammenfassung
6.2. Thesen
6.3. Ausblick
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das bisher weitgehend vernachlässigte Geschichtswerk und die wissenschaftliche Bedeutung von Heinrich Wuttke (1818–1876) kritisch zu beleuchten und eine Einordnung in den zeitgenössischen Kontext der Leipziger Universität vorzunehmen. Dabei wird untersucht, inwieweit Wuttkes Rolle als Historiker, Hochschullehrer, Politiker und Publizist sein Geschichtsbild prägte und welche Auswirkungen sein Wirken auf die Geschichtswissenschaft des 19. Jahrhunderts hatte.
0.1. Forschungslage und Problem
Heinrich Wuttke erscheint heutzutage so gut wie vergessen. Aber er ist eine Persönlichkeit, welche sich aktiv am Kampf um die Verfassung und die Liberalisierung besonders in Sachsen beteiligt. Dabei kam er in die Nähe zu Robert Blum, der 1848 in Wien seinen Tod findet. Schon deshalb verdient er es der Vergessenheit entrissen zu werden. Durchaus ist zu fragen, weshalb er in Vergessenheit geraten konnte.
Die Forschungslage zu Heinrich Wuttke in seiner Eigenschaft als Politiker erscheint als nahezu zureichend, auch wenn die entsprechenden Arbeiten oft leider ungedruckt blieben und somit nur als maschinenschriftliche Diplomarbeiten oder Dissertationen vorhanden sind, mit Ausnahme seiner böhmisch-sächsischen Kontakte, die sich im Dresdner Nachlaß befinden und erst kürzlich an die Öffentlichkeit getreten sind. Das gilt selbst unter Berücksichtigung der Bedingungen ihres Entstehens. Leider sind sie daher nicht frei von ideologisch gefärbten Argumentationen. Ähnliches läßt sich lange Zeit zu seinen Leipziger Kollegen Karl Biedermann sagen. Jedoch gibt es für diesen eine neuere Arbeit von dem kanadischen Historiker Robert Bazillion, die ihn als Professor und Politiker würdigt. Dabei ist wohl unstrittig, daß ihr erlangter Einfluß aber oft ein begrenzterer bleibt als ihre Funktion vermuten läßt. Der Sozialdemokratie selbst kommt Biedermann nicht und Wuttke nur zeitweilig näher. Das wiederum bringt es möglicherweise auch mit sich, daß häufig zu entsprechenden Arbeiten über die Geschichte der Arbeiterbewegung, über die Geschichte der Demokratiebewegungen, des Liberalismus wie der Geschichte der Sozialdemokratie diese Leipziger Professoren namentlich nur am Rande erscheinen, wenn gar nicht ganz fehlen. Hier haben wir überhaupt den Prozeß der Konstituierung des Proletariats als Klasse vor uns, wie ihn Hartmut Zwahr als Erster in sozialgeschichtlicher Hinsicht untersucht hat. Jedoch soll es in dieser Untersuchung nicht um diese Probleme gehen.
0. Einführung: Das Kapitel skizziert die Forschungslage zu Wuttke, betont das Desiderat an tiefgehenden Analysen zu seinem Geschichtswerk und definiert das Ziel der Arbeit, eine disziplingeschichtliche Standortbestimmung vorzunehmen.
1. Zur Biographie: Es wird der Werdegang Wuttkes nachgezeichnet, wobei Einflüsse seines Elternhauses, seines Studiums in Breslau und Berlin sowie seine spätere akademische Laufbahn und politische Vereinsarbeit im Zentrum stehen.
2. Wuttke als Geschichtsprofessor und Werk: Hier erfolgt eine detaillierte Darstellung seiner methodischen Grundlagen sowie seiner Hauptforschungsfelder, die von Friedrich II. bis zur Geschichte der Schrift reichen.
3. Wuttke und die historischen Hilfswissenschaften: Dieses Kapitel behandelt Wuttkes Rolle als Vertreter der historischen Hilfswissenschaften in Leipzig, sein komplexes Verhältnis zu Kollegen und die Etablierung des Historischen Seminars.
4. Wuttke und seine Schüler: Die Analyse konzentriert sich auf die akademische Lehre, betreute Promotionen und die tatsächliche sowie wahrgenommene Nachwirkung Wuttkes auf seine Schülerschaft.
5. Die Bedeutung von Wuttkes Geschichtswerk für die zeitgenössische und für die heutige Forschung: Dieses Kapitel evaluierte den wissenschaftlichen Ertrag seiner Arbeiten in verschiedenen Teilbereichen der Geschichte und deren heutige Relevanz.
6. Schlußbetrachtung: Es erfolgt eine Zusammenfassung der zentralen Thesen zur Bedeutung Wuttkes sowie ein Ausblick auf offene Forschungsfragen.
Heinrich Wuttke, Leipziger Universität, Historische Hilfswissenschaften, Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts, Liberalismus, Politische Geschichte, Kulturgeschichte, Schriftgeschichte, Friedrich II., Geschichte Schlesiens, Historiographie, Historisches Seminar, Wissenschaftsgeschichte, Preußische Politik, Großdeutschland.
Die Arbeit widmet sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Geschichtswerks und der akademischen Wirksamkeit von Heinrich Wuttke, einem Leipziger Historiker des 19. Jahrhunderts, der heute weitgehend vergessen ist.
Die zentralen Themen umfassen Wuttkes Wirken als Professor für historische Hilfswissenschaften, seine politischen Aktivitäten in der Vormärzzeit, seine Ansichten zur schlesischen Geschichte und zur Geschichte der Schrift sowie sein komplexes Verhältnis zur zeitgenössischen Geschichtswissenschaft.
Das primäre Ziel ist eine disziplingeschichtliche Standortbestimmung Wuttkes als Historiker. Es soll geklärt werden, welchen wissenschaftlichen Wert sein Werk besitzt und wie er in seinem akademischen Umfeld in Leipzig wahrgenommen wurde.
Der Autor stützt sich auf eine umfassende Analyse sowohl gedruckter Werke als auch ungedruckter Quellen (Nachlässe, Seminartagebücher, Protokolle der Philosophischen Fakultät) und setzt diese in den Kontext der zeitgenössischen Historiographie.
Im Hauptteil werden Wuttkes biographischer Werdegang, seine Rolle als Geschichtsprofessor, seine Einbettung in historische Fachdisziplinen und Vereine sowie der Einfluss auf seine Schüler und sein wissenschaftliches Gesamtwerk systematisch untersucht.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Heinrich Wuttke, Historiographiegeschichte, historische Hilfswissenschaften, das Leipziger Historische Seminar, preußisch-deutsche Geschichtsschreibung und die Konstituierung der Geschichtswissenschaft im 19. Jahrhundert.
Die Quellensituation ist für Wuttke – und damit für den Autor – als überaus problematisch beschrieben, da viele Arbeiten Wuttkes nur verstreut oder ungedruckt vorliegen, was eine vollständige Bibliographie und damit eine abschließende Bewertung erschwert.
Der Autor hinterfragt die gängige, oft abfällige Reduzierung Wuttkes auf einen reinen „Materialspender“. Er argumentiert, dass Wuttkes Werk trotz methodischer Widersprüche und einer Außenseiterrolle eine größere wissenschaftliche Aufmerksamkeit verdient.
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