Magisterarbeit, 2003
112 Seiten
1. Einleitung – Ein neues Bundesland mit alter Kultur?
1.1 Vorbemerkungen
1.2 Fragestellung, Abgrenzung und Methodik der Untersuchung
1.3 Forschungsstand zur Kulturpolitik
2. Hintergründe – Kultur und Kulturpolitik M-Vs im Wandel
2.1 Die DDR-Kulturpolitik in den drei Nordbezirken vor der Wende
2.2 Föderaler Kulturstaat anstatt sozialistischer Staatskultur nach der Wende
2.3 Die veränderte kulturelle Situation und deren Perzeption im Lande
3. Verlauf der Schweriner Landtagsdebatte 1990-2002
3.1 Die erste Legislaturperiode (1990-1994)
3.1.1 Kulturpolitische Vorstellungen der CDU-FDP-Koalition
3.1.2 Die Regierungsumbildung 1992
3.1.3 Das Verständnis von Kulturpolitik in den Oppositionsparteien
3.1.3.1 Die SPD-Fraktion
3.1.3.2 Die Fraktion LL/PDS
3.2 Die zweite Legislaturperiode (1994-1998)
3.2.1 Kulturpolitische Leitlinien der Großen Koalition
3.2.2 Die PDS-Opposition
3.2.3 Von der Kultur- zur Kulturfinanzierungsdebatte
3.3 Die dritte Legislaturperiode (1998-2002)
3.3.1 Der Stellenwert von Kunst und Kultur in der rot-roten Koalition
3.3.2 Die CDU-Fraktion in der Oppositionsrolle
3.3.3 Theater- und Orchesterstrukturen als Debattenschwerpunkt
4. Auswirkungen der kulturpolitischen Debatte
4.1 Kulturelles Selbstverständnis und Tourismus
4.2 Probleme der Kultur(entwicklungs)planung
4.3 Kulturförderung und Kulturfinanzierung
4.4 Identitätsstiftung als kulturpolitische Aufgabe
5. Zusammenfassung und Perspektiven
5.1 Zusammenfassung
5.2 Perspektiven
Die Arbeit untersucht das kulturelle Selbstverständnis des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Zeitraum von 1990 bis 2002. Ziel ist es, die kulturpolitischen Debatten im Schweriner Landtag zu analysieren und deren Auswirkungen auf die kulturelle Infrastruktur, Finanzierung und Identitätsbildung unter Berücksichtigung des Systemwandels von der DDR-Planwirtschaft zur föderalen Demokratie zu beleuchten.
1.1 Vorbemerkungen
Die Kunst und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist alt und neu zugleich. Alt erscheint sie insbesondere dann, wenn man sich die kulturhistorischen Zeugnisse dieses slawisch-germanischen Siedlungsgebietes (vgl. BRÜGGER 1997) vergegenwärtigt, die Überreste und Denkmäler des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Erinnerung ruft, die neben der urkundlichen Ersterwähnung nicht zuletzt 1995 Anlaß zur 1000-Jahrfeier des Landes gaben. Neu dagegen wirken die kulturellen und kulturpolitischen Entwicklungen in dem Bindestrich-Bundesland, das nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Land Mecklenburg und dem westlichen Teil der preußischen Provinz Pommern ohne Stettin und die Odermündung zusammengefügt wurde.
Dennoch sind Mecklenburg und Vorpommern als kulturhistorische Räume nicht in Vergessenheit geraten. Mehrere Generationen von Denkmalpflegern, Volkskundlern, Regionalhistorikern, Heimatgeschichtsforschern, Publizisten und Archäologen bemühten sich auch zu DDR-Zeiten um Pflege und Bewahrung kultureller Eigenarten und Traditionen. So sind Mentalitätsunterschiede und Befindlichkeiten zwischen den kulturell eigenständigen Landesteilen bis heute spürbar – z. B. in der politischen Kultur, den Auseinandersetzungen um die Landeshauptstadt und im Wahlverhalten (siehe dazu WERZ/SCHMIDT 1996) – , sie rückten vor allem nach der demokratischen Revolution in der DDR 1989 und der Neuerrichtung des Landes M-V 1990 ins Blickfeld der politischen Aufmerksamkeit.
