Diplomarbeit, 2009
85 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Definition von geistiger Behinderung und Zielgruppe
2.1 Begrifflichkeiten für geistige Behinderung
2.2 Versuch einer Definition geistiger Behinderung
2.3 Abgrenzung der Zielgruppe für meine Arbeit
3 Einblick in Literatur und Forschung bezüglich der Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung
3.1 Mythen bezüglich Eltern mit geistiger Behinderung
3.2 Geschichtlicher Überblick über die Forschung bezüglich der Kinder
3.3 Beschreibung und Bewertung der Situation der Kinder
3.4 Beschreibung und Bewertung der elterlichen Kompetenzen und ihrer Auswirkungen für die Kinder
3.5 Beschreibung und Bewertung der kindlichen Reaktionen
3.6 Zusammenfassung der Literatur und Forschung zum Thema
4 Rechtliche Aspekte bezüglich Kindern und deren Eltern mit geistiger Behinderung
4.1 Verfassungsrechtliche Aspekte zu Kindern von Eltern mit geistiger Behinderung
4.2 Sorgerechtliche Aspekte zu Kindern von Eltern mit geistiger Behinderung
4.3 Anwendung richterlicher Entscheidungen anhand eines Praxisbeispiels
4.4 Zusammenfassung rechtlicher Aspekte zum Thema
5 Darstellung der Problematik Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung aus Sicht der Betroffenen
5.1 Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung als Experten ihrer Situation
5.1.1 In der Ursprungsfamilie unterbrochen durch einen Heimaufenthalt
5.1.2 In der Großfamilie
5.1.3 In Wohngruppen mit professioneller Unterstützung
5.1.4 Nach der Ursprungsfamilie in Pflegefamilien
5.1.5 Wechsel zwischen Ursprungsfamilie, Heim und Verwandtschaft
5.1.6 Zusammenfassung und Bewertung der eigenen Darstellung der Kinder
5.2 Bezugspersonen der Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung
5.2.1 Bewertung der Eltern
5.2.2 Bewertung durch nahestehende Verwandte
5.3 Sichtweise professioneller Fachkräfte bezüglich Kindern von Menschen mit geistiger Behinderung
5.4 Zusammenfassung Darstellung aus Sicht der Betroffenen
6 Vorhandene Systeme und Lösungsansätze im Blick auf die Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung
6.1 Professionelle Unterstützungssysteme für Eltern mit geistiger Behinderung und deren Kinder
6.1.1 Professionelle Ansätze und Konzepte anderer Länder
6.1.2 Professionelle Unterstützungsangebote in Deutschland
6.2 Unterstützungsmöglichkeiten für Eltern mit geistiger Behinderung und deren Kinder in Form vorhandener Ressourcen
6.3 Fremdplatzierung der Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung
6.3.1 Grundlegendes zu Fremdplatzierung
6.3.2 Vollzeitpflege
6.3.3 Annahme an Kindes statt
6.3.4 Bewertung Fremdplatzierung
6.4 Zusammenfassung und Bewertung vorhandener Systeme und Lösungsansätze
7 Zusammenfassung und persönliche Einschätzung
7.1 Zusammenfassung der Ausführungen
7.2 Persönliche Einschätzung
Die Arbeit untersucht die Lebenssituation von Kindern von Menschen mit geistiger Behinderung, wobei sie sowohl die Risiken einer solchen Familienkonstellation als auch die Chancen auf eine gesunde Entwicklung analysiert. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob Elternschaft in diesem Kontext befürwortet oder abgelehnt werden sollte und wie professionelle Unterstützungssysteme sowie natürliche Ressourcen den Alltag dieser Familien stabilisieren können.
3.1 Mythen bezüglich Eltern mit geistiger Behinderung
Während eines Vortrages auf einer Fachtagung zum Thema Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung, stellte Pixa-Kettner dar, wie schon Llewellyn u. a. im Jahr 1995 fünf sog. Mythen angeprangert und widerlegt hätten, die bezüglich Eltern mit geistiger Behinderung existierten.
Danach werde angenommen, Menschen mit geistiger Behinderung brächten wiederum geistig behinderte Kinder zur Welt. Jedoch wiesen nach Llewellyn „die Eltern i. d. R. leichtere geistige Behinderungen auf“, welche „in meisten Fällen durch Umgebungs-, nicht durch erbliche Faktoren verursacht“ seien. Das „Risiko, dass geistig behinderte Eltern ein von Geburt an behindertes Kind zur Welt bringen“, liege „nur wenig höher (…) als bei der Durchschnittsbevölkerung“ (Pixa-Kettner 2007b, S. 4).
