Diplomarbeit, 2008
92 Seiten, Note: 2,3
I. Hinführung zum Thema
II. Der Montanismus
III. Kurzbiographie - Quintus Septimus Florens Tertullianus und sein Wahrheitsanspruch
IV. Die montanistischen Schriften Tertullians
a) Adversus Marcionem und Adversus Praxean. Zwei antignostische Schriften Tertullians am Beginn seiner montanistischen Zeit
b) De virginibus velandis
c) De exhortatione castitatis
d) De pallio
e) De corona
f) De fuga in persecutione
g) De pudicitia
h) De monogamia
i) De ieiunio adversus Psychicos
j) De idololatria
V. Die montanistische Askese nach Tertullian
a) Das Fasten in den montanistischen Schriften
b) Die Einehe in den montanistischen Schriften
c) Die Verschleierung der Frau als Forderung der Sittlichkeit
VI. Die Geisteserfahrung der Montanisten
a) Der Paraklet als Lehrer, Beistand und Forderer
b) Die „Ecstasis“ der neuen Prophetie
c) Fünf wörtlich übernommene Sprüche des Parakleten in Tertullians Werken
VII. Der Paraklet im Verhältnis zu den Organen der Großkirche
a) Der Paraklet und die bischöfliche Rechtsgewalt
b) Der Paraklet und die bischöfliche Lehrvermittlung
c) Der Paraklet und die bischöfliche Lehrentscheidung
d) Der Paraklet und der Primat
VIII. Reaktionen der Großkirche
IX. Warum wurde Tertullian Montanist?
X. Der tertullianische Montanismus – Kritik
Die Arbeit untersucht das Verhalten des Kirchenschriftstellers Tertullian nach seiner Konversion zum Montanismus im Kontext der Auseinandersetzung mit der Großkirche und analysiert die theologische Fundierung seiner montanistischen Schriften.
Adversus Praxean
Die Schrift Adversus Praxean wurde in dem Zeitraum zwischen den Jahren 207 n. Chr. und 213 n. Chr. verfasst. Der Anlass der Schrift war das Trinitätsproblem. In diesem Werk findet sich die „klarste vornizänische Darstellung der kirchlichen Trinitätslehre.“ Tertullian sah in Praxean einen Häretiker, welcher den Monarchianismus vertrat. Praxean war es, welcher als Erster das falsche Gedankengut des Monarchianismus von Asien nach Rom gebracht hatte. „Nam iste primus ex Asia hoc genus perversitatis intulit Romam[...]“
Im ersten Kapitel dieser Schrift gibt Tertullian deutlich zu verstehen, dass die Anerkennung des Parakleten als Vorboten eines tausendjährigen Reiches von Seiten der Montanisten für den Bruch mit der Kirche ausschlaggebend gewesen sei. Tertullian erwähnt, dass ein namentlich nicht genannter römischer Bischof zuerst Freundschaftsbriefe an die montanistischen Gemeinden ausgesandt habe, um sie anschließend zu widerrufen.
I. Hinführung zum Thema: Einleitung in die Fragestellung, wie sich Tertullian nach seiner Konversion zum Montanismus gegenüber der Großkirche positionierte.
II. Der Montanismus: Darstellung der Ursprünge, der Bewegung um Montanus, Priscilla und Maximilla sowie der theologischen Grundgedanken des Montanismus.
III. Kurzbiographie - Quintus Septimus Florens Tertullianus und sein Wahrheitsanspruch: Biographische Skizze des Autors, seiner Bildung und seines Einflusses auf die christliche Theologie.
IV. Die montanistischen Schriften Tertullians: Detaillierte Betrachtung einzelner Schriften, die Tertullian nach seinem Übergang zum Montanismus verfasste.
V. Die montanistische Askese nach Tertullian: Untersuchung der Themen Fasten, Einehe und Verschleierung der Frau als zentrale Forderungen der montanistischen Praxis.
VI. Die Geisteserfahrung der Montanisten: Analyse der Bedeutung des Parakleten und des Konzepts der Ekstase in der neuen Prophetie.
VII. Der Paraklet im Verhältnis zu den Organen der Großkirche: Untersuchung des Spannungsverhältnisses zwischen der montanistischen Geisteserfahrung und den bischöflichen Hierarchien.
VIII. Reaktionen der Großkirche: Beschreibung der theologischen und kirchlichen Reaktion auf die Herausforderung durch den Montanismus.
IX. Warum wurde Tertullian Montanist?: Erörterung der persönlichen und intellektuellen Beweggründe Tertullians für den Anschluss an die Bewegung.
X. Der tertullianische Montanismus – Kritik: Kritische Würdigung von Tertullians Beweisführung, seinem Rigorismus und seiner Entfremdung von der kirchlichen Lehre.
Tertullian, Montanismus, Neue Prophetie, Paraklet, Großkirche, Askese, Einehe, Fasten, Trinität, Monarchianismus, Kirchenzucht, Rigorismus, Exstasis, Wahrheitsanspruch, Kirchenhierarchie
Die Arbeit analysiert, wie sich der Theologe Tertullian nach seiner Konversion zum Montanismus gegenüber der bestehenden Großkirche verhielt und welche theologischen Standpunkte er in seinen späteren Schriften vertrat.
Im Zentrum stehen die montanistische Askese, die Lehre vom Parakleten (Heiligen Geist), das Verhältnis von Kirche und charismatischer Prophetie sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Kirchenhierarchie.
Ziel ist es zu verstehen, wie Tertullian durch seine montanistische Überzeugung die kirchliche Lehre, Disziplin und das Verständnis von Offenbarung transformierte und wo er in Konflikt mit der institutionalisierten Kirche geriet.
Der Autor nutzt eine textimmanente Analyse der montanistischen Schriften Tertullians unter Einbeziehung des historischen Kontextes und theologischer Fachliteratur, um den Entwicklungsprozess des Autors nachzuzeichnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Schriften, die Untersuchung asketischer Praktiken (wie Fasten und Einehe), das Verständnis der Geisteserfahrung durch den Parakleten und das Verhältnis zu bischöflichen Organen.
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Tertullian, Montanismus, Paraklet, Askese, Kirchenzucht, Rigorismus und das Spannungsverhältnis zur Großkirche.
Obwohl Tertullian die grundsätzliche Vollmacht der Kirche zur Sündenvergebung anerkennt, lehnt er diese Praxis in seiner montanistischen Phase für bestimmte schwere Sünden ab, da er eine kompromisslose Heiligkeit fordert.
Für ihn ist die Askese, insbesondere das Fasten und die Enthaltsamkeit, das notwendige Gegengift zur sündigen Natur des Menschen und ein entscheidendes Mittel, um den Seelenfrieden und die Distanz zur Welt zu bewahren.
Ja, der Autor arbeitet heraus, dass Tertullians Denken sich mit der Konversion zum Montanismus in Richtung eines radikalen Rigorismus verschiebt, wobei er zunehmend den Parakleten als Autorität über das bisherige Schriftverständnis stellt.
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