Doktorarbeit / Dissertation, 1994
147 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Struktur von Metallporphyrinen
2.2 Konformationen des Nickel-oktaethylporphyrins und Methoden zur Bestimmung der Enthalpiedifferenz
2.2.1 Definition der Begriffe Konformation, Konformere und Konformationsanalyse
2.2.2 Kristallkonformere des Nickel-oktaethylporphyrins
2.2.3 Absorptions- und Resonanz-Raman-Spektroskopie als Methode zur Bestimmung der Enthalpiedifferenz
2.3 Absorptionsspektren und Resonanz-Raman-Spektren von Metallporphyrinen
2.3.1 Absorptionsspektren von Metallporphyrinen
2.3.2 Resonanz-Raman-Streuintensität und Depolarisationsgrad der Metallporphyrine
2.4 Normalschwingungen des Nickel-oktaethylporphyrins
2.5 Strukturabhängigkeit der Resonanz-Raman-Spektren
2.5.1 „Core size marker“-Banden
2.5.2 Resonanz-Raman-Spektren der Kristallkonformere von Nickel-oktaethylporphyrin
3 Experimentelle Methoden
3.1 Probenpräparation
3.1.1 Reinigung
3.1.2 Herstellung der Nickel-porphin-„Kristallite“
3.1.3 Temperatursprung-Experiment mit Nickel-porphin
3.2 Apparatur zu Aufnahme der Raman-Spektren
3.3 Apparatur zu Aufnahme der Absorptionsspektren
3.4 Apparatur zu Aufnahme der Tieftemperaturspektren
3.4.1 Beschreibung der Apparatur
3.4.2 Lokale Temperatur
3.4.3 Testmessung: Ermittlung der Enthalpiedifferenz von 2-Methylbutan
3.5 Durchführung der Messungen
3.5.1 Bedingung für die Spektrenaufnahme
3.5.2 Beschreibung der Spektrenaufnahme
3.6 Auswertung der Spektren
3.6.1 Auswerteprogramm „PeakFit“
3.6.2 Dekonvolution der Raman-Banden: Bestimmung der wahren Bandenparameter
3.6.3 Testmessung: Ermittlung der wahren Bandenparameter am Beispiel der 607-cm⁻¹-Bande von Benzol
3.7 Korrekturen: Depolarisationsgrad und Resonanz-Raman-Anregungsprofil
3.7.1 Depolarisationsgrad
3.7.2 Resonanz-Raman-Anregungsprofil
4 Ergebnisse
4.1 Profil der „core size marker“-Banden
4.2 Temperaturabhängigkeit der „core size marker“-Banden
4.2.1 Beschreibung der beobachteten Temperaturabhängigkeit
4.2.2 Beschreibung der Bandenprofilanalyse
4.2.3 Ergebnis der Bandenprofilanalyse (Teil I): Temperaturabhängigkeit der Lagen und Halbwertsbreiten
4.2.4 Ergebnis der Bandenprofilanalyse (Teil II): Temperaturabhängigkeit der Subbanden-Intensitätsverhältnisse
4.3 Temperaturabhängigkeit der „non core size marker“-Banden
4.4 Halbwertsbreite und Heterogenität der Resonanz-Raman-Banden
4.5 Depolarisationsgrad und Resonanz-Raman-Anregungsprofil der „core size marker“-Subbanden
4.5.1 Vorbemerkung
4.5.2 Beschreibung der Bandenprofilanalyse
4.5.3 Depolarisationsgrad der Subbanden
4.5.4 Resonanz-Raman-Anregungsprofile der Subbanden
4.6 Temperaturabhängigkeit der Absorptionsspektren
4.6.1 Beschreibung der beobachteten Temperaturabhängigkeit
4.6.2 Ergebnis der Bandenprofilanalyse für die Q₀- bzw. B₀-Bande
4.7 Resonanz-Raman- und Absorptionsspektren von Nickel-porphin: Einfluß der Substituenten auf das Bandenprofil
4.7.1 Resonanz-Raman-Spektrum bei Raumtemperatur
4.7.2 Temperaturabhängigkeit der Resonanz-Raman-Banden
4.7.3 Messung der Subbanden-Intensitätsverhältnisse unter verschiedenen Bedingungen
4.7.4 Temperaturabhängigkeit der Absorptionsspektren
4.8 Resonanz-Raman- und Absorptionsspektren von Palladium-oktaethylporphyrin: Einfluß des Ionenradius auf das Bandenprofil
4.8.1 Resonanz-Raman-Spektren bei Raumtemperatur
4.8.2 Temperaturabhängigkeit der Absorptionsspektren
5 Diskussion
5.1 Zuordnung der Subbanden zur quasi-planaren und nichtplanaren Konformation
5.2 Interpretation der Temperaturabhängigkeit der Bandenlagen und Halbwertsbreiten