Eine weitere Annahme sei, dass Menschen mit geistiger Behinderung besonders viele Kinder hätten. Llewellyn u. a. führten hingegen „dass sie nach bisherigen Untersuchungen im Durchschnitt entweder weniger oder gleich viele Kinder haben wie andere Eltern.“ Dies stimme auch mit den Ergebnissen der von Pixa-Kettner, Barfrede und Blanken 1996 erstellten BRD-weiten Studie überein, in denen sie „eine durchschnittliche Kinderzahl von 1,4 feststellten (…).“ (ebd.).
Dass geistig behinderte Eltern ihre Kinder missbrauchten sei ein weiterer „Mythos“. Dieser komme „nach Llewellyn et al. dadurch zustande, dass geistig behinderte Eltern – ohne selbst ihre Kinder zu missbrauchen – einige gemeinsame Merkmale aufweisen, die prädisponiert sind für Kindesmissbrauch wie eine deprivierte Kindheit, geringes Selbstwertgefühl, geringe soziale Kompetenzen, schwierige Familienverhältnisse und soziale Isolation.“ Das bedeute „natürlich nicht, dass es generell nicht vorkommt, dass Eltern mit geistiger Behinderung ihre Kinder missbrauchen, sondern nur, dass dies nicht häufiger vorkommt als in der übrigen Bevölkerung.“ (ebd.).
1 Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation und Entwicklung der zentralen Forschungsfragen zur Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung.
2 Definition von geistiger Behinderung und Zielgruppe: Klärung der verwendeten Begrifflichkeiten, Definition der geistigen Behinderung und Eingrenzung des für die Arbeit relevanten Personenkreises.
3 Einblick in Literatur und Forschung bezüglich der Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung: Auseinandersetzung mit Mythen, dem historischen Wandel der Forschung sowie einer Analyse der kindlichen Entwicklung und elterlicher Kompetenzen.
4 Rechtliche Aspekte bezüglich Kindern und deren Eltern mit geistiger Behinderung: Untersuchung der verfassungsrechtlichen und sorgerechtlichen Grundlagen anhand von Gesetzen und richterlichen Praxisbeispielen.
5 Darstellung der Problematik Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung aus Sicht der Betroffenen: Qualitative Analyse von Lebensgeschichten und Interviews, um die Perspektive der Kinder und deren Umfeld abzubilden.
6 Vorhandene Systeme und Lösungsansätze im Blick auf die Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung: Diskussion professioneller Unterstützungsmodelle, natürlicher Ressourcen und der Thematik der Fremdplatzierung.
7 Zusammenfassung und persönliche Einschätzung: Reflexion der Ergebnisse aus den vorherigen Kapiteln und Formulierung eines persönlichen Fazits zur Thematik.
Geistige Behinderung, Elternschaft, Kindeswohl, elterliche Kompetenzen, Fremdplatzierung, Resilienz, Unterstützungssysteme, Familienalltag, Sorgerecht, Kindesentwicklung, psychosoziale Belastungen, Normalisierung, Normalisierung und Deinstitutionalisierung, Bindungsverhalten, Lebenswirklichkeit.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Chancen und Risiken für Kinder, die bei Eltern mit einer geistigen Behinderung aufwachsen.
Im Fokus stehen die Lebenssituation dieser Kinder, elterliche Erziehungskompetenzen, rechtliche Grundlagen, professionelle Hilfesysteme sowie die Sichtweisen betroffener Familienmitglieder.
Das Ziel ist zu ergründen, ob Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung unter Berücksichtigung des Kindeswohls befürwortet werden kann und welche Unterstützungsbedarfe hierbei bestehen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallstudien und Interviews, um die Problematik aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Mythen, Forschungshistorie), eine juristische Betrachtung, qualitative Fallauswertungen und die Analyse vorhandener Hilfskonzepte.
Wichtige Begriffe sind Geistige Behinderung, Kindeswohl, elterliche Kompetenzen, Fremdplatzierung, Resilienz, Unterstützungssysteme und das Spannungsfeld zwischen Elternrechten und Kindesschutz.
Der Autor sieht in diesem Modell einen hilfreichen Ansatz für die Praxis, da es über rein defizitorientierte Sichtweisen hinausgeht und den Lebenskontext der Familien einbezieht.
Natürliche Ressourcen wie unterstützende Verwandte oder ein stabiles soziales Umfeld spielen eine wesentliche Rolle für die Stabilität und Entwicklung der Kinder, können aber professionelle Hilfen nicht immer vollständig ersetzen.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Fremdplatzierung zwar eine notwendige Option im Krisenfall sein kann, jedoch keinesfalls eine pauschale Lösung darstellt und eine sorgfältige Abwägung des Kindeswohls erfordert.
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