Lizentiatsarbeit, 2007
262 Seiten, Note: Schweizer 5,5 (Deutsche 1)
Einleitung
I Erkenntnisinteresse
II Aufbau und Vorgehen
III Hinweise zur Form der Arbeit
IV Fritz Hermanns (1940-2007)
1. Erster Teil: Hermeneutik
1.1 Zum Verhältnis von Hermeneutik und Sprachwissenschaft
1.2 Linguistische Hermeneutik
1.2.1 Wo wird sie angegliedert?
1.2.2 Gliederung innerhalb des Teilfaches linguistische Hermeneutik
1.3 Theoretische Hermeneutik
1.3.1 Was ist Hermeneutik?
1.3.2 Was ist Verstehen?
1.3.2.1 Verstehen als Erkennen
1.3.2.2 (Richtig) Verstehen, Missverstehen, Missverständnis
1.3.2.3 Verstehen und Meinen
1.3.2.4 Zwei Zirkel des Verstehens
1.3.2.4.1 Erster Zirkel: generelles Wissen vs. singuläres Wissen
1.3.2.4.2 Zweiter Zirkel: Interdependenz von Teil und Ganzem
1.3.2.5 Verstehensdynamik
1.3.2.6 Durch Empathie ermöglichtes Verstehen
1.3.3 Was ist Interpretieren?
1.4 Empirische Hermeneutik
1.4.1 Personenverstehen
1.4.2 Sinnverstehen
1.4.3 Situationsverstehen
1.4.4 Form- und Funktionsverstehen
1.4.5 Handlungstypverstehen
2. Zweiter Teil: Ironie
2.1 Griechische Antike
2.1.1 Antike Moralistik
2.1.2 Sokratische Ironie
2.1.3 Platons Dialoge
2.1.4 Aristoteles’ Tugendlehre
2.2 Römische Antike
2.2.1 Cicero
2.2.2 Quintilian
2.3 Von der Antike bis in die Gegenwart
2.4 Definition von Ironie
2.4.1 Wortironie, Satzironie
Exkurs: Rhetorische Textanalyse und (metaphorische) Wortironie
2.4.2 Geschriebene Ironie: Fiktionsironie vs. Stellenironie
2.4.3 Ironiesignal
2.4.4 Kontext, Kotext
2.4.5 Geteilte Werte: Der soziale Charakter der Ironie
2.4.6 Kritik, Konkurrenz, Negativität und Aggression
2.4.7 Enttäuschte Erwartung, Verstoß gegen die Logik
2.4.8 Paradox: Geschaffener Widerspruch
2.4.9 Ironienahe Phänomene
3. Dritter Teil: Linguistische Theorien
3.1 Searles Sprechakttheorie
3.2 Grice’ Kooperationsprinzip und Maximen
3.3 Sperber & Wilson: Relevance Theory; Echoic Mention Theory
3.4 Kohvakka: Kotextuelle Ironieidentifikation
3.4.1 Erwartungswidrigkeiten auf lexematischer Ebene
3.4.2 Erwartungswidrigkeiten auf thematischer Ebene
3.4.3 Argumentativer Aufbau des Textes
3.4.4 Relationen der einzelnen Konklusionen
4. Vierter Teil: Empirie
4.1 Textanalyse nach Kohvakka
4.2 Kontextuelle Ergänzungen zu Kohvakkas Analyse
4.3 Umstände der Datenerhebung und Methodendiskussion
4.3.1 Zu den Rezeptionsprotokollen
4.3.2 Zu Test und Testpersonen
4.4 Ergebnisse und Interpretation
4.4.1 Ironie erkannt
4.4.1.1 Ironie explizit erkannt: Typ „Kohvakka“
4.4.1.2 Ironie implizit erkannt: Typ „Antike Rhetorik“
4.4.1.3 Verstehende Testpersonen allgemein und im Vergleich: Interpretation
4.4.2 Ironie nicht erkannt
4.4.2.1 Ironie nicht erkannt oder angeblich erkannt
4.4.2.2 Problematische Interpretationen
4.4.2.3 Nichtverstehende Testpersonen allgemein und im Vergleich: Interpretation
4.4.3 Allgemeine Feststellungen und Vergleiche
4.4.4 Übersicht beantworteter und offener Fragen
4.4.4.1 Allgemeine Fragen
4.4.4.2 Verstehensgegenstände
4.4.4.3 Verstehensprozess
Rückschluss und Ausblick
Die Arbeit untersucht das Verständnis von schriftlicher Ironie bei Laien unter Anwendung der linguistischen Hermeneutik. Ziel ist es, die Verstehensdynamik und die Rolle von Kontext und Kotext bei der Identifikation ironischer Aussagen in Texten zu analysieren, wobei die subjektive Interpretation der Rezipienten im Mittelpunkt steht.
