Bachelorarbeit, 2022
50 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Paradigma der Selbstbestimmung in der Hilfe für Menschen mit (einer schweren geistigen) Behinderung
2.1 Begründung von Hilfe und Konsensbegriff Menschenwürde
2.2 Inhaltliche Begründung der Menschenwürde in der Personalität
2.2.1 Würde und Personalität in der Philosophie
2.2.2 Würde und Personalität in der Theologie
2.3 Ethische Orientierungen in der Behindertenhilfe
2.4 Spezifische Handlungsorientierungen in der Hilfe für Menschen mit einer schweren geistigen Behinderung
2.5 Kritische Diskussion des Paradigmas der Selbstbestimmung
2.5.1 Strategien zur Universalisierung von Menschenwürde
2.5.2 Warum die Grenzen des Paradigmas der Selbstbestimmung bestehen bleiben
3 Hans Reinders’ inklusive theologische Anthropologie und Ethik
3.1 Gottebenbildlichkeit als extrinsische Relationalität
3.2 Personalität als ekstatisches Sein im Abendmahl
3.3 Ethik der wahren Freundschaft
3.3.1 Freundschaft als ultimatives Gut
3.3.2 Empfangen als höchstes Prinzip
3.3.3 Die Mission von Menschen mit einer schweren geistigen Behinderung
3.4 Kritik
3.4.1 Probleme eines ontologischen Personbegriffes
3.4.2 Beschränkung auf den christlichen Kontext
3.4.3 Gegenstimme zum Paradigma der Selbstbestimmung
3.4.4 Vereinbarkeit mit evangelischen Grundgedanken
4 Receiving the Gift of Friendship – Mögliche Impulse für die diakonische Hilfe für Menschen mit einer schweren geistigen Behinderung
4.1 Neu gewichtete Deutung der Professionsziele von Sozialer Arbeit in der Perspektive von Freundschaft als höchstem Gut
4.2 Unmöglichkeit der Deckung von wahrer Freundschaft und professioneller Dienstleistung
4.3 Neue Gewichtung der Deutungen von Teilhabe, Inklusion und Gerechtigkeit in der Perspektive von Freundschaft als höchstem Gut
4.3.1 Positive Folgerungen von Teilhabe und Inklusion
4.3.2 Soziale Anerkennung und kulturelle Gleichwertigkeit als Teile von Gerechtigkeit
4.4 Vermehrte Möglichkeiten für den Empfang von wahrer Freundschaft durch Community Care
4.5 Vermehrte Möglichkeiten für den Empfang von wahrer Freundschaft in Jürgen Moltmanns Diakonentum aller Gläubigen
5 Fazit
Die Arbeit untersucht die Grenzen des in der modernen Behindertenhilfe vorherrschenden "Paradigmas der Selbstbestimmung" für Menschen mit einer schweren geistigen Behinderung. Ziel ist es, durch die Einbeziehung theologischer Anthropologien – insbesondere der Ethik der "wahren Freundschaft" von Hans Reinders – neue Impulse für eine inklusivere diakonische Hilfe zu gewinnen, die den Fokus von rein leistungsorientierten Modellen hin zum gegenseitigen Empfangen und zum relationalen Personsein verschiebt.
3.3.2 Empfangen als höchstes Prinzip
Wenn aber Empfangen das höchste Prinzip ist, dann steht dies in einem fundamentalen Gegensatz dazu, mit einem M.m.s.g.B. aus moralischen oder frommen Motiven eine Beziehung einzugehen. Eine solche Hinwendung aus Verpflichtung oder Mitleid setzt die Annahme voraus, dass man selbst diejenige Partei in der Beziehung ist, die etwas zu geben hat, also in gewisser Weise überlegen ist. Dieser versteckte Überlegenheitsanspruch und die oft unbewusste Absicht, die eigene Tugendhaftigkeit durch die Hingabe an einen Menschen mit Behinderung zu steigern, läuft dem Prinzip des Empfangens fundamental entgegen und behindert daher gemäß Reinders wahre Freundschaft: „[…] [I]t is precisely the endeavor to be good to people with disabilities and become their friends that gets in the way of achieving that goal.“ (311) Die einzige Motivation für wahre Freundschaft kann also nur sein, die Gegenwart einer Person als Geschenk zu empfangen.
