Bachelorarbeit, 2024
60 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Stand der Forschung zur Serie You
2.2. Sympathie und Empathie
2.3. Parteinahme für grenzwertige Figuren
2.3.1. Mit Dexter in Komplizenschaft
2.3.2. Jens Eders Modell der Imaginativen Nähe
3. Analyse
3.1. Allgemeine Voraussetzungen für Nähe
3.2. Off-Stimme und Subjektivität
3.3. Die Figur Joe innerhalb der Figurenkonstellation
3.4. Backstory Wound
3.5. Relativierungsmechaniken von Joes Tötungen
4. Fazit
5. Literatur- und Quellenverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Mechanismen, die in der ersten Staffel der Netflix-Serie You eingesetzt werden, um trotz moralisch problematischer Handlungen eine Nähe zwischen dem TV-Publikum und der Hauptfigur Joe Goldberg zu erzeugen. Dabei wird analysiert, ob und wie die Serie das Publikum zur Parteinahme für eine solche Figur einlädt.
3.2. Off-Stimme und Subjektivität
In der ersten Szene (S1, E1, TC: 00:18-05:07) – nach einer Sequenz kurzer establishing shots (vgl. Wulff 2022a) – setzt gleich eine sonore männliche Off-Stimme ein, die die Zuschauerinnen und Zuschauer durch alle vier bisher veröffentlichten Staffeln der Serie You begleitet. Für die häufig eingesetzte Off-Stimme gilt, was auch Wolfgang Hagen für die Funktion der Off-Stimme in der Serie Dexter herausgearbeitet hat: Sie ist die narrative Zentralachse der Serie, kommentiert das Geschehen, zeigt Zusammenhänge auf und gewährt den Zuschauerinnen und Zuschauern einen tiefen Einblick in Joes Gefühlswelt (vgl. Hagen 2011: 271; vgl. S. 14). Jens Eder fasst in seinem Modell der Imaginativen Nähe Parasozialität zwar recht eng und sieht in einer beispielhaften Figurenanalyse eine parasoziale Beziehung durch den Einsatz einer Off-Stimme nicht verstärkt (vgl. S. 18), im Fall von You kann der Off-Stimme zu diesem Zeitpunkt aber eine größere Bedeutung zugeschrieben werden. Zum einen begrüßt die Stimme „you“ nämlich gleich eingangs, was, aufgrund der Doppeldeutigkeit der englischen (und auch der deutschen) Sprache sowohl als Ansprache des love interests (vgl. Amann 2022) Beck als auch als direkte Ansprache des Zuschauers oder der Zuschauerin verstanden werden kann („Well, hello there. Who are you?“ [S1, E1, TC: 00:22-00:26]). Eine Begrüßung gilt soziokulturell gemeinhin als höflicher Akt, ist in dieser Deutlichkeit keine Selbstverständlichkeit in einer fiktionalen TV-Serie und damit in der Lage, Nähe zu steigern (appraisal). Darüber hinaus ist die Off-Stimme für die ersten Sekunden der Serie (S1, E1, TC: 00:22-01:07) der einzige verlässliche anthropomorphe Anhaltspunkt, den die Zuschauerinnen und Zuschauer haben. Auf visueller Ebene sehen wir Beck die Buchhandlung Mooneys, in der Joe arbeitet, betreten. Beck gibt zu diesem Zeitpunkt ein Rätsel auf, indem sie ihr Gesicht vor der Kamera verbirgt. Stattdessen nehmen wir Joes beobachtende Position ein und sammeln mit ihm Informationen über sie, die allesamt durch die Off-Stimme ausgesprochen werden („Your blouse is loose. You’re not here to be ogled but those bracelets, they jangle. You like a little attention” [vgl. S1, E1, TC: 00:29-00:37]).
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach den Mitteln der Näheerzeugung bei einem moralisch fragwürdigen Protagonisten in der Serie You vor und bettet diese in den aktuellen Diskurs über komplexe TV-Figuren ein.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert relevante wissenschaftliche Modelle zu Sympathie, Empathie, Komplizenschaft und setzt sich insbesondere mit Jens Eders Modell der "Imaginativen Nähe" auseinander.
3. Analyse: Die Analyse untersucht detailliert die narrativen, technischen und figurativen Mechanismen – wie die Off-Stimme, die Backstory und die soziale Figurenkonstellation –, die das Publikum an die Figur Joe binden oder von ihr distanzieren.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Serie keine eindeutige Strategie zur Näheerzeugung verfolgt, sondern mit wechselnden Techniken spielt, die von der Rezeption des aktiven Publikums abhängig sind.
You, Joe Goldberg, Imaginative Nähe, Filmwissenschaft, Off-Stimme, Subjektivität, Ambivalente Protagonisten, Serielle Narration, Zuschauerbindung, Fernsehserie, Figurenanalyse, Parasozialität, Quality-TV, Stalking, Narrative Mittel.
Die Arbeit untersucht, wie es die Serie You schafft, das Fernsehpublikum emotional an einen moralisch abgründigen Protagonisten wie den Stalker und Mörder Joe Goldberg zu binden.
Zentral sind die Dynamiken zwischen der fiktionalen Figur und den Rezipienten, die Auseinandersetzung mit "Quality-TV" sowie die moralische Ambivalenz innerhalb des Genres.
Es soll geklärt werden, welche Mechanismen in der ersten Staffel der Serie gezielt eingesetzt werden, um Nähe zwischen dem Zuschauer und der Figur Joe Goldberg zu erzeugen.
Die Autorin stützt sich auf das Modell der "Imaginativen Nähe" von Jens Eder sowie auf Ansätze zur Komplizenschaft und zentrale Thesen zur "Structure of Sympathy" von Murray Smith.
Es werden verschiedene narrative und technische Aspekte analysiert, darunter die Off-Stimme als zentrales Kommentarinstrument, die Darstellung der Backstory zur Erklärung von Joes Verhalten und die Positionierung im sozialen Gefüge der Serie.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Imaginative Nähe, Subjektivität, Komplizenschaft, parasoziale Beziehung und moralische Ambivalenz.
Joe wird als "ambivalenter Protagonist" wahrgenommen, bei dem die Serie geschickt zwischen seinem charmanten Auftreten und seinen grausamen Taten pendelt, um die Zuschauerhaltung aktiv herauszufordern.
Die Arbeit sieht darin einen massiven Bruch der bisherigen Zuschauerbindung, da die Subjektivität der Erzählung auf das Opfer verschoben wird und Beck als moralisch unschuldiges Opfer die Identifikation mit Joe an ihre Grenzen führt.
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