Zwei Zirkel des Verstehens
Der Zirkel des Verstehens, der in der Interpretation eines Textes die fortschreitende Annäherung an dessen Sinn meint, soll nicht mit dem zirkelhaften Schließen in einer Argumentation (dem circulus vitiosus) in Verbindung gebracht werden. Schleiermacher (1938; 1977: 95) fasste die Zirkelstruktur des Verstehens jedoch bloß formal auf und betonte daher, dass es sich um einen scheinbaren Kreis des Verstehens handle, der darin besteht, „dass jedes Besondere nur aus dem Allgemeinen, dessen Teil es ist, verstanden werden kann und umgekehrt.“ Die wechselseitige Abhängigkeit dieser beiden simultanen Abläufe (vgl. Müller 1995: 131) wird in der Kognitionspsychologie als top-down- und bottom-up-Strategie (ebd.) beschrieben.
Erster Teil: Hermeneutik: Dieses Kapitel führt in die linguistische Hermeneutik ein, klärt theoretische Begriffe wie Verstehen und Interpretieren und erläutert die verschiedenen Teilbereiche der Hermeneutik.
Zweiter Teil: Ironie: Hier wird das Phänomen der Ironie historisch und systematisch beleuchtet, inklusive ihrer Definition und Abgrenzung von ironienahen Phänomenen.
Dritter Teil: Linguistische Theorien: Dieser Abschnitt analysiert pragmatische Ansätze wie Searles Sprechakttheorie, Grices Maximen, Relevanztheorie sowie Kohvakkas Methode zur Ironieidentifikation.
Vierter Teil: Empirie: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Grundlagen mit der empirischen Untersuchung und präsentiert die Ergebnisse der Rezeptionsprotokolle von Testpersonen.
Linguistische Hermeneutik, Ironie, Sprachverstehen, Textanalyse, Rezeptionsforschung, Sprechakttheorie, Relevanztheorie, Textsortenwissen, Kontext, Kotext, Ironieidentifikation, Empirie, Interpretation, Kommunikation, Sprachphilosophie.
Die Arbeit untersucht, wie Menschen schriftliche Ironie verstehen und welche kognitiven sowie kontextuellen Prozesse dabei eine Rolle spielen.
Die zentralen Felder sind die linguistische Hermeneutik, die Geschichte und Theorie der Ironie sowie die empirische Sprachforschung.
Das Ziel ist die Vorstellung einer linguistischen Hermeneutik zur Analyse schriftlicher Ironie und die empirische Untersuchung, wie Laien bei der Lektüre ironischer Texte vorgehen.
Es werden hermeneutische Verfahren mit empirischen Methoden (Rezeptionsprotokolle) kombiniert, um den Prozess des Ironieverstehens bei Schülern zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Hermeneutik, eine Begriffsgeschichte der Ironie, eine Diskussion linguistischer Theorien und die Auswertung empirischer Daten.
Wichtige Begriffe sind Ironie, Hermeneutik, Textverstehen, Rezeptionsanalyse, Kontext, Sprechakttheorie und Ironieidentifikation.
Die Arbeit zeigt, dass Testpersonen ihr Wissen über Textsorten aktiv nutzen, um Texte als ironisch oder nicht-ironisch einzuordnen.
Die Autorin argumentiert, dass der Kern der Ironie in einem intendierten, widersprüchlichen Charakter liegt, der den Leser dazu zwingt, eine neue Interpretationsebene zu suchen.
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