Wenn eine Beziehung mit einer Person (mit schwerer geistiger Behinderung) aus einem anderen Grund gesucht wird, ist der Weg der Freundschaft bereits versperrt. Im Kern geht es nicht darum, etwas für die Person zu tun, sondern mit der Person einfach da zu sein: „Friendship is its own reward.“ (349)
1 Einleitung: Die Arbeit hinterfragt, inwiefern das herrschende Paradigma der Selbstbestimmung die Teilhabe von Menschen mit schweren geistigen Behinderungen limitiert und führt in das Potenzial einer theologisch inklusiven Anthropologie ein.
2 Paradigma der Selbstbestimmung in der Hilfe für Menschen mit (einer schweren geistigen) Behinderung: Dieses Kapitel erläutert die anthropologischen und ethischen Grundlagen des Selbstbestimmungsmodells und diskutiert kritisch dessen Diskriminierungspotenzial für Menschen, die nicht dem Ideal eines autonomen Subjekts entsprechen.
3 Hans Reinders’ inklusive theologische Anthropologie und Ethik: Die Arbeit entfaltet Reinders' Ansatz, der Personalität nicht in intrinsischen Fähigkeiten, sondern in der extrinsischen Beziehung zu Gott verankert, und definiert Freundschaft sowie das Empfangen als zentrale ethische Säulen.
4 Receiving the Gift of Friendship – Mögliche Impulse für die diakonische Hilfe für Menschen mit einer schweren geistigen Behinderung: Hier wird der Transfer der theoretischen Überlegungen in die diakonische Praxis diskutiert, wobei Konzepte wie Community Care und Moltmanns Diakonentum zur Förderung unprofessioneller, authentischer Beziehungen herangezogen werden.
5 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass das Paradigma der Selbstbestimmung durch eine Perspektive bereichert werden muss, die das "Empfangen der Freundschaft" als gleichberechtigtes Ziel integriert, ohne jedoch erreichte rechtliche Standards der Behindertenhilfe aufzugeben.
Selbstbestimmung, Menschenwürde, theologische Anthropologie, Hans Reinders, schwere geistige Behinderung, Diakonie, wahre Freundschaft, Inklusion, Community Care, Teilhabe, Empfangen, Gerechtigkeit, Personenbegriff, Sozialarbeit, Jürgen Moltmann.
Die Arbeit untersucht, warum das in der Behindertenhilfe dominierende Paradigma der Selbstbestimmung die Lebenswelt von Menschen mit schweren geistigen Behinderungen oft ausgrenzt und wie eine inklusive theologische Anthropologie hier korrigierend wirken kann.
Es handelt sich um eine systematisch-theologische und ethische Analyse, die Fachliteratur der Behindertenpädagogik und Sozialarbeit mit theologischen Entwürfen (insbesondere von Hans Reinders) verknüpft.
Das Paradigma knüpft den Wert eines Menschen und sein Recht auf Teilhabe oft an kognitive Fähigkeiten und Autonomie. Da Menschen mit schweren Behinderungen diese Anforderungen meist nicht erfüllen können, droht ihre Exklusion oder ihre Abwertung als "nicht-selbstbestimmte" Menschen.
Reinders löst den Personenbegriff von intrinsischen Fähigkeiten und verankert ihn in der bedingungslosen Beziehung Gottes zum Menschen. Dadurch wird jeder Mensch als Person geschätzt, unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit.
Es ist die ethische Grundhaltung, die Gegenwart eines anderen Menschen als Geschenk der Freundschaft anzunehmen, statt die Beziehung mit einem helfenden oder wohlwollenden Überlegenheitsanspruch zu führen.
Die Autorin hebt Community-Care-Ansätze und Jürgen Moltmanns Konzept des "Diakonentums aller Gläubigen" hervor, um Orte zu schaffen, an denen Menschen mit und ohne Behinderung sich auf Augenhöhe begegnen können, abseits professioneller Dienstleistungsverhältnisse.
Es besteht das Risiko, dass durch die Herabstufung der Selbstbestimmung gegenüber der Freundschaft die Errungenschaften behindertenpolitischer Rechte in Bezug auf Empowerment und Selbstbestimmung untergraben und paternalistische Strukturen wieder gestärkt werden könnten.
Nein, die Autorin macht deutlich, dass professionelle Dienstleistungen an rechtliche und distanzwahrende Vorgaben gebunden sind. Sie plädiert daher für eine Ergänzung durch bürgerschaftliches Engagement, das diesen normativen Rahmen sprengt.
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