5.3 Zusätzliche strukturelle Heterogenität als Ursache für die inhomogene Verbreiterung der Resonanz-Raman-Banden
5.4 Anordnungen und hohe Flexibilität der Substituenten als Ursache für die zusätzliche strukturelle Heterogenität
5.5 Interpretation der Enthalpiedifferenz von Nickel-porphin und Nickel-oktaethylporphyrin
6 Schlußfolgerung
7 Zusammenfassung
Anhang
A Eigenschaften von Dichlormethan, Schwefelkohlenstoff und Benzol
B Ableitung der linearen Dispersion eines Gitterspektrometers in Czerny-Turner-Anordnung
C Absorptionskoeffizienten der Metallporphyrine
D Intensitätsverhältnis der Stokes- und Anti-Stokes-Bande
E Zusammenstellung wichtiger Tabellen und Abbildungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturelle Heterogenität von Nickel-oktaethylporphyrin [Ni(OEP)] in nichtkoordinativen Lösungsmitteln. Ziel ist es, durch eine konformationsanalytische Untersuchung mittels Resonanz-Raman-Spektroskopie den Einfluss der Molekülorientierung und der Substituenten auf die strukturellen Eigenschaften und das Konformationsgleichgewicht in Lösung zu klären.
Strukturelle Heterogenität von Nickel-oktaethylporphyrin in nichtkoordinativen Lösungsmitteln
Metallporphyrine sind Komplexverbindungen, die im Stoffwechsel der Pflanzen und Tiere eine zentrale Rolle spielen. Als gemeinsames Grundgerüst enthalten sie den Porphyrinring. Dieser besteht aus vier Pyrrolringen, die über Methinbrücken (CH-Gruppen) zu einem Makrozyklus verbunden sind, in dessen zentrale Öffnung ein Metall-Ion passender Größe eintreten kann (vgl. Abb. 1). Die wichtigsten, biologisch aktiven Metallporphyrine haben Magnesium- oder Eisen-Ionen gebunden. Von den magnesiumhaltigen Komplexen kommt dem Chlorophyll und seinen Derivaten eine Schlüsselrolle zu. Denn ein Bakteriochlorophyll-Dimer („special pair“) löst bei der lichtinduzierten Ladungstrennung im Reaktionszentrum („Motor der Photosynthese“) durch Absorption von Licht den Primärprozeß der Photosynthese aus. Die Hämproteine enthalten als aktives Zentrum das Eisen-protoporphyrin IX [Fe(ProtoP)] (vgl. Abb. 1). Von diesen Proteinen übernehmen die Hämoglobine und Myoglobine den Sauerstofftransport von der Lunge zur Zelle bzw. innerhalb der Zelle.
Diese vielfältigen Funktionen der Metallporphyrine werden wesentlichen durch die in der Proteinumgebung vorliegende Struktur bestimmt. Beispielsweise wird das in der hydrophoben Tasche eingelagerte Fe(ProtoP) im deoxygenierten Hämoglobin und Myoglobin durch Porphyrin-Protein-Wechselwirkung in eine nichtplanare Struktur „gezwungen“. Beim Hämoglobin gibt es zwei Quartärstrukturen, bei denen das Fe(ProtoP) in einer planaren (R-Zustand) bzw. in einer nichtplanaren Struktur (T-Zustand) vorliegt. Dabei haben der R- und der T-Zustand unterschiedliche Sauerstoffaffinitäten. Darüber hinaus wird die Sauerstoffaffinität des Fe(ProtoP) durch Wechselwirkungen mit der Proteinumgebung moduliert. Beispielsweise werden durch Protonierung von Aminosäure-Seitengruppen Verzerrungen des Porphyrinskeletts hervorgerufen, die wiederum die Ligandenaffinität beeinflussen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die biologische Bedeutung von Metallporphyrinen ein und definiert das Forschungsziel, die strukturelle Heterogenität von Ni(OEP) in Lösung zu untersuchen.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die chemischen Strukturen, die Konformationsanalyse und die physikalischen Methoden (Absorption, Resonanz-Raman) für die vorliegende Arbeit hergeleitet.
