Doktorarbeit / Dissertation, 2009
308 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
I. Das Woher: Hintergründe
2. Historischer Hintergrund
3. Gemeinschaftserfahrung im Leben Romano Guardinis
3.1. Die Familie
3.2. Freundschaft
3.3. Kirche und Presbyterium
3.4. Die Benediktiner und die Liturgie
3.5. In der Jugendbewegung
3.6. Universität und Seminar
3.7. In Gemeinde und Seelsorge
Resümee
II. Das Worin: Realisationen
4. Vom Geist der Liturgie
4.1. Gemeinschaft der Kirche in der Liturgie
4.2. Gemeinschaft – keine Summe von Individuen
4.3. Gemeinschaft als Lex orandi, Lex credendi, Lex vivendi
4.4. Gemeinschaft in „Dramatik“ und Dialog
4.5. Gemeinschaft lebt aus Natur und Kultur
4.6. Gemeinschaft verlangt Opfer und Leistung
4.7. Gemeinschaft und ihr Stil
4.8. Gemeinschaft im Symbol
4.9. Gemeinschaft – ein wahres Spiel
4.10. Gemeinschaft muß die „Machtfrage“ klären
4.11. Gemeinschaft als die Gegenwart des Logos
5. Kirche – Gemeinschaft par excellence
5.1. Kirche – Gemeinschaft nach dem Vorbild der Trinität
5.2. „Christus in der Kirche ist die Wahrheit“
5.3. Die Person – ein Gottesgedanke in Freiheit
5.4. Vielfältige Gemeinschaft in der einen Kirche
5.5. „Kirche zwischen Identität und Differenz“
6. Vom Sinn der Gemeinschaft
6.1. In Richtung auf Gemeinschaft hin
6.1.1. Gemeinschaft ist frei gewählt, von Freundschaft getragen
6.1.2. Gemeinschaft ist ein Bund, vom gemeinsamen Ziel getragen
6.1.3. Gemeinschaft verlangt Treue zur selbst gewählten Ordnung
6.1.4. Gemeinschaft erweist sich an Haltungen der Einzelnen in ihr
6.1.5. Gemeinschaft erweist sich an Haltungen gegenüber dem Anderen
6.2. In Gegenrichtung auf Einsamkeit hin
6.3. Krisen im Leben von Gemeinschaft
6.3.1. Gemeinschaft im Sich-Verstehen
6.3.2. Gemeinschaft ist Anerkennen des Anderen
6.4. Das Ganze des menschlichen Daseins gewinnen
Resümee
III. Das Wodurch: Gesetzmäßigkeiten
7. Gegensatz
7.1. Einordnung
7.2. Der Gegensatz
7.3. Das System
7.4. „Gemeinschaftsknüpfungen“
7.5. Individuum und Gemeinschaft als Gegensatzbeziehung
7.6. Akt und Bau in einer Freundschaft
7.7. Fülle und Form in der Ehe
7.8. Einzelheit und Ganzheit in der Familie/Verwandtschaft
7.9. Produktion und Disposition im Arbeitsteam
7.10. Ursprünglichkeit und Regel in einer Glaubensgemeinschaft
7.11. Immanenz und Transzendenz in einer Gesellschaft/einem Staat
7.12. Ähnlichkeit und Besonderung in einem Staatenverbund/Europa
7.13. Zusammenhang und Gliederung in der Weltgemeinschaft
7.14. Die Kreuzung in der schulischen Erziehung
7.15. Gegensatzreihen und die Nachbarschaft
7.16. Maß im Eltern-Kind-Verhältnis
7.17. Der Rhythmus im Mannschaftsspiel
7.18. Die Offenheit des Systems
7.19. Verbindung von Individualsystemen, Gruppengefügen und höheren Einheiten
7.20. Zur Struktur der höheren Einheiten
7.21. Das Leben als Träger des Gegensatzsystems
Resümee
IV. Das Woraus: Quellen
8. Hingabe in Liebe und Treue
8.1. Das Reich des mitlaufenden Anfangs
8.2. Freiheit ist Selbstgehörigkeit
8.2.1. Individuum – Staat
8.2.2. „Wille zur Freiheit“
8.2.3. „Sittliche Freiheit“
8.2.4. Freiheit und das Heilige
8.3. Liebe ist die Gesinnung Gottes
8.3.1. Die christliche Liebe ist geoffenbart und hat ihr Maß in Jesus Christus
8.3.2. Demut und Liebe in der Politik – die notwendige Gesinnung
8.4. Sakramente wandeln das Sein
8.4.1. Jesus Christus und seine Kirche
8.4.2. Die Einzelsakramente und ihr Beitrag zur Gemeinschaft
8.4.3. Taufe – Gemeinschaft wird grundgelegt
8.4.4. Firmung – Gemeinschaft wird in Angriff genommen
8.4.5. Eucharistie – Gemeinschaft mit Christus und untereinander
8.4.6. Ehe – Gemeinschaft mit dem Herrn in ihrer Mitte
8.4.7. Priesterweihe – Gemeinschaft von Brüdern in der Hierarchie
8.4.8. Bußsakrament – Bekehrung und Neuanfang
8.4.9. Krankensalbung – Gemeinschaft gestärkt aus Leiden
8.5. Tugenden – Gestalten, wie der Mensch im Guten steht
8.5.1. Wahrhaftigkeit als Treue zur Wahrheit
8.5.2. Annahme in Geduld und absichtslose Treue
8.5.3. Askese und Verstehen
8.5.4. „Gerechtigkeit des Seins“
8.5.5. Sammlung und Schweigen
8.6. Gott selbst ist Quelle von Gemeinschaft
8.7. Gebet geht an Ihn, „an den Dreieinigen“
8.8. Gemeinschaft im Spiegel einer Freundschaft
9. Person und Gemeinschaft
9.1. Guardini und Gemeinschaftsvorstellungen seiner Zeit
9.2. Guardinis trinitarische Gemeinschaftsvorstellung
9.2.1. Ungetrennt und Unvermischt – zum Personbegriff Guardinis
9.2.2. Perichoresis
9.3. Gemeinschaft und ihre Grenzen
9.3.1. Gemeinschaft ist alles
9.3.2. Der Einzelne ist alles
V. Das Wozu: Perspektiven
10. Die Fokolarbewegung im Vergleich
10.1. Über Romano Guardini hinaus?!
