Bachelorarbeit, 2010
77 Seiten, Note: 1,7
1. „Das Erhabene und das Lächerliche“
2. „O Tempora, o mores!“
2.1 Die Dekadenz der römischen Republik
2.2 Cicero, ein „Republikaner ohne Republik“
3. Ciceros philosophische Quellen
3.1 Die Stoa
3.2 Platon und Aristoteles
4. Ciceros Gerechtigkeitskonzeption
4.1 Die römische Mischverfassung als Verwirklichung der Gerechtigkeit
4.2 Das Naturrecht als Basis der Gerechtigkeit
4.2.1 Gerechtigkeit und Klugheit – eine unauflösliche Kontradiktion?
4.2.2 Antigone und das höhere Gebot
5. Der ideale Staatsmann
5.1 Das Bild des idealen Staatsmannes in „De re publica“
5.1.1 Römische Werte
5.1.2 Der vorbildliche Lenker des Gemeinwesens
5.1.3 Der ideale Staatsmann – ein Princeps?
5.1.4 Die kosmische Vision des Somnium Scipionis
5.2 Die vier stoischen Kardinaltugenden in „De officiis“
5.2.1 Sapientia
5.2.2 Iustitia
5.2.3 Magnanimitas und fortitudo
5.2.4 Temperantia
5.3 Rhetorik und Politik
6. Die limitierte Transferierbarkeit von Ciceros Ideen
6.1 Die Kontroverse um die Mischverfassung
6.2 Der gerechte Krieg und die Weltherrschaft
7. Die Rezeption von Ciceros Gerechtigkeitskonzeption
7.1 Die Rezeption und Bedeutung der Mischverfassungstheorie
7.1.1 Die Rezeption der Mischverfassungstheorie
7.1.2 Die Bedeutung der Mischverfassungstheorie für die Moderne
7.2 Die Weiterentwicklung und Bedeutung des Naturrechts
7.2.1 Die Weiterentwicklung des Naturrechts
7.2.2 Die Bedeutung des Naturrechts für die Moderne
8. Ciceros Bild des idealen Staatsmannes im Spiegel der Moderne
8.1 Möglichkeiten und Grenzen republikanischer Rezeption
8.2 Cicero und die deliberative Demokratie
8.3 Angemessene politische Rhetorik
8.3.1 Die MLPD
8.3.2 Die NPD
8.4 Cicero – ein aktueller politischer Ratgeber?
8.4.1 Monetäre Aspekte
8.4.2 Vertrauen und Verlässlichkeit
8.4.2.1 Ypsilanti und das verlorene Vertrauen
8.4.2.2 Das normative und realistische Wahlkampfdilemma
8.4.2.3 Lobbyismus als Politikberatung?
8.4.3 Das Wohl der Gemeinschaft
8.4.3.1 Berlusconi als negatives Beispiel
8.4.3.2 Ein Lob für die Kanzlerin
8.4.4 Themistokles und die Ehrenhaftigkeit
9. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht Ciceros Gerechtigkeitskonzeption und sein Idealbild des Staatsmannes, um zu eruieren, ob diese Gedanken mehr als eine historisch impraktikable Idealisierung darstellen. Dabei wird analysiert, inwiefern seine antiken Vorstellungen als Leitschnur für moralisch verantwortungsvolles Handeln in der modernen Politik dienen können.
4.2.1 Gerechtigkeit und Klugheit – eine unauflösliche Kontradiktion?
Der Begriff der Gerechtigkeit wird im Dritten Buch von „De re publica“ präzisiert, wofür Cicero wie im gesamten Buch imaginäre Dialogpartner eine Erörterung führen lässt. Die historische Wurzel für diese Darstellungsform liegt in den Reden von Karneades, der mit einer Philosophengesandtschaft 156/155 v. Chr. nach Rom kam, wo er an einem Tag für, am anderen gegen die Möglichkeit der Existenz eines gerechten Staates sprach. Seitdem stellte sich für die Römer die Frage, ob ihr Imperium gerecht sei oder nicht, sodass auch Cicero diesen Themenkomplex aufgreift. Zuerst lässt er eine Rede halten, in der die Möglichkeit gerechten staatlichen Handelns bestritten wird. Diese Darlegung konstruiert ein Bild, dem zufolge ein Konflikt zwischen Gerechtigkeit und Klugheit besteht. In zugespitzter Form wird dies am Beispiel eines Schiffbrüchigen verdeutlicht: dieser könne entweder klug, d.h. auf den Nutzen bedacht sein und einen anderen von der rettenden Planke stoßen, um sich selbst daran festzuhalten, oder er müsse als Dummer in Gerechtigkeit sterben, weil er dies nicht tue. Das politische Beispiel weist eine ähnliche Argumentationsstruktur auf: der Kluge vergrößert die Macht, die Gerechtigkeit aber „schreibt vor, alle zu schonen, […], einem jedem das Seine zu geben, Heiliges, Staatliches, Fremdes nicht anzurühren.“ In pointierter Zuspitzung heißt es dann, dass die Römer, wenn sie gerecht sein wollten, „in ihre Hütten zurückkehren müssten.“
Um die Idee der Gerechtigkeit zu verteidigen, lässt Cicero antworten: „Es ist aber das wahre Gesetz die richtige Vernunft, die mit der Natur in Einklang steht, sich in alle ergießt, in sich konsequent, ewig ist, die durch Befehle zur Pflicht ruft, durch Verbieten von Täuschung abschreckt […] alle Völker und zu aller Zeit wird ein einziges, ewiges und unveränderliches Gesetz beherrschen, und einer wird der gemeinsame Meister gleichsam und Herrscher aller sein: Gott!“
Cicero entwickelt hier die Idee des Naturrechts. Zunächst mag in Anbetracht des römischen Polytheismus die Erwähnung eines einzigen Gottes widersprüchlich erscheinen, sie lässt sich aber damit erklären, dass auch in der stoischen Philosophie von Gott die Rede ist, der dem Kosmos die vernünftige Ordnung gibt. Da jeder Mensch an der göttlichen Vernunft partizipieren kann, gilt der universelle Anspruch, dass die Tätigkeit des Einzelnen – damit ist besonders auch der ideale Staatsmann gemeint – im Konsens mit dieser über dem positiven Recht stehenden göttlichen Vernunft steht.