3 Experimentelle Methoden: Dieser Abschnitt beschreibt die Probenreinigung, die apparativen Aufbauten für die spektroskopischen Messungen bei Raum- und Tief-Temperaturen sowie die Auswerteverfahren.
4 Ergebnisse: Der Hauptteil präsentiert die gemessenen Resonanz-Raman- und Absorptionsspektren unter Berücksichtigung der Temperaturabhängigkeit und verschiedener Metall-Ionen.
5 Diskussion: In diesem Teil werden die Ergebnisse hinsichtlich der Konformere und der strukturellen Heterogenität interpretiert und in den wissenschaftlichen Kontext eingeordnet.
6 Schlußfolgerung: Die Ergebnisse werden zusammenfassend bewertet und der biologische Nutzen der strukturellen Flexibilität von Porphyrinen hervorgehoben.
7 Zusammenfassung: Eine komprimierte Wiederholung der wesentlichen Erkenntnisse über das Konformationsgleichgewicht und den Einfluss von Substituenten.
Metallporphyrine, Nickel-oktaethylporphyrin, Resonanz-Raman-Spektroskopie, Konformationsanalyse, Enthalpiedifferenz, Core size marker, Kristallkonformere, Moleküldynamik, Absorptionsspektroskopie, strukturelle Heterogenität, Subbandenanalyse, Porphyrin-Struktur, thermodynamisches Gleichgewicht, Substituenteneinfluss, Eisen-protoporphyrin.
Die Arbeit untersucht, wie sich das Molekül Nickel-oktaethylporphyrin (Ni(OEP)) in Lösung verhält, insbesondere hinsichtlich seiner räumlichen Struktur (Konformation) und wie diese Struktur durch Temperaturänderungen beeinflusst wird.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die strukturelle Heterogenität von Porphyrin-Makrozyklen, die thermodynamische Stabilität verschiedener Konformere und die spektroskopische Charakterisierung mittels Resonanz-Raman-Verfahren.
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Resonanz-Raman-Spektren zu verstehen, in welchem Konformationszustand Ni(OEP) in nichtkoordinativen Lösungsmitteln vorliegt und welche energetischen Unterschiede zwischen diesen Zuständen bestehen.
Der Autor verwendet primär die Resonanz-Raman-Spektroskopie und UV/VIS-Absorptionsspektroskopie, ergänzt durch mathematische Dekonvolutions-Verfahren (PeakFit) und thermodynamische Modelle wie die van’t Hoff-Gleichung.
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten experimentellen Bestimmung der Bandenprofile bei verschiedenen Temperaturen, der Analyse von „core size marker“-Banden und dem Vergleich von Ni(OEP) mit verwandten Verbindungen wie Ni(P) und Pd(OEP).
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Metallporphyrine, Konformationsgleichgewicht, Resonanz-Raman-Spektroskopie, Enthalpiedifferenz und strukturelle Heterogenität.
Die Temperaturabhängigkeit der Spektren erlaubt es, die energetische Differenz (Enthalpie) zwischen den verschiedenen Konformationen des Moleküls zu bestimmen, da sich das Konformationsgleichgewicht mit der Temperatur verschiebt.
Der Hauptunterschied liegt im Ionenradius des zentralen Metall-Atoms. Pd(II) ist größer als Ni(II), was dazu führt, dass Pd(OEP) eher eine planare Konformation einnimmt, während Ni(OEP) eine größere strukturelle Flexibilität und Heterogenität aufweist.
Diese spezifischen Schwingungsbanden verändern ihre Frequenz in Abhängigkeit von der Größe der zentralen Metall-Öffnung (Core size) und dem Pyrrolwinkel, wodurch sie als Indikator für den Deformationsgrad des Porphyrin-Makrozyklus dienen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Porphyrine wie Ni(OEP) eine hohe strukturelle Flexibilität besitzen, was als Modell dafür dient, wie biologisch aktive Zentren in Proteinen (z.B. Hämoglobin) durch kleine Konformationsänderungen ihre Funktion steuern können.
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