Magisterarbeit, 2009
94 Seiten, Note: 2,3
1. Vorwort
2. Theoretische Überlegungen – Der literarische Zufall
2.1. Der Zufall im Werk Friedrich Dürrenmatts
2.2. Typologisierungsversuch des Zufalls in den Kriminalerzählungen Dürrenmatts
3. „Der Richter und sein Henker“
3.1. Die zweite Vorgeschichte – Die „Wette“, ein „Spiel“
3.2. Die erste Vorgeschichte – Ein „Alltagsverbrechen“
3.3. Bärlach. Der „unerbittliche Schachspieler“
3.4. Das „Spiel“ findet sein Ende – „Dann waren Sie der Richter und ich der Henker“
3.5. Abschließende Gedanken und Ausblicke
4. „Der Verdacht“ – wie Hans Bärlach vom Zufall verlassen wird.
4.1. Drei Vorgeschichten.
4.2. Die Detektion – „Das Mögliche und das Wahrscheinliche sind nicht dasselbe.“
4.3. „Zweiter Teil“ – Ankunft in der Kälte „Sonnensteins“
4.4. Die Überwältigungsgeschichte
4.5. Abschließende Gedanken und Ausblicke
5. „Das Versprechen“
5.1. Der Fall Gritli Moser – „Die Gerechtigkeit hat gesiegt“
5.2. Matthäi nimmt die Detektion auf
5.3. Wahnsinn als System: Raubfische fängt man mit etwas „Lebendigem“
5.4. Abschließende Gedanken und Ausblicke
6. Nachwort
Diese Magisterarbeit untersucht das Phänomen des Zufalls in den Kriminalerzählungen „Der Richter und sein Henker“, „Der Verdacht“ und „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie der Zufall nicht nur als Ereignis, sondern als Kompositionsprinzip und Bestandteil der Gedankenwelt der Figuren fungiert, um die Gattungskonventionen des klassischen Detektivromans zu dekonstruieren und eine eigene, oft absurde Weltsicht zu entwerfen.
3.1. Die zweite Vorgeschichte – Die „Wette“, ein „Spiel“
Der unmittelbare Auslöser der Handlung der ersten Vorgeschichte ist die zufällige Begegnung der Figuren Bärlach und Gastmann „in irgendeiner verfallenen Judenschenke am Bosporus“ (S.78). Dieses Ereignis ist ein für die Handlung notwendiger zustandekommender Zufall, der in ähnlicher Form auch in der klassischen Detektivliteratur zu finden ist. Gerade die zufällige Begegnungsgeschichte ist ein stereotypes Mittel. Den gattungsinnovativen Charakter bekommt diese klassische Technik erst durch die inhaltliche Gestaltung und die aufeinander prallenden Weltsichten der beiden Antagonisten. Auch im idealtypischen Detektivroman wird mit hart konturierten Figuren gearbeitet, aus deren Zusammentreffen sich der interpersonelle Konflikt entwickelt. Die Spannung entsteht aus den Gegensätzlichkeiten, dem antonymischen Verhältnis der beiden Hauptfiguren zueinander.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die abgeschlossene Wette, die Gastmann vierzig Jahre später rückblickend noch einmal formuliert: „[...] in deiner Gegenwart ein Verbrechen zu begehen, ohne daß du imstande sein würdest, mir dieses Verbrechen zu beweisen.“ (S.80)
Für Gerhard Knapp ist diese Wette nicht neu. Ihren intertextuellen Ursprung sieht er in Goethes „Faust“. Zugleich weist diese artifiziell abgeschlossene Wette aber auch Züge des Dürrenmattschen Gedankenexperiments auf. Darunter versteht Dürrenmatt eine Dramaturgie des Experiments, die eine Dramaturgie aller möglichen Fälle wäre, so wie es eine Geometrie gibt, die alle möglichen Dimensionen einschließt. Aus durchdachten Sonderfällen mit zufälligen, läppischen Wendungen konstruiert sich Dürrenmatts literarische Wirklichkeit. So entwirft Dürrenmatt zwei mögliche Welten, zwei mögliche Fälle, im Sinne der Gedankenwelt Bärlachs und Gastmanns, genauso wie diese Vorstellung des Gedankenexperiment auch auf die Konstellation von „Der Richter und sein Henker“ und „Der Verdacht“ übertragbar wäre.
1. Vorwort: Diese Einleitung legt die Arbeitsthese dar, dass der Zufall in Dürrenmatts Kriminalerzählungen eine zentrale, kompositionsbestimmende Sonderstellung einnimmt.
2. Theoretische Überlegungen – Der literarische Zufall: Dieses Kapitel definiert den literarischen Zufall im Kontext philosophischer und literaturwissenschaftlicher Diskurse der Nachkriegszeit und führt in Dürrenmatts Theatertheorie ein.
2.1. Der Zufall im Werk Friedrich Dürrenmatts: Hier wird der Einfluss von Wissenschaftstheorien und das Konzept des Dürrenmattschen Gedankenexperiments auf die Darstellung des Zufalls erläutert.
2.2. Typologisierungsversuch des Zufalls in den Kriminalerzählungen Dürrenmatts: Die Arbeit klassifiziert verschiedene Zufalls-Kategorien und ihre Wirkungsmächtigkeit innerhalb der Handlung und Gedankenwelt der Figuren.
3. „Der Richter und sein Henker“: Analyse des ersten Romans unter besonderer Berücksichtigung der „Wette“ zwischen Bärlach und Gastmann sowie der Person des Alltagsverbrechers Tschanze.