„Das Erhabene und das Lächerliche“: Einleitung in die Forschungsfrage und Darstellung der Relevanz antiker Staatsphilosophie für heutige politische Dilemmata.
„O Tempora, o mores!“: Historische Analyse des Verfalls der Römischen Republik und Ciceros verzweifelter Versuch, die politischen Institutionen durch moralische Erneuerung zu bewahren.
Ciceros philosophische Quellen: Kurzer Abriss der stoischen, platonischen und aristotelischen Einflüsse auf das Denken Ciceros.
Ciceros Gerechtigkeitskonzeption: Analyse der Mischverfassung als ideale Staatsform und der Rolle des Naturrechts als Fundament der Gerechtigkeit.
Der ideale Staatsmann: Detaillierte Ausarbeitung des Idealbildes, bestehend aus römischen Werten, stoischen Kardinaltugenden und einer moralisch fundierten Rhetorik.
Die limitierte Transferierbarkeit von Ciceros Ideen: Kritische Einschränkung der Anwendbarkeit einzelner ciceronischer Konzepte aufgrund ihres aristokratischen Charakters und bellizistischer Tendenzen.
Die Rezeption von Ciceros Gerechtigkeitskonzeption: Überblick über die historische Wirkmächtigkeit von Mischverfassungstheorie und Naturrecht bis in die moderne Zeit.
Ciceros Bild des idealen Staatsmannes im Spiegel der Moderne: Finale Anwendung der Erkenntnisse auf heutige politische Diskurse, Extremismus und das Verhalten demokratischer Politiker.
Fazit: Zusammenführende Evaluation der Aktualität Ciceros als moralischer Ratgeber für Politiker in der Gegenwart.
Cicero, Staatsphilosophie, Idealbild des Staatsmannes, Gerechtigkeit, Mischverfassung, Naturrecht, Stoa, Kardinaltugenden, Politische Ethik, Republikanismus, Deliberative Demokratie, Politische Rhetorik, Fides, Res publica, Politische Partizipation
Die Arbeit analysiert, ob Ciceros staatsphilosophische Konzepte – insbesondere die Gerechtigkeitskonzeption und das Idealbild des Staatsmannes – als zeitlose Orientierung für moderne Politik dienen können.
Die Untersuchung umfasst die antike römische Politik, die philosophischen Grundlagen bei Cicero, seine Mischverfassungstheorie, das Naturrecht sowie die aktuelle Anwendung seiner Tugendethik auf politische Rhetorik und moralisches Handeln.
Das Ziel ist es, zu eruieren, ob Ciceros Konzeptionen mehr sind als eine historisch impraktikable Idealisierung und inwiefern sich Aktualitätsbezüge auf moderne Politik praktizieren lassen.
Die Arbeit operiert historisch-analytisch bei der Untersuchung der römischen Geschichte und wendet auf die Analyse der ciceronischen Schriften eine hermeneutische Methode an.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen (Naturrecht, Mischverfassung) und deren Applikation auf moderne politische Phänomene, wie z.B. das Auftreten extremistischer Parteien und die Rolle von Vertrauen und Verantwortung bei demokratischen Politikern.
Zu den zentralen Begriffen zählen die stoischen Kardinaltugenden (Sapientia, Iustitia, Magnanimitas, Temperantia), der Begriff der Fides (Verlässlichkeit) sowie die Unterscheidung zwischen Gemeinwohl-orientiertem Handeln und partikularem Eigeninteresse.
Der Autor sieht im Lobbyismus eine Ambivalenz: Er kann als Politikberatung fungieren, wird aber kritisch bewertet, wenn er zur einseitigen Beeinflussung führt und der Staatsmann sein Handeln nicht mehr an objektiven Werten wie Gerechtigkeit ausrichtet.
Der Autor argumentiert, dass Berlusconis Gesetze zur Immunität seinem Eigennutz dienten und nicht dem Gemeinwohl, was Ciceros Forderung an den Staatsmann, den Nutzen des Volkes über den eigenen zu stellen, direkt widerspricht.
Die Bundeskanzlerin wird gelobt, weil ihr pragmatischer, an Sachfragen orientierter Regierungsstil in Krisenzeiten stärker auf das Gemeinwohl abzielt, als es bei parteipolitisch-subjektiven Stilen der Fall ist.
Der Autor leitet aus Ciceros Wert der Fides ab, dass Politiker in Wahlkämpfen vorsichtiger mit absoluten Versprechen sein sollten, um späteres Scheitern und den damit verbundenen Vertrauensverlust zu vermeiden.
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