Doktorarbeit / Dissertation, 2007
156 Seiten, Note: 2
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
Einleitung
Kapitel I
Die NSDAP auf „Bauernfang”
1. Die große Krise der deutschen Landwirtschaft am Ende der Weimarer Republik
2. Die nationalsozialistische Bauernpolitik bis zur „Machtergreifung”
3. Die landwirtschaftliche Struktur und das Wahlverhalten im Landkreis Pfaffenhofen/Ilm 1928 – 1933
Kapitel II
Durchsetzung nationalsozialistischer Agrarpolitik: Entschuldung, Reichsnährstand und Reichserbhofgesetz
1. Das Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhältnisse (Schuldenregelungsgesetz)
2. Der Reichsnährstand
3. Die ideengeschichtlichen Hintergründe des Erbhofkonzeptes
3.1 Das Anerbenrecht und die bäuerliche Erbsitte unter besonderer Berücksichtigung Bayerns und des Landkreises Pfaffenhofen/Ilm
3.1.1 Die Entwicklung des Anerbenrechts bis 1933
3.1.2 Die Erbsitte in Bayern und im Landkreis Pfaffenhofen/Ilm
3.2 Die Blut und Boden Ideologie
4. Das Reichserbhofgesetz
4.1 Das preußische Erbhofrecht als Vorläufer
4.2 Das Reichserbhofgesetz vom 29. September 1933
4.3 Das Reichserbhofgesetz im Verhältnis zum Bürgerlichen Gesetzbuch
4.3.1 Das Reichserbhofgesetz als Kern eines neuen völkischen Privatrechts
4.3.2 Der Erbhof als Teil des konkreten Ordnungsdenkens
4.4 Die „Fortbildung” des Reichserbhofgesetzes
5. Das Anerbenrecht in Deutschland nach 1945
Kapitel III
Die Anwendung des Reichserbhofgesetzes im ehemaligen Amtsgerichtsbezirk Pfaffenhofen/Ilm
1. Die Bedeutung der erbhofrechtlichen Bestimmungen im untersuchten Gebiet
2. Die Anlegungsverfahren
2.1 Die Ersterfassung
2.2 Die weiteren Anlegungsverfahren
2.3 Bewertung der Anlegungsverfahren
3. Gerichtsverfahren vor dem Anerbengericht Pfaffenhofen/Ilm
3.1 Erbhofstatus
3.1.1 Verfahren zur Streichung des Erbhofstatus
3.1.1.1 Einspruchsverfahren
3.1.1.2 Feststellungsverfahren
3.1.1.3 Gründe für die Streichung des Erbhofstatus
3.1.2 Verfahren zur Anerkennung des Erbhofstatus
3.1.3 Einschätzung
3.1.4 Verhältnis des Einspruchs- zum Feststellungsverfahren
3.1.5 Schaffung von sippengebundenen Ehegattenerbhöfen
3.2 Bodenmobilität
3.2.1 Verkauf von Grundstücken
3.2.1.1 An die öffentliche Hand
3.2.1.2 An Privatpersonen
3.2.2 Verkauf des gesamten Erbhofes
3.2.3 Verpachtung/Pachtverlängerung
3.2.4 Grundstückstausch
3.3 Vererbung
3.3.1 Die vorweggenommene Erbfolge
3.3.2 Die gesetzliche Erbfolge
3.3.3 Die Stellung der Altenteiler und weichenden Erben
3.3.3.1 Altenteiler
3.3.3.2 Weichende Erben
3.3.4 Teilung des Erbhofes
3.3.5 Versorgungsstreitigkeiten
3.3.6 Anerbenbestimmung
3.4 Belastungsverbot
3.5 Sanktionen
3.5.1 Treuhänderresche Wirtschaftsführung
3.5.2 Aberkennung der Bauernfähigkeit
4. Einflussnahme von Seiten des Reichsnährstandes
5. Einflussnahme seitens der NSDAP
6. Reaktionen der Bauern auf das Reichserbhofgesetz
7. Die Beschwerdeverfahren
Die vorliegende Arbeit stellt die praktische Anwendung und Handhabung des Reichserbhofgesetzes (REG) durch die zuständigen Gerichte (Anerbengerichte) und den Reichsnährstand in dem räumlich begrenzten Bereich des ehemaligen Amtsgerichtsbezirks Pfaffenhofen/Ilm für den Zeitraum von 1933 bis 1945 dar. Es wird untersucht, wie die ideologischen Ziele des nationalsozialistischen Staates vor Ort durch die ausführenden Organe umgesetzt wurden und inwieweit ökonomische Notwendigkeiten die ideologische Strenge relativierten.
