Masterarbeit, 2010
98 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG: VOM MENSCHEN IM ZEITALTER SEINER TECHNISCHEN REPRODUZIERBARKEIT
2. REGELN FÜR DEN MENSCHENPARK: ANTHROPOTECHNISCHE DÄMMERUNG
2.1 VOM PÄDAGOGISCHEN HUMANISMUS
2.2 BIOMACHT
2.3 DAS MENSCHENTREIBHAUS
2.4 VON DER FALSCHEN HARMLOSIGKEIT
2.5 ANTHROPOTECHNIK
2.6 DER OPERABLE MENSCH
2.7 TECHNOLOGIEN DES SELBST
2.8 DAS SKANDALON
2.9 DIE GRENZEN DES PÄDAGOGISCHEN DISKURSES
3. DU MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN: VOM PLANET DER ÜBENDEN
3.1 HOMO IMMUNOLOGICUS
3.2 EIN LEBEN UNTER VERTIKALSPANNUNG
3.3 DIE ETHISCHE UNTERSCHEIDUNG
3.4 DIE FRAGE DES SUBJEKTS
3.5 DER MENSCH ALS MASCHINE
3.6 DER NEUE MENSCH
3.7 REHABILITATION DES ÜBUNGSBEGRIFFS
4. AUSBLICK: VON DER KUNST, ES NICHT GEWESEN ZU SEIN
Die Arbeit untersucht den theoretischen Hintergrund von Peter Sloterdijks Konzept der Anthropotechnik und setzt dieses in Bezug zur Pädagogik. Sie analysiert die Kritik am Humanismus, die Rolle der Biomacht sowie die Bedeutung des Übens für die menschliche Selbstformung, um zu klären, inwiefern der „Ko-Immunismus“ als neues globales Ökomanagement pädagogische Potenziale bietet.
2.3 Das Menschentreibhaus
Indem Sloterdijk vom Ende des Humanismus spricht, stellt er jenes Menschenbild in Frage, welches sich einer Humanisierung des Menschen durch Literatur und Bildung verschrieben hatte. Sozusagen als ‚Kronzeugen’ für seine These führt er dabei Martin Heidegger ins Feld, der mit seinem ursprünglich an den französischen Philosophen Jean Beaufret adressierten ‚Brief über den Humanismus’ (1946) einen „transhumanistischen oder post-humanistischen Denkraum“ (Sloterdijk 2001a: 312; Hervorh. R. K.) betreten wollte. Sloterdijk führt aus, Heidegger habe den Begriff des Humanismus aufgeben wollen, um auf diese Weise der letzten Radikalität im Hinblick auf die Frage nach dem Wesen des Menschen nicht auszuweichen: „Wozu erneut den Menschen und seine maßgebliche philosophische Selbstdarstellung im Humanismus als die Lösung anpreisen, wenn sich gerade in der Katastrophe der Gegenwart gezeigt hat, dass der Mensch selbst mitsamt seinen Systemen metaphysischer Selbstüberhöhung und Selbsterklärung das Problem ist?“ (ebd.: 313)
Heidegger, der unter dem Eindruck der von Menschen geplanten und an Menschen industriell exekutierten Massenvernichtung stand, attackiert in seinem Brief den Humanismus als den rechtmäßigen Anteilhaber an dieser millionenfachen Ermordung. Weil der Humanismus eine industriell selektionierende und vergasende Technik hervorbringen konnte, gilt dieser Heidegger als Verrat am Menschen, welchen wiederum der Humanismus selbst herangezüchtet hat (vgl. Mainberger 2001). Während Heidegger zu Beginn der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland noch selbst Teil des ‚zeitweiligen Bündnisses zwischen Mob und Elite’ (Hannah Arendt) war, so bewertet er den Faschismus nunmehr als eine Synthese aus dem Humanismus und dem Bestialismus, eine „paradoxe Koinzidenz von Hemmung und Enthemmung“ (ebd.: 319).
1. EINLEITUNG: VOM MENSCHEN IM ZEITALTER SEINER TECHNISCHEN REPRODUZIERBARKEIT: Die Einleitung kontextualisiert den technologischen Wandel und die Frage nach dem Menschenbild in der Ära des Posthumanismus.
2. REGELN FÜR DEN MENSCHENPARK: ANTHROPOTECHNISCHE DÄMMERUNG: Dieses Kapitel diskutiert das Scheitern des klassischen Humanismus, Foucaults Konzept der Biomacht und führt den Begriff der Anthropotechnik ein.
3. DU MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN: VOM PLANET DER ÜBENDEN: Hier wird der Fokus auf eine „Allgemeine Immunologie“ und das Konzept der „Übung“ als zentrales Element der menschlichen Existenz gelegt.
4. AUSBLICK: VON DER KUNST, ES NICHT GEWESEN ZU SEIN: Der Ausblick analysiert die maladaptive Krise der Gegenwart und die Notwendigkeit, durch Ko-Immunität ein neues Überlebensmodell zu entwickeln.
Anthropotechnik, Humanismus, Biomacht, Übung, Posthumanismus, Ko-Immunität, Pädagogik, Selbstanwendung, Selbstformung, Moderne, Übermensch, Disziplin, Domestikation, Existenz, Technik
Die Arbeit analysiert das von Peter Sloterdijk geprägte Konzept der Anthropotechnik und untersucht deren Auswirkungen auf erziehungswissenschaftliche Fragestellungen und das Verständnis des Menschen.
Zu den Kernbereichen zählen die Kritik am traditionellen Humanismus, die Rolle von Machtmechanismen (Biomacht), das Verhältnis zwischen Technik und Mensch sowie die Rehabilitation des Begriffs der Übung.
Ziel ist es, den theoretischen Hintergrund von Sloterdijks „Anthropotechnik“ zu durchdringen, die Gründe für die öffentliche Erregung um seine „Elmauer Rede“ zu verstehen und das Verhältnis von Pädagogik und Anthropotechnik neu zu bewerten.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse und die philosophische Diskursanalyse, insbesondere unter Einbezug der Theorien von Peter Sloterdijk, Michel Foucault und Niklas Luhmann.
Im Hauptteil werden die Transformation des Menschenbildes, der „opereable Mensch“, Technologien des Selbst und die spezifischen pädagogischen Herausforderungen bei der Anwendung anthropotechnischer Verfahren erörtert.
Die zentralen Begriffe umfassen Anthropotechnik, Humanismus, Biomacht, Übung, Posthumanismus, Ko-Immunität und Pädagogik.
Heidegger fungiert als „Kronzeuge“ für Sloterdijk, um den Humanismusbegriff kritisch zu hinterfragen und einen post-humanistischen Denkraum zu eröffnen.
Primäre Anthropotechniken setzen den Menschen als erziehbares Wesen voraus (z.B. Bildung), während sekundäre Anthropotechniken die Autodomestikation und die Etablierung des menschlichen Treibhauses bezeichnen.
Sloterdijk identifiziert damit dysfunktionale gesellschaftliche Systeme (Politik, Kunst, Schule), die durch „Fehlübungen“ zu maladaptiven Entwicklungen führen und somit die Zukunftsfähigkeit gefährden.
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