Magisterarbeit, 2009
92 Seiten, Note: 1,3
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
Einführung
1. Teil: Internetsubsysteme
1. Die Entstehung des Internets
2. Das World Wide Web als spezielles Internetsubsystem
2.1. Die Funktionsweise des World Wide Web
2.2 Die Entwicklung des WWW – Das Web 2.0
2.2.1. Interaktion
2.2.2. Partizipation
2.2.3. Kooperation
2.2.4. Klassifikation
2.2.5. Social Web
3. Weblogs als spezielles Subsystem des WWW
3.1. Begriff
3.2. Die technischen Rahmenbedingungen
3.3. Die Funktionsweise eines Weblogs
3.4. Kommunikationssoziologische Aspekte von Weblogs
3.5. Spezielle Weblogarten
3.5.1. Watchblogs
3.5.2. Experten-Blogs
3.5.3. Warblogs
3.5.4. Underground-Blogs
3.5.5. J-Blogs oder Redaktionsblogs
3.5.6. Microblogging-Dienste
3.6. Die Wirkweise von Weblogs
2. Teil: Potentiale – Medienutopien und deren Relevanz für die Weblogs
1. Die Medienevolution nach Merten
2. Kommunikationsmodelle nach Flusser
2.1. Diskursive Kommunikationsmodelle
2.1.1. Pyramidendiskursmodell
2.1.2. Baumdiskursmodell
2.1.3. Theaterdiskursmodell
2.1.4. Amphitheaterdiskursmodell
2.2. Dialogisches Kommunikationsmodelle
2.2.1. Kreisdialogmodell
2.2.2. Netzdialogmodell
3. Radiotheorie nach Brecht
4. Medienkritik nach Enzensberger
3. Teil. Das kollektive Gedächtnis als Gesellschaftsprozess
1. Das Gedächtnis und seine sozialen Rahmenbedingungen nach Halbwachs
1.1. Die Soziogenese des Gedächtnisses
1.2. Die Rekonstruktivität des Gedächtnisses
1.3. Die Historie des Gedächtnisses
2. Das kollektive Gedächtnis nach Assmanns
2.1. Das kommunikative Gedächtnis
2.2. Das kulturelle Gedächtnis
2.3. Das Funktions- und Speicher-Gedächtnis
2.3.1. Das Funktions-Gedächtnis und dessen Motive
2.3.2. Das Speichergedächtnis und sein Potential
3. Die Medienevolution und der Wandel kollektiver Gedächtnisstrukturen
3.1. Sprache
3.2. Druck
3.3. Elektronische Speicher
4. Teil. Das Gedächtnispotential von Weblogs – spezifische Auswirkungen von Weblogs auf das kollektive Gedächtnis
1. Auswirkungen im kommunikativen Gedächtnis
2. Auswirkungen im Funktionsgedächtnis
3. Auswirkungen im Speichergedächtnis
Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwiefern Online-Kommunikationssysteme, insbesondere Weblogs, als Internetsubsysteme einen Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse, namentlich auf das kollektive Gedächtnis, ausüben können. Hierbei wird die theoretische Grundlage durch systemtheoretische Ansätze und Konzepte zur Medienevolution sowie Medientheorien von Flusser, Brecht und Enzensberger gebildet.
3.5.1. Watchblogs
„Blogger, die Unternehmen, Institutionen, Politiker wie auch Journalisten kritisch beobachten und ihre Produkte, Ideen oder Meinungen hinterfragen, werden Watchblogger genannt.“
Der Begriff ‚Watchblog‘ spielt dabei auf den Begriff ‚Watchdog‘ an. Als Wachhund der virtuellen Welt, zielt diese Art von Weblog auf eine kritische Auseinandersetzung mit dargestellten Sachverhalten in den Medien ab. Watchblogs werden sowohl von aktiven Journalisten als auch von Privatpersonen oder Gruppen geführt. Sie kennzeichnen sich dadurch aus, dass sie versuchen aufzudecken, kritisch zu hinterfragen oder zu observieren. Das Wesentliche an den Watchblogs ist also die kritische Auseinandersetzung mit dem medialen Alltag, sprich mit der Funktion, Aufarbeitung und Darstellung von Informationen durch die Medien. Die Watchblogger könnten durch die kritische Betrachtung von Medien sogar in der Lage sein, den Qualitätsstandard medialer Berichterstattung zu erhöhen. Zumindest aber schaffen sie eine Plattform, auf die jeder Medienrezipient zugreifen kann und dadurch erst die Möglichkeit hat, sich über Falsch- oder Fehlberichterstattungen zu informieren. Letztlich liegt die Chance der Watchblogs im Sinne McLuhans in der Möglichkeit, hierdurch sogar eine ‚kollektive Massage‘ zu sein, also die Nutzer auch auf- und wachrütteln zu können.