3.1. Die zweite Vorgeschichte – Die „Wette“, ein „Spiel“: Untersuchung der zentralen Wette, die als Ausgangspunkt des lebenslangen Konflikts dient und die Antagonisten charakterisiert.
3.2. Die erste Vorgeschichte – Ein „Alltagsverbrechen“: Auseinandersetzung mit der Figur des Tschanze, der als Vertreter des banal motivierten Verbrechers dem weltanschaulichen Verbrecher Gastmann gegenübersteht.
3.3. Bärlach. Der „unerbittliche Schachspieler“: Porträt des Kommissars, der mit seiner gespielten Senilität und seinem genialen Kalkül die Konventionen des Detektivs unterläuft.
3.4. Das „Spiel“ findet sein Ende – „Dann waren Sie der Richter und ich der Henker“: Interpretation des finalen Showdowns, der den Sieg des Zufalls über die logische Detektion besiegelt.
3.5. Abschließende Gedanken und Ausblicke: Synthese der Ergebnisse zum ersten Roman und Übergang zur zyklischen Verbindung mit dem Folgeband.
4. „Der Verdacht“ – wie Hans Bärlach vom Zufall verlassen wird.: Analyse der zweiten Erzählung, in der Bärlachs körperliche und methodische Grenzen das Scheitern der klassischen Detektion einleiten.
4.1. Drei Vorgeschichten.: Rekonstruktion der komplexen Hintergrundereignisse, die in die Konfrontation mit Emmenberger führen.
4.2. Die Detektion – „Das Mögliche und das Wahrscheinliche sind nicht dasselbe.“: Reflexion über die Verschiebung der Kriminalfrage hin zur mathematischen Wahrscheinlichkeitskalkulation.
4.3. „Zweiter Teil“ – Ankunft in der Kälte „Sonnensteins“: Untersuchung des Schauplatzes als Modell einer chaotischen, entmenschlichten Welt.
4.4. Die Überwältigungsgeschichte: Analyse der Konfrontation zwischen Bärlach, Gulliver und dem Verbrecher Emmenberger.
4.5. Abschließende Gedanken und Ausblicke: Zusammenfassung der Demontage der Detektivfigur und der Umformung des Kriminalromans in einen Thriller.
5. „Das Versprechen“: Kritische Untersuchung des dritten Werks, das als Anti-Kriminalgeschichte die Unmöglichkeit der Gerechtigkeit im klassischen Sinne beweist.
5.1. Der Fall Gritli Moser – „Die Gerechtigkeit hat gesiegt“: Analyse des Einstiegs in das Versprechen und der gescheiterten Ermittlung von Matthäi.
5.2. Matthäi nimmt die Detektion auf: Darstellung der Wandlung des Detektivs zum Besessenen, der das Kind als Köder missbraucht.
5.3. Wahnsinn als System: Raubfische fängt man mit etwas „Lebendigem“: Interpretation von Matthäis obsessiver Methode und seiner psychologischen Zerstörung.
5.4. Abschließende Gedanken und Ausblicke: Fazit zur totalen Dekonstruktion des Detektiv-Genies und zur Absurdität menschlichen Strebens nach Sinn.
6. Nachwort: Abschließende Reflexion über die Sonderstellung des Zufalls in Dürrenmatts Werk und dessen kritische Auseinandersetzung mit der Schweiz.
Friedrich Dürrenmatt, Zufall, Kriminalroman, Detektiv, Gerechtigkeit, Bärlach, Gastmann, Kontingenz, Gedankenexperiment, Literaturtheorie, Schuld, Absurdität, Kausalnexus, Gattungskritik, Detektion
Die Arbeit analysiert die Rolle und Funktion des literarischen Zufalls in den drei Kriminalerzählungen von Friedrich Dürrenmatt „Der Richter und sein Henker“, „Der Verdacht“ und „Das Versprechen“.
Im Zentrum stehen die Dekonstruktion der klassischen Detektivfigur, das Spannungsverhältnis zwischen logischem Handeln und zufälliger Weltsicht sowie Dürrenmatts Kritik an den Konventionen der Kriminalliteratur.
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Zufall bei Dürrenmatt nicht nur ein kompositorisches Element ist, sondern das philosophische Fundament zur Zerstörung des rationalen Weltbildes des klassischen Kriminalromans bildet.
Die Autorin nutzt eine strukturierte Handlungsverlaufsanalyse und kombiniert literaturtheoretische Ansätze zur Gattungsgeschichte mit der spezifischen Dürrenmatt-Forschung, um die narrativen Funktionen des Zufalls zu typologisieren.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte, die jeweils einen Roman analysieren. Dabei wird der Fokus auf den Wandel der Detektivfigur vom scheinbar souveränen „Schachspieler“ bis zum wahnsinnigen Anti-Helden gelegt.
Zufall, Kriminalroman, Detektiv, Gerechtigkeit, Kontingenz, Bärlach, Gedankenexperiment, Schuld, Absurdität und Gattungskritik.
Dürrenmatt konstruiert seine Romane wie mathematische Geometrien, in denen der Mensch als Figur innerhalb eines „Labyrinths“ agiert, um zu zeigen, dass planvolles Handeln unweigerlich an der chaotischen Realität scheitert.
Bärlach verliert im Verlauf der Erzählungen seine ursprüngliche moralische und professionelle Integrität. Er wird vom Detektiv, der Recht und Ordnung wiederherstellt, zu einem Akteur, der Selbstjustiz übt und damit selbst in den Sog des „Bösen“ gerät.
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