Diplomarbeit, 2007
85 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Rousseaus Anthropologie als Grundlage für Lessings Mitleidsbegriff
2.1 Rousseaus Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen
2.2 Der Mensch im Naturzustand
2.3 Der Mensch im Gesellschaftszustand
2.4. Rousseaus Kritik am Theater
3 Lessings Mitleidsethik im Briefwechsel über das Trauerspiel
3.1 Die Affektlehre der Aufklärung
3.2 Bewunderung und Schrecken als Stützen des Mitleidsaffekts
3.3 Das Mitleid als zentrale Wirkung der Tragödie
4 Die aristotelische Tragödienkonzeption als Ausgangspunkt der Tragödientheorie Lessings
4.1 Die Poetik von Aristoteles
4.2 Der Tragödiensatz
4.3 Der wirkungsästhetische Ansatz bei Aristoteles
4.4 Zentrale Elemente der Tragödie
4.4.1 Der „Mythos“ der Tragödie
4.4.2 Der mittlere Held und die „Hamartia“
5 Auf den Spuren von Aristoteles: Die Mitleidsdramaturgie von Lessing
5.1 Lessings Hamburgische Dramaturgie
5.2 Die Übersetzung der Wirkungsbegriffe „Eleos“ und „Phobos“
5.3 Mitleid als Affekt und die zentrale Bedeutung der Furcht
5.4 Konstruktionsmerkmale der Tragödie nach Lessing
5.4.1 Der gemischte Charakter des Helden und sein Fehler
5.4.2 Die tragische Handlung
5.4.3 Die kathartische Reinigung
6 Die Umsetzung von Mitleidsdramaturgie am Beispiel der Figur Emilia Galotti
6.1 Emilia Galotti – eine mittlere Heldin?
6.2 Emilias Schuld – die Suche nach Emilias Fehler
6.3 Emilias Tod
7 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht Lessings Mitleidsdramaturgie und deren Anwendung in seinem bürgerlichen Trauerspiel Emilia Galotti. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, welche Eigenschaft und Wirkung Lessing dem Mitleidsaffekt zuschreibt, wie eine Tragödie zur Mitleidserregung beschaffen sein muss und inwieweit die Figur Emilia als "mittlere Heldin" diese dramaturgischen Kriterien erfüllt, um eine sittliche Besserung des Zuschauers zu bewirken.
Die Affektlehre der Aufklärung
Im Briefwechsel stimmt Lessing grundsätzlich mit seinen Kollegen Mendelssohn und Nicolai darin überein, dass die Tragödie Leidenschaften erregt. Diese Übereinstimmung hinsichtlich einer hohen Wertschätzung des Affekts, so Alt, ist auf die in den fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts, auf der Grundlage der sensualistischen Ethik, sich stets verbreiternde positive Beurteilung der sinnlichen Empfindung zurückzuführen. In Abkehr zum Beispiel von Johann Christoph Gottsched werden im Sensualismus der Aufklärung die Affekte nicht mehr als eine Bedrohung der Vernunft betrachtet. Die rationale Kontrolle der Sittlichkeit steht hier nicht mehr im Vordergrund, vielmehr soll eine neue Sinnlichkeit als Quelle der Moral eingeübt werden. Die Grundidee hierbei ist, dass der tugendhafte Mensch nicht ausschließlich von der Vernunft geleitet wird, sondern dass er über eine natürliche sittliche Anlage verfügt, die in erster Linie mit dem Gefühl verknüpft ist und so auf die Handlungen des Menschen wesentlich Einfluss nimmt.
1 Einleitung: Darstellung der Problemstellung und Einführung in die Fragestellung zur sittlichen Wirkung der Tragödie bei Lessing.
2 Rousseaus Anthropologie als Grundlage für Lessings Mitleidsbegriff: Untersuchung des Natur- und Gesellschaftszustands bei Rousseau und deren Einfluss auf den Mitleidstrieb des Menschen.
3 Lessings Mitleidsethik im Briefwechsel über das Trauerspiel: Analyse der Debatte zwischen Lessing, Mendelssohn und Nicolai über die Rolle des Mitleids als zentralen Affekt der Tragödie.
4 Die aristotelische Tragödienkonzeption als Ausgangspunkt der Tragödientheorie Lessings: Erläuterung der aristotelischen Poetik, insbesondere des Begriffs der Mimesis und der tragischen Handlungselemente.
5 Auf den Spuren von Aristoteles: Die Mitleidsdramaturgie von Lessing: Detaillierte Betrachtung von Lessings Dramaturgie und dessen Umdeutung der aristotelischen Konzepte.
6 Die Umsetzung von Mitleidsdramaturgie am Beispiel der Figur Emilia Galotti: Untersuchung der Umsetzung der dramaturgischen Kriterien am Beispiel der Titelheldin, ihrer Charakterisierung und ihres Endes.
7 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit der Mitleidsdramaturgie und der Erziehung des Zuschauers.
Lessing, Mitleid, Emilia Galotti, Tragödientheorie, Aristoteles, Rousseau, Mitleidsdramaturgie, Katharsis, Hamartia, mittlerer Held, Furcht, sittliche Besserung, Affekt, Aufklärung, Dramaturgie.
Die Arbeit analysiert Lessings theoretisches Konzept der Mitleidsdramaturgie und überprüft dessen praktische Anwendung in seinem Werk Emilia Galotti.
Im Fokus stehen die philosophischen Grundlagen bei Rousseau, die aristotelische Poetik als antikes Vorbild sowie deren kritische Neudeutung durch Gotthold Ephraim Lessing.
Es soll geklärt werden, warum Lessing das Mitleid als zentralen tragischen Affekt wählt und wie dieses zur sittlichen Besserung des Publikums beitragen soll.
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Textanalyse und interpretative Auseinandersetzung mit Lessings theoretischen Schriften (insb. Hamburgische Dramaturgie) sowie fachwissenschaftlicher Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Mitleidsdramaturgie (Rousseau/Aristoteles) und die praktische Analyse des Dramas Emilia Galotti hinsichtlich der Figur Emilia.
Wesentliche Begriffe sind Mitleid, Furcht, Hamartia, Katharsis, mittlerer Held, Identifikation und sittliche Läuterung.
Emilia fungiert als Testfall für Lessings Theorie; es wird untersucht, ob sie als "mittlere Heldin" tatsächlich Mitleid und Furcht beim Zuschauer erregt.
Der Tod dient als Konsequenz ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit und ihres übersteigerten Moralbegriffs, der ihre Tugendhaftigkeit nur im Tod bewahren kann.
Die Arbeit stellt fest, dass Lessings Trauerspiel theoretisch zwar stimmig konstruiert ist, jedoch in der zeitgenössischen Rezeption den beabsichtigten affektiven Effekt beim Publikum oft verfehlte.
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