So konnte beispielsweise der Weblog ‚lobbycontrol.de‘ Ende Mai 2009 die anonymen PR-Maßnahmen der Deutschen Bahn aufdecken. Diese hatten eine subtile Einflussnahme der Deutschen Bahn auf ihr eigenes Privatisierungsvorhaben zum Inhalt. Die Deutsche Bahn bezahlte über eine Millionen Euro für anonym geschaltete und medienwirksame Werbung, um die Menschen von der Privatisierungsidee zu überzeugen. So entlarvte der Blogger, dass
„TV-Auftritte der Vorstände […]organisiert [wurden], [dass es] ebenso zahlreiche Redaktionsbesuche bei Leitmedien von Bild bis Süddeutscher Zeitung sowie regionale Presse-Hintergrundgespräche [gab]. Umgekehrt reagierte die Bahn in den letzten Jahren laut Medienberichten mehrfach mit Anzeigenboykotten auf kritische Artikel.“
Einführung: Die Einleitung etabliert die Relevanz von Weblogs als Internetsubsysteme und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich ihrer Wirkung auf das kollektive Gedächtnis.
1. Teil: Internetsubsysteme: Dieses Kapitel erläutert die Genese des Internets und die spezifische Funktionsweise des World Wide Web sowie von Weblogs und deren Ausprägungen.
2. Teil: Potentiale – Medienutopien und deren Relevanz für die Weblogs: Hier werden kommunikationstheoretische Modelle nach Flusser sowie Medientheorien von Brecht und Enzensberger analysiert, um die gesellschaftlichen Potentiale digitaler Medien einzuordnen.
3. Teil. Das kollektive Gedächtnis als Gesellschaftsprozess: Dieser Abschnitt fundiert das Verständnis des kollektiven Gedächtnisses auf Basis der Theorien von Halbwachs und Assmann.
4. Teil. Das Gedächtnispotential von Weblogs – spezifische Auswirkungen von Weblogs auf das kollektive Gedächtnis: Das Abschlusskapitel synthetisiert die Erkenntnisse und untersucht, wie Weblogs konkret das kommunikative, funktionale und Speichergedächtnis beeinflussen.
Ausblick: Der Ausblick resümiert die Potentiale von Weblogs und fordert eine verstärkte medienpädagogische Auseinandersetzung sowie institutionelle Sicherungsmaßnahmen für digitale Inhalte.
Weblogs, Internetsubsysteme, kollektives Gedächtnis, Medienkompetenz, Kommunikationstheorie, Web 2.0, Speichergedächtnis, Funktionsgedächtnis, Öffentlichkeit, Gegenöffentlichkeit, digitale Medien, Vernetzung, Partizipation, Medienevolution, Informationsgesellschaft.
Die Arbeit untersucht das Potential von Weblogs als moderne Online-Kommunikationssysteme und analysiert deren Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse, insbesondere auf das kollektive Gedächtnis.
Die zentralen Felder umfassen die Systemtheorie des Internets, die Theorie des kollektiven Gedächtnisses nach Halbwachs und Assmann sowie medienphilosophische Ansätze zur Evolution und Kritik von Kommunikationsformen.
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern Weblogs als Internetsubsysteme durch ihre spezifische Funktionsweise das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft ausbilden, verändern oder beeinflussen können.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf bestehenden kommunikations- und medienwissenschaftlichen Modellen (u.a. Flusser, Brecht, Enzensberger) aufbaut und diese auf das Phänomen der Weblogs überträgt.
Der Hauptteil gliedert sich in die technische und soziologische Einordnung von Weblogs, eine medientheoretische Analyse ihrer Potentiale und eine tiefgehende Untersuchung ihrer spezifischen Wirkmechanismen auf verschiedene Formen des kollektiven Gedächtnisses.
Wesentliche Begriffe sind Weblogs, kollektives Gedächtnis, Medienkompetenz, soziale Rahmenbedingungen und die digitale Kommunikation im Kontext der Informationsgesellschaft.
Die Arbeit differenziert zwischen dem kommunikativen Gedächtnis (kurzfristig) und dem kulturellen Gedächtnis (langfristig). Während Weblogs das kommunikative Gedächtnis durch Dialoge prägen, können sie über Archivierungsfunktionen auch in das Speichergedächtnis des kulturellen Gedächtnisses eingehen.
Diese Unterscheidung ist entscheidend, da das Funktionsgedächtnis aktuelle politische Identitäten stützt, während das Speichergedächtnis "vergessenes" Wissen konserviert. Weblogs nehmen hier eine Doppelrolle ein, indem sie sowohl als Plattform für aktuelle Diskurse (Funktion) als auch als digitales Archiv (Speicher) fungieren.
Der Autor weist auf das Problem der technischen Veralterung hin. Weblogs bieten zwar eine Archivierungsmöglichkeit, doch das Risiko, dass Informationen durch den Verfall von Hard- und Software verloren gehen, stellt eine Gefahr für das kulturelle Speichergedächtnis dar.
Der Autor widerspricht der abwertenden Bezeichnung von Weblogs als "Klowand des Internets" und betont stattdessen deren emanzipatorisches Potential, das sie – unter den richtigen Bedingungen – zu einem bedeutenden kulturellen Medium werden lassen kann.
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