Masterarbeit, 2009
73 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
Der Tragiker und sein Weltbild
Das Schicksal der Atridenfamilie
Der Einfluss der Götter
Das Konzept der Iphigenie – Agamemnontochter oder Göttin
Iphigenie in Aulis
Das Konzept der Iphigenie zwischen Aulis und Delphi
Iphigenie in Delphi
Der Tod der Iphigenie
Iphigenie und der Zeitbezug
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Konzeption der Iphigenie in Gerhart Hauptmanns Atriden-Tetralogie. Ziel ist es, die Gründe für den Selbstmord der Titelfigur zu erörtern und die Bedeutung dieses Aktes für die Interpretation des Gesamtwerkes sowie dessen Verflechtung mit dem zeitgenössischen Kontext der Entstehungszeit während des Zweiten Weltkriegs aufzuzeigen.
Das Schicksal der Atridenfamilie
Der Mythos um die Atriden ist äußerst komplex. Hauptmann und auch seine Vorläufer wählten daher eine Sequenz des Mythos aus, die sie dramatisierten. Aischylos’ und Euripides’ Werke sowie auch das von Hauptmann beginnen bei der Freveltat des Agamemnon und der daraus resultierenden Forderung nach einem Menschenopfer. Goethes Bearbeitung beginnt hingegen mit der entrückten Iphigenie nach Tauris, die ihr Schicksal auf Aulis jedoch reflektiert. Die Bearbeitungen enden mit dem Schicksal der Agamemnonkinder, wobei Aischylos und Euripides das Gewicht insbesondere auf das Schicksal des Orestes legen, Goethes und Hauptmanns Schwerpunkt jedoch bei Iphigenie liegt. Die umfangreichste Bearbeitung ist, nach der „Orestie“ des Aischylos, der einzigen zusammenhängenden aus der Antike überlieferten Trilogie, die des modernen Dichters. Dabei finden sich in allen Bearbeitungen Andeutungen auf die Vorgeschichte, die die gewählte Sequenz in ihren übergeordneten Zusammenhang einordnen und dadurch deutlich machen, dass die Kenntnis dieser für das Verständnis der Bearbeitung wichtig ist. Im Folgenden soll daher die Geschichte der Atriden kurz vorgestellt und es soll gezeigt werden, worin die bedeutendsten Unterschiede der einzelnen Bearbeitungen bestehen. Dabei wird der Schwerpunkt der Untersuchung auf dem Schicksal der Iphigenie und den Abweichungen innerhalb der einzelnen Bearbeitungen liegen, um im Anschluss das Konzept der Iphigenie bei Hauptmann auch im Vergleich zu seinen Vorlagen untersuchen zu können.
Einleitung: Einführung in Hauptmanns Werk im Kontext des Zweiten Weltkriegs und Darstellung der Rezeptionsgeschichte des Atridenstoffes.
Der Tragiker und sein Weltbild: Untersuchung der dionysischen und chthonischen Aspekte in Hauptmanns Auffassung von Schicksal und menschlicher Existenz.
Das Schicksal der Atridenfamilie: Kurzer Überblick über die mythologische Vorgeschichte und die spezifische Akzentsetzung der verschiedenen Dramatiker.
Der Einfluss der Götter: Analyse der göttlichen Präsenz und des Verhältnisses zwischen Mensch und Götterwillen in der Tetralogie.
Das Konzept der Iphigenie – Agamemnontochter oder Göttin: Problemstellung zur Identitätsbestimmung der Figur zwischen Menschsein und göttlicher Priesterin.
Iphigenie in Aulis: Betrachtung des unschuldigen Kindes und des Beginns der schicksalhaften Entwicklung.
Das Konzept der Iphigenie zwischen Aulis und Delphi: Überleitung und theoretische Einordnung des Priesteramtes.
Iphigenie in Delphi: Vertiefende Analyse der Identitätskrise der Figur in ihrer späten Phase.
Der Tod der Iphigenie: Untersuchung der Motive und der Bedeutung des Freitodes der Iphigenie.
Iphigenie und der Zeitbezug: Verknüpfung der mythologischen Bearbeitung mit den politischen Gegebenheiten der Ära des Nationalsozialismus.
Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse zur komplexen Charakterisierung der Iphigenie als Bindeglied zwischen Mythos und Zeitgeschichte.
Gerhart Hauptmann, Atriden-Tetralogie, Iphigenie, griechischer Mythos, Selbstmord, Schicksal, Hekate, Götter, Aischylos, Euripides, Goethe, Zeitbezug, Nationalsozialismus, Humanität, Tragödie.
Die Arbeit untersucht Gerhart Hauptmanns "Atriden-Tetralogie" und konzentriert sich dabei spezifisch auf die Figur der Iphigenie.
Die Themen umfassen die mythologische Identitätsfindung, den Einfluss von Göttern und Schicksal sowie die Verknüpfung dieser antiken Stoffe mit den zeitgenössischen politischen Erfahrungen des Autors.
Ziel ist es, das Konzept der Iphigenie bei Hauptmann zu ergründen, insbesondere die Frage, warum sie den Selbstmord als Ausweg wählt und welche Bedeutung dies für die Tetralogie hat.
Es wird ein primär textimmanenter Zugang gewählt, der durch intertextuelle Vergleiche mit antiken und klassischen Vorlagen ergänzt wird.
Im Hauptteil wird intensiv auf Hauptmanns Weltbild, die Rolle der Götter sowie die Abweichungen von den Vorlagen von Aischylos, Euripides und Goethe eingegangen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Iphigenie, Mythos, Schicksal, Zeitbezug, Tragödie und Humanität definieren.
Die Unterscheidung ist zentral, da die Figur eine Transformation durchläuft: vom unschuldigen Kind in Aulis zur "halbgöttischen" Priesterin der Hekate in Delphi, was für das Verständnis ihres Todes entscheidend ist.
Die Autorin argumentiert, dass Hauptmann die archaische Gewalt des Mythos nutzte, um die düstere Atmosphäre und die massenhysterischen Tendenzen seiner Gegenwart, also den Zweiten Weltkrieg, zu reflektieren.
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