10.2. Biographischer Bezug
10.3. Die Spiritualität Ch. Lubichs – ein Vergleich mit R. Guardini
10.3.1. Das Wortgeschehen
10.3.2. Mittlerschaft und Jesus in der Mitte
10.3.3. Hingabe als Quelle für Gemeinschaft, Jesus der Verlassene
10.3.4. Zukunftsmodell Gemeinschaft
10.3.5. Gemeinschaft – offen für alle
10.3.6. Gemeinschaft – immer und als erster bauen
10.3.7. Gemeinschaft – „allen alles werden“
10.3.8. Gemeinschaft – „sich gegenseitig lieben“
10.4. Perspektiven und Früchte gelebter Gemeinschaft
10.4.1. In Gott ist alles gemeinsam – die Gütergemeinschaft
10.4.2. Gottes Wesen spricht sich aus – das Apostolat
10.4.3. Gebet – Einheit mit Gott
10.4.4. Im dreifaltigen Gott ist der „mystische Leib“ gesund
10.4.5. In Gott sind Harmonie und Schönheit
10.4.6. Der dreifaltige Gott ist Sitz der Weisheit
10.4.7. Eine offene Trinität und Maria
11. Leitlinien gemeinschaftlichen Lebens
VI. Textanhang
12. Ausgewählte Texte
12.1. Bedeutung des Dogmas vom dreieinigen Gott (R. Guardini)
12.2. Ein Exkurs: Person (R. Guardini)
12.3. Auf alle Blumen schauen (Ch. Lubich)
Das primäre Ziel dieser Dissertation ist es, das trinitarische Gemeinschaftsmodell von Romano Guardini systematisch zu erschließen, als zeitloses Ideal aufzubereiten und in einen fruchtbaren Vergleich zur zeitgenössischen Spiritualität der Fokolarbewegung zu setzen, um Impulse für ein gelingendes christliches Gemeinschaftsleben in der modernen Gesellschaft zu gewinnen.
3.1. Die Familie
Als alter Mann berichtet Romano Guardini von einem Traum, dem er das Folgende entnahm:
Wenn der Mensch geboren wird, wird ihm ein Wort mitgegeben, ... nicht nur eine Veranlagung, sondern ein Wort. Das wird hineingesprochen in sein Wesen, und es ist wie das Paßwort zu allem, was dann geschieht. Es ist Kraft und Schwäche zugleich. Es ist Auftrag und Verheißung. Es ist Schutz und Gefährdung. Alles, was dann im Gang der Jahre geschieht, ist Auswirkung dieses Wortes, ist Erläuterung und Erfüllung. Und es kommt alles darauf an, daß der, dem es zugesprochen wird, – jeder Mensch, denn jedem wird eins zugesprochen – es versteht und mit ihm ins Einvernehmen kommt. Und vielleicht wird dieses Wort die Unterlage sein zu dem, was der Richter einmal zu ihm sprechen wird.1
Welches Wort ihm zugesprochen wurde, verrät uns Guardini nicht.2 Vielleicht sucht er selbst noch danach, und doch scheint es schon in seiner Kindheit aufzuleuchten: „Über Verona führt die alte Straße vom Norden nach Italien herein, und Straßen sind Bahnen des Lebens, auf denen man hergehen kann, aber auch hin.“3 Guardini sieht in der Tatsache seiner Geburt in Verona, dem altdeutschen (Wälsch-)Bern, aus dem der Sagenheld Dietrich stammte, sowie in seinem Familiennamen, der auf das deutsche Wort „Wardein“= Wächter, Hüter4) gewisse Vorzeichen5 für sein Leben. So, wie offensichtlich deutsche Vorfahren seiner Familie nach Italien gekommen waren, kam er nun 1886 – gerade ein Jahr alt – nach Deutschland zurück, und zwar nach Mainz, wo der Vater als Kaufmann und später politischer Vertreter Italiens tätig war.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach einem tragfähigen, trinitarisch fundierten Gemeinschaftsmodell und führt in die zwei Hauptprotagonisten ein: Romano Guardini und die Fokolarbewegung.
2. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet das soziologische Klima des frühen 20. Jahrhunderts und das Bedürfnis nach einer neuen Gemeinschaftsordnung nach den Krisen des Ersten Weltkriegs.
3. Gemeinschaftserfahrung im Leben Romano Guardinis: Eine biographische Analyse, die aufzeigt, wie familiäre Erfahrungen, Freundschaften und die Liturgie Guardinis Denken über Gemeinschaft geformt haben.
4. Vom Geist der Liturgie: Hier wird die Liturgie als Modell gemeinschaftlichen Handelns gedeutet, das nicht vom Individuum, sondern vom Ganzen der Kirche getragen wird.
5. Kirche – Gemeinschaft par excellence: Dieses Kapitel definiert die Kirche als das Urbild und die soziale Realität gelebter trinitarischer Gemeinschaft.
6. Vom Sinn der Gemeinschaft: Eine Reflexion über die Möglichkeiten und notwendigen Krisen im Leben von Gemeinschaft, insbesondere im Spannungsfeld zwischen Zugehörigkeit und der Autonomie des Einzelnen.
7. Gegensatz: Einführung in Guardinis zentrale „Gegensatzlehre“, die als methodisches Instrument dient, um die Dynamik und Struktur des lebendig-konkreten Zusammenlebens zu beschreiben.
8. Hingabe in Liebe und Treue: Dieses Kapitel identifiziert die persönlichen Haltungen – insbesondere Hingabe, Treue, Demut und Askese – als die eigentlichen Quellen, aus denen Gemeinschaft ihre Lebenskraft bezieht.
9. Person und Gemeinschaft: Zusammenführung der Ergebnisse, wobei betont wird, dass Gemeinschaft zwar ontologisch notwendig, aber gegenüber der Würde der Person nachgeordnet ist.
10. Die Fokolarbewegung im Vergleich: Ein detaillierter Vergleich der Spiritualität der Fokolarbewegung mit Guardinis Theologie, wobei Gemeinsamkeiten wie das trinitarische Vorbild und die „Einheit“ hervorgehoben werden.
11. Leitlinien gemeinschaftlichen Lebens: Zusammenfassende Thesen, die als Orientierungshilfe für ein gemeinschaftliches Leben im Sinne Guardinis und der christlichen Offenbarung dienen.
12. Ausgewählte Texte: Anhang mit zentralen, ungekürzten Originaltexten Guardinis, die als theoretische Grundlage für die vorangegangenen Analysen dienen.
Romano Guardini, Gemeinschaft, Kirche, Liturgie, Trinität, Fokolarbewegung, Chiara Lubich, Gegensatzlehre, Personsein, Hingabe, Liebe, Treue, Solidarität, christliche Existenz, Menschwerdung.
Die Arbeit untersucht das Gemeinschaftsverständnis des Theologen und Philosophen Romano Guardini. Sie setzt dieses in Bezug zu seiner Biographie, seinen zentralen Schriften und vergleicht es abschließend mit der modernen Spiritualität der Fokolarbewegung.
Die Schwerpunkte liegen auf der „Gegensatzlehre“ Guardinis, der trinitarischen Fundierung von Gemeinschaft, der Bedeutung der Liturgie für das christliche Miteinander sowie der Frage, wie das Verhältnis von Einzelperson und Gemeinschaft ethisch gestaltet werden kann.
Das Ziel ist es, ein tragfähiges, trinitarisch orientiertes Gemeinschaftsmodell zu identifizieren, das den Einzelnen in seiner Würde schützt und gleichzeitig eine tiefe, auf Hingabe und Liebe basierende Einheit mit anderen ermöglicht.
Die Arbeit folgt einem phänomenologischen Ansatz. Sie analysiert das „Lebendig-Konkrete“ unter Anwendung von Guardinis Methode der Gegensatzbeziehung, um soziologische und theologische Phänomene in ihrer Spannung und Einheit zu begreifen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Hintergründe (Teil I), die Realisation in der Liturgie und Kirche (Teil II), die philosophischen Gesetzmäßigkeiten mittels der Gegensatzlehre (Teil III) sowie die Quellen der Kraft für Gemeinschaft (Teil IV).
Wichtige Begriffe sind „Gegensatz“, „Hingabe“, „Trinität“, „Person“, „Liturgie“ sowie das „Spurbild“ der Dreifaltigkeit in der menschlichen Gemeinschaft.
Sie dient als modernes Beispiel für eine gelebte Spiritualität, die viele der von Guardini theoretisch postulierten Ideale – wie die „Einheit“ und die „Gegenwart Jesu in der Mitte“ – in einer Massenbewegung praktisch umgesetzt hat.
Guardini betont, dass die Person stets ihre Eigenständigkeit und ihren Kern bewahren muss. Gemeinschaft darf den Einzelnen nicht „aufsaugen“, sondern muss ein Zusammenspiel von freien Personen sein, die sich in Liebe einander hingeben.
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