Magisterarbeit, 2024
86 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Zur Kontextualisierung des Phöbus
2.1 Kleist und die Publizistik
2.2 Die Publizistik um 1800
3. Der Phöbus – eine Herausforderung zum (Wett)Kampf
3.1 Zur Konzeption des glanzvollen Phöbus
3.1.1 Die Dresdner Entourage
3.1.2 Die Idee einer deutschen Zeitschrift
3.1.3 Die Konzeption einer Spitzenzeitschrift
3.2 Der „erhabene Streit“ als Leitmotiv
3.3 vom „erhabenen Streit“ zur Dichterfehde. Epigrammatik und Literaturkritik im Phöbus
3.4 Phöbus-Apoll im Kettenharnisch – Agonalität als ästhetisches Prinzip
3.4.1 Kunst zur ´Wehrertüchtigung´? – militante Rhetorik und Bildsprache im Phöbus
3.4.2 Kleists Fragmente – Manöverübungen im Phöbus
4. Reaktionen auf den Phöbus – eine gescheiterte Politik
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das von Heinrich von Kleist und Adam Müller herausgegebene Kunstjournal Phöbus vor dem Hintergrund seiner Entstehungsgeschichte und nationalen Kontextualisierung. Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, inwiefern das Periodikum als Schauplatz einer "Politik der Agonalität" fungierte und durch eine konfrontative, kämpferische Ästhetik eine Abkehr von der apolitischen Klassik-Tradition vollzog.
3.1.1 Die Dresdner Entourage
Als Kleist 1807 im Dresdner Hotel de Russie absteigt, befinden sich die deutschsprachigen Länder in einer tiefen Krise. Dem Eroberungszug des Napoleon Bonaparte, den Kleist 1806 als „Wüterich“ deklassiert, war es nun vollends gelungen, große Teile des deutschsprachigen Raumes für sich zu behaupten. „Die Zeit scheint eine neue Ordnung der Dinge herbeiführen zu wollen, und wir werden davon nichts, als bloß den Umsturz der alten erleben“, schrieb Kleist in einem Brief an Rühle von Lilienstern Ende November 1805. Dieser „Umsturz“ war jetzt - nur zwei Jahre später - im vollen Gang. 1806 fiel das Heilige Römische Reich deutscher Nationen mit der Niederlegung der Krone durch Kaiser Franz II. Preußen erlitt im selben Jahr die verheerenden Niederlagen bei Jena und Auerstedt und wurde 1807 mit dem Tilsiter Friedensvertrag großer Teile seiner Hoheitsgebiete beraubt.
Kurzum, als Kleist in Dresden ankommt, liegen die ehemaligen Glanzstätten deutscher Kultur in Schutt und Asche. Anders sieht es jedoch für die Elbstadt Dresden aus, denn die Entscheidung Sachsens, dem Rheinbund beizutreten, verhalf dem Land nicht nur zur Erhebung zum Königreich im Jahre 1806, sondern sicherte es auch gegen weitere Übergriffe der Franzosen ab. Dresden blieb weitestgehend unbesetzt von den westlichen Eroberern, sodass die Elbmetropole sich in dieser Zeit des politischen Umbruchs „zunehmender Beliebtheit als Exil für das geistige und gesellschaftliche Berlin erfreute“. Dresden hatte wahrhaftig für Kunstliebhaber viel zu bieten, unter anderem die berühmten Abgüsse aus dem Besitz Anton Raphaels Mengs oder der prächtigen Gemäldegalerie, die Raphaels Sixtinische Madonna ausstellte, ein Bild, das auch Kleist bei seinem ersten Besuch in der Kunststadt 1801 imponiert hatte: „ehrfürchtig stand er „vor dem einzigen Raphael, vor jener Mutter Gottes [...], mit dem hohen Ernste, mit der stillen Größe“.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Kleists Dresdner Schaffensphase und skizziert das Phöbus-Projekt als literarisches Unterfangen, das weit über eine reine "Börse" für die eigenen Werke hinausging und durch Agonalität geprägt war.
2. Zur Kontextualisierung des Phöbus: Das Kapitel analysiert den historischen und publizistischen Rahmen um 1800, wobei die Einflüsse anderer Zeitschriften wie Schillers Horen, der Schlegel’schen Athenaeum-Idee und Goethes Propyläen als Kontrastfolien dienen.
3. Der Phöbus – eine Herausforderung zum (Wett)Kampf: Der Hauptteil untersucht die konzeptionellen Grundlagen des Journals, die Dresdner Umgebung, die nationale Gesinnung der Herausgeber und die bewusste Entscheidung zur agonalen Positionierung im zeitgenössischen Literaturmarkt.
4. Reaktionen auf den Phöbus – eine gescheiterte Politik: Dieses Kapitel thematisiert das Scheitern des Unternehmens, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch aufgrund der scharfen Reaktionen und der Kritik seitens der Zeitgenossen wie Böttiger.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert das Phöbus als ein Kunstprojekt, das, obwohl offenkundig kunsttheoretisch motiviert, durch seine inhärente Agonalität und politische Rhetorik den Weg für Kleists spätere aggressive publizistische Aktivitäten ebnete.
Heinrich von Kleist, Adam Müller, Phöbus, Agonalität, Romantik, Dresdner Kunstzeitschrift, Publizistik, Literaturkritik, Nationalpatriotismus, Napoleonische Ära, Kunsttheorie, Epigramm, Zerwürfnis, Politische Ästhetik, Kriegsrhetorik.
Die Arbeit untersucht das Kunstjournal Phöbus von Heinrich von Kleist und Adam Müller und argumentiert, dass dieses Journal hinter seiner Fassade als Kunstblatt eine bewusste "Politik der Agonalität" verfolgte.
Im Zentrum stehen die Entstehungsgeschichte des Journals, die Konzeption einer kämpferischen Ästhetik, die Rolle des Nationalpatriotismus in Dresden und der literarische Streit mit Zeitgenossen wie Goethe.
Ziel ist es zu belegen, dass der Phöbus entgegen der Selbstdarstellung der Herausgeber kein rein apolitisches Kunstorgan war, sondern den bewussten Konflikt als ästhetisches Prinzip kultivierte.
Die Untersuchung basiert auf einer tiefgehenden Analyse der historischen Kontexte, zeitgenössischer Briefwechsel sowie der Lektüre der im Phöbus erschienenen Texte, Prologe und Epigramme im Vergleich mit zeitgenössischen Vorbildern.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Konzeptionsumfeldes, das Leitmotiv des "erhabenen Streits", die Analysen kleistscher Epigramme als Duellarena und die Rolle von Kleists "organischen Fragmenten" als künstlerische Manöverübungen.
Die zentralen Begriffe sind Agonalität, Politik der Agonalität, Kunstjournal, konfrontativer Duktus und militante Rhetorik in der Literatur der napoleonischen Ära.
Das Verhältnis wird nicht als friedliches Einvernehmen, sondern als "höherer Streit" interpretiert, bei dem beide Disziplinen ihre Eigenheiten wahren, um durch Gegensätze einen künstlerischen Mehrwert zu generieren.
Das Scheitern wird auf das prahlerische Auftreten der Herausgeber, die hohen Kosten bei mangelndem Absatz, die persönlichen Zerwürfnisse und die scharfe Ablehnung durch einflussreiche Kritiker zurückgeführt.
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