Bachelorarbeit, 2018
34 Seiten, Note: 5,5 (Schweiz)
1 EINLEITUNG
1.1 Wissenschaftliche Relevanz der zu behandelnden Thematik
1.2 Forschungsfragen, -stand und Zielsetzung
2 DAS PSYCHOGRAMM GRENOUILLES
2.1 Entwicklungspsychologische Defizite
2.1.1 Die biologische Mutter
2.1.2 Die Ammen
2.1.3 Psychosozialer Umgang beim Gerber Grimal
2.2 Persönlichkeitspsychologische Defizite
2.2.1 Plomb-du-Cantal-Episode
2.2.2 Aufenthalt bei Marquis de la Taillade-Espinasse
2.3 Das Bacchanal und der Tod: Beurteilung der Ideal-Selbst-Approximation
3 DAS PSYCHOGRAMM ELIAS’
3.1 Entwicklungspsychologische Defizite
3.1.1 Die biologische Familie
3.1.2 Wertekanon der Dorfgesellschaft
3.2 Persönlichkeitspsychologische Defizite
3.2.1 Die Liebe zu Elsbeth
3.2.2 Die homoerotische Beziehung zu Peter
3.3 Das Orgelfest und der Tod: Beurteilung der Ideal-Selbst-Approximation
4 ZUSAMMENFASSUNG DER ANALYSEERGEBNISSE UND DEREN GRAFISCHE DARSTELLUNG
Diese Bachelorarbeit untersucht die beiden Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille aus Patrick Süskinds "Das Parfum" und Johannes Elias Alder aus Robert Schneiders "Schlafes Bruder" unter Anwendung der humanistischen Persönlichkeitstheorie von Carl R. Rogers. Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die außergewöhnlichen Begabungen der Figuren als kompensatorische Strategien für tiefgreifende entwicklungs- und persönlichkeitspsychologische Defizite dienen, die aus ihren jeweiligen Kindheits- und Jugendumwelten resultieren.
2.1.1 Die biologische Mutter
Grenouille wird „am allerstinkendsten Ort des gesamten Königreichs“ (Pa, S. 7), auf einem Fischmarkt, geboren und erfährt unmittelbar eine sich durch seine Biografie ziehende emotionale Konstante: Ablehnung. Paradoxerweise schenkt seine Mutter, deren Nase „gegen Gerüche im höchsten Masse abgestumpft“ (Pa, S. 7) ist, einem olfaktorischen Genie das Leben. Mit einem Fischmesser nabelt sie das Neugeborene ab und will es, wie bereits vier andere Säuglinge, „verrecken lassen“ (Pa, S. 9). Die erste Handlung, die Grenouille in seinem Leben widerfährt, stellt eine Entmenschlichung des Lebens dar. Durch den fehlenden Geruchssinn der Mutter ist sie nicht dazu in der Lage, menschliche Emotionen zu empfinden, und degradiert deshalb ihre neugeborenen Säuglinge zu Objekten. Wider Erwarten fängt Grenouille unter dem Schlachttisch an zu schreien (vgl. Pa, S. 9) und wandelt so den Kindesmord in einen Muttermord um, da die junge Mutter anschliessend wegen mehrfachen Kindesmords hingerichtet wird.
Grenouille wird als Aussenseiter der Gesellschaft in das Frankreich des 18. Jahrhunderts hineingeboren und besitzt aufgrund der Syphilis seiner Mutter eine erbliche Vorbelastung, die in der Neuropsychologie als Prädiktor für psychopathologische Störungsbilder beschrieben wird. Ulrich Kittstein lehnt eine entwicklungspsychologische Betrachtungsweise des Romans ab, da Grenouille bereits ‚fertig‘ und unabhängig von frühkindlichen Defiziten als Inkarnation des Bösen auf die Welt komme. Diese Interpretation lässt aber fundierte Forschungsergebnisse der Verhaltenspsychologie ausser Acht, da sogenannte Mensch-Umwelt-Transaktionen den Einfluss externer Faktoren, v. a. während des Kindesalters, auf das Individuum betonen.
Das phänomenologische (Erfahrungs-)Feld Grenouilles registriert die negative Einstellung der Mutter und evaluiert diese als entwicklungsbehindernde Komponente, die später zu überkompensierenden Verhaltensweisen wie Narzissmus führen wird. Die biologische Mutter fungiert nicht als Behüterin der Kindheit und begünstigt so die Entwicklung eines instabilen Selbstkonzepts, die sich im Romanverlauf in psychischen Störungsbildern Grenouilles manifestiert.
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Anwendung der humanistischen Persönlichkeitstheorie auf die Romane "Das Parfum" und "Schlafes Bruder".
2 DAS PSYCHOGRAMM GRENOUILLES: Dieses Kapitel analysiert systematisch die entwicklungs- und persönlichkeitspsychologischen Defizite von Jean-Baptiste Grenouille und zeigt dessen Versuch der Identitätsfindung auf.
3 DAS PSYCHOGRAMM ELIAS’: Hier werden die Traumata und die soziale Isolation von Johannes Elias Alder im Kontext der feindseligen Dorfgesellschaft von Eschberg untersucht.
4 ZUSAMMENFASSUNG DER ANALYSEERGEBNISSE UND DEREN GRAFISCHE DARSTELLUNG: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung im Vergleich der beiden Figuren und fasst die psychologischen Erkenntnisse in einer übersichtlichen Grafik zusammen.
Humanistische Persönlichkeitstheorie, Carl R. Rogers, Überkompensation, Genialität, Das Parfum, Schlafes Bruder, Identitätsentwicklung, Sozialisation, Narzissmus, posttraumatische Belastungsstörung, Selbstkonzept, Real-Selbst, Ideal-Selbst, psychische Störungsbilder, Entmenschlichung
Die Arbeit analysiert die Charaktere Jean-Baptiste Grenouille und Johannes Elias Alder unter Gesichtspunkten der entwicklungs- und persönlichkeitspsychologischen Theorie.
Im Mittelpunkt stehen die Themen Identitätsbildung, die Auswirkung negativer Erziehungsumwelten und die psychologischen Mechanismen der Kompensation bei Genies.
Die Untersuchung soll nachweisen, dass die außergewöhnlichen Begabungen der Protagonisten als funktionale Mittel zur Überkompensation frühkindlicher psychischer Defizite dienen.
Verwendet wird das humanistische Modell der Persönlichkeit nach Carl R. Rogers, um die Diskrepanzen zwischen dem Real-Selbst und dem Ideal-Selbst der Figuren zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte psychologische Analyse der zwei Protagonisten, unterteilt in Faktoren wie familiäre Herkunft, gesellschaftliche Einflüsse und konkrete Bewältigungsstrategien.
Die Kernbegriffe umfassen Psychogramm, Überkompensation, Selbstaktualisierungstendenz, Erziehungsumwelt und die Analyse postmoderner Literatur.
Beide Charaktere erleben aufgrund ihrer Umwelt frühe Ablehnung oder Degradierung zu Objekten, was zu einem instabilen Selbstkonzept und der Unfähigkeit führt, stabile soziale Bindungen aufzubauen.
Ihre spezifischen Talente – bei Grenouille der Geruchssinn, bei Elias das auditive Vermögen – fungieren als Werkzeuge, um Anerkennung zu erzwingen, die ihnen in ihrer Kindheit verwehrt blieb.
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