Wie viele Kultur- und Reiseführer bezeugen, bietet M-V sowohl eine interessante Natur- als auch Kultur- und Geschichtslandschaft, die seit der sog. politischen Wende weitgehend touristisch erschlossen wurde. Notwendig machten diese Vermarktung der Kulturlandschaft die ökonomische Randlage in der Peripherie von Hamburg und Berlin sowie die anhaltende wirtschaftliche Strukturschwäche des Landes. Vor diesem Hintergrund bilden Kunst und Kultur, d. h. die zahlreichen Schlösser, Gutshäuser, Burgen, Kirchen, Museen und Theater und ebenso die Musiker, Künstler und Vereine zusammengenommen eine wichtige Voraussetzung touristischer und sonstiger wirtschaftlicher Unternehmungen.
1. Einleitung – Ein neues Bundesland mit alter Kultur?: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, stellt die Forschungsfrage und erläutert die methodische Herangehensweise der Untersuchung zur kulturellen Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern.
2. Hintergründe – Kultur und Kulturpolitik M-Vs im Wandel: Es wird die Ausgangssituation nach 1990 beschrieben, insbesondere der Wandel von der zentralistischen DDR-Kulturpolitik hin zur föderalen Struktur sowie die veränderte Wahrnehmung der kulturellen Situation im Land.
3. Verlauf der Schweriner Landtagsdebatte 1990-2002: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die kulturpolitischen Diskussionen, Anträge und Auseinandersetzungen in den drei Legislaturperioden des Landtags und stellt die Positionen der verschiedenen Fraktionen gegenüber.
4. Auswirkungen der kulturpolitischen Debatte: Hier werden die Ergebnisse der Debatten auf die Bereiche Kulturtourismus, Kulturentwicklungsplanung, Finanzierung und Identitätsstiftung angewendet und kritisch diskutiert.
5. Zusammenfassung und Perspektiven: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf die künftigen Herausforderungen der Kulturpolitik im Land.
Kulturpolitik, Mecklenburg-Vorpommern, Landtagsdebatte, Kulturfinanzierung, Kulturföderalismus, DDR-Kultur, Transformationsprozess, Identitätsstiftung, Kulturtourismus, Denkmalschutz, Theaterlandschaft, Kulturplanung, Soziokultur, öffentliche Förderung, Strukturwandel.
Die Arbeit analysiert das kulturpolitische Selbstverständnis von Mecklenburg-Vorpommern im Prozess der deutschen Einheit und beleuchtet, wie der Schweriner Landtag zwischen 1990 und 2002 die Transformation von sozialistischen Kulturstrukturen hin zu einem föderalen System debattierte.
Zu den Schwerpunkten gehören der Umgang mit dem kulturellen Erbe der DDR, die Neuausrichtung der Finanzierung von Kultureinrichtungen (Theater, Museen, Bibliotheken), die Rolle der Kultur für den Tourismus sowie die Bemühungen um eine regionale Identitätsbildung.
Ziel ist es, den kulturpolitischen Diskurs im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern während der ersten drei Legislaturperioden systematisch nachzuzeichnen und zu bewerten, wie politische Akteure auf den Systemwechsel und die damit verbundenen finanziellen und strukturellen Herausforderungen reagierten.
Der Autor nutzt einen historisch-deskriptiven Ansatz. Als Materialgrundlage dienen Plenarprotokolle, Drucksachen, parlamentarische Dokumente sowie ergänzende Fachliteratur und Zeitzeugengespräche.
Der Hauptteil widmet sich chronologisch den kulturpolitischen Auseinandersetzungen in den drei Legislaturperioden, unterteilt in die Zeit der Konstituierung (1990-1994), die Phase der Konsolidierung und Finanzierungsdebatte (1994-1998) sowie die Ära der rot-roten Koalition (1998-2002).
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kulturföderalismus, Transformationsmanagement, kulturpolitische Leitlinien, Substanzerhaltung, kommunale Kulturhoheit und das Spannungsfeld von Kunst und Ökonomie charakterisieren.
Die Kulturpolitik wandelte sich von einer zentralistisch gesteuerten Staatskultur mit ideologischer Vorgabe hin zu einer föderalen Struktur, in der das Land die Rahmenbedingungen setzt, während die konkrete Verantwortung stärker auf die Kommunen und private Träger verlagert wurde.
Die Theaterfinanzierung entwickelte sich zum zentralen "Dauerthema" und Debattenschwerpunkt. Die Auseinandersetzungen drehten sich insbesondere darum, wie die hohe Theaterdichte in einer strukturschwachen Region angesichts sinkender öffentlicher Mittel und steigender Kosten finanziell tragfähig erhalten werden kann.
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