Die große Krise der deutschen Landwirtschaft am Ende der Weimarer Republik
Ab dem Jahre 1928 geriet die deutsche Landwirtschaft mit ihren Produkten immer mehr unter Preisdruck. Eine relative Überproduktion an landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf der Welt (besonders bedingt durch die Länder USA und Kanada), selbstverständlich gemessen an der Kaufkraft der Konsumenten, nicht etwa an ihren realen Bedürfnissen, hatte zu einem Preissturz geführt, der alle landwirtschaftlichen Sektoren mehr oder weniger betraf. Die Konkurrenz aus Übersee konnte auf Grund ihrer größeren Anbauflächen und besseren Technisierung effektiver produzieren.
Entscheidend verschärfte sich die Situation mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, deren Beginn allgemein mit dem sog. „Schwarzen Freitag” an der New Yorker Börse, dem 24. Oktober 1929, datiert wird. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen in Deutschland wurde die Landwirtschaft von dieser Depression besonders stark betroffen. Einer der Gründe ist bereits mit der relativen Überproduktion genannt worden.
Kapitel I: Dieses Kapitel beleuchtet die wirtschaftliche Krise der Landwirtschaft am Ende der Weimarer Republik und untersucht, wie die NSDAP diese Lage für ihre politische Agitation nutzte, um in der ländlichen Bevölkerung Wähler zu gewinnen.
Kapitel II: Hier werden die zentralen gesetzgeberischen Maßnahmen der nationalsozialistischen Agrarpolitik vorgestellt, insbesondere die Entschuldung, der Reichsnährstand sowie die theoretischen Grundlagen des Reichserbhofgesetzes, inklusive seiner ideologischen Herleitung.
Kapitel III: Das Hauptkapitel analysiert die konkrete Umsetzung und Anwendung des Reichserbhofgesetzes im ehemaligen Amtsgerichtsbezirk Pfaffenhofen/Ilm anhand einer detaillierten Auswertung der lokal überlieferten Gerichtsakten.
Reichserbhofgesetz, Anerbenrecht, Landwirtschaft, NS-Agrarpolitik, Bauernstand, Bodenmobilität, Erbhofakten, Pfaffenhofen an der Ilm, Reichsnährstand, Erbfolge, Entschuldung, Blut und Boden Ideologie, NS-Recht, Bauerngerichte.
Die Studie befasst sich mit der praktischen Anwendung des Reichserbhofgesetzes (REG) zwischen 1933 und 1945 im ehemaligen Amtsgerichtsbezirk Pfaffenhofen/Ilm durch die lokal handelnden Organe.
Zentrale Themen sind die administrative Umsetzung des Erbhofrechts (Anlegungsverfahren), die Rechtsprechung zu Bodenmobilität, Vererbung und Sanktionen sowie die Rolle und Einflussnahme des Reichsnährstandes.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie nationalsozialistische Ideologie (insbesondere Blut-und-Boden-Ideologie) in der Praxis durch lokale Behörden und Gerichte umgesetzt wurde und welche Rolle pragmatische, ökonomische Erwägungen dabei spielten.
Der Autor führt eine tiefgehende juristische und historische Quellenanalyse durch, gestützt auf 974 aus dem Staatsarchiv München eingesehene Erbhofakten des untersuchten Bezirks.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur NS-Agrarpolitik und das empirische Kapitel III, welches die tägliche Arbeit der Anerbengerichte in Pfaffenhofen/Ilm detailliert nachzeichnet.
Reichserbhofgesetz, Anerbenrecht, Bäuerliche Erbfolge, NS-Agrarpolitik, Bodenmobilität und die spezifische Situation im Amtsgerichtsbezirk Pfaffenhofen/Ilm.
Die exzellente Überlieferung der sogenannten Erbhofakten im Staatsarchiv München ermöglichte eine nahezu vollständige Rekonstruktion der gerichtlichen Vorgänge in diesem spezifischen Bezirk.
Die Reaktionen reichten von einer anfänglichen, großen Ablehnung aufgrund der Einschränkung von Verfügungsrechten bis hin zum "Arrangement" mit dem Regime, begünstigt durch den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Überwindung der Weltwirtschaftskrise.
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