Magisterarbeit, 2008
90 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
1.1. Problemaufriss
1.2. Verfahrensweise und Zielsetzung
2. Die Zustände in Gießen – „Ich komme nach Gießen in die niedrigsten Verhältnisse“
2.1. Büchners Krise – Der Grundstein für sein politisches Handeln
2.1.1. Exkurs: Zu Büchners revolutionärer Vorprägung in Straßburg
2.2. Rebellion gegen die bestehenden hessischen Verhältnisse
2.3. „Die Gesellschaft der Menschenrechte“ – Ein revolutionärer Geheimbund
3. Die Verarbeitung von Studienerfahrungen – Idee zur „Doktor-Figur“
3.1. Das Studium der Medizin an der „Ludoviciana“
3.2. Johann Bernhard Wilbrand als Vorbild für den Doktor in Woyzeck
3.3. Protest und Leiden bei Büchner und Woyzeck
3.3.1. Büchner und Wilbrand
3.3.2. Woyzeck und der Doktor
3.4. Zum revolutionären Gehalt in Woyzeck
4. Der Hessische Landbote – Eine revolutionäre Flugschrift
4.1. Die Entstehung des Hessischen Landboten
4.2. Büchners sozialrevolutionärer Ansatz
4.3. Biblische Rhetorik
4.4. Die Bildlichkeit im Text
4.5. Rezeption und revolutionäre Bedeutung des Hessischen Landboten im 19. Jahrhundert
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Lebensabschnitt Georg Büchners während seiner Studienzeit in Gießen (1833/34), um die Wurzeln seiner revolutionären Ideen sowie deren Einfluss auf seine literarischen Hauptwerke, insbesondere Woyzeck und die Flugschrift Der Hessische Landbote, aufzuzeigen. Dabei wird analysiert, wie persönliche Krisenerfahrungen, das Medizinstudium und die politischen Verhältnisse jener Zeit zur Herausbildung seiner sozialrevolutionären Überzeugungen beitrugen.
2.1. Büchners Krise – Der Grundstein für sein politisches Handeln
Am 31. Oktober 1833 brach für den 20-jährigen Georg Büchner mit der Eintragung in das Matrikelbuch der Universität Gießen eine höchst unangenehme Zeit an. Studierte er doch zuvor „rund zwei Jahre in Straßburg, die ihm rückblickend als außerordentlich glücklich erschienen“, war er nun nach den damaligen gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet, sein Medizinstudium an der großherzoglichen Landesuniversität zu beenden. Büchner versprach sich von vornherein nicht viel von seiner künftigen Universitätsstadt, die in der tiefsten hessischen Provinz lag und, im Gegensatz zur „elsässischen Metropole“ Straßburg, mit ihren bloß „7224 Seelen“ fast ein Dorf war. Was das Kulturelle, Politische und Progressive betraf, war Frankreich Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts weit voraus.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat spürte Büchner die enormen Unterschiede zwischen den beiden Ländern noch intensiver und er ahnte längst, dass die Stadt Gießen mit Straßburg in vielen Dingen nicht mithalten würde. Am Studienort angekommen, bestätigten sich seine negativen Vorahnungen: Gießens Gassen waren schmutzig und verwinkelt, an jeder Ecke stank es abscheulich und Trottoirs für Fußgänger existierten nicht. Auch die Häuser machten keinen besonders soliden Eindruck, denn es schien, als ob sie „sich [...] aneinander lehnten, um nicht umzufallen“.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Zielsetzung, den Zusammenhang zwischen Büchners Gießener Lebensphase und seinem literarischen Schaffen zu beleuchten.
2. Die Zustände in Gießen – „Ich komme nach Gießen in die niedrigsten Verhältnisse“: In diesem Kapitel werden die privaten Krisen und das politische Umfeld Gießens beschrieben, die Büchners Radikalisierung als Revolutionär und die Gründung der „Gesellschaft der Menschenrechte“ motivierten.
3. Die Verarbeitung von Studienerfahrungen – Idee zur „Doktor-Figur“: Dieses Kapitel untersucht die negativen Erfahrungen Büchners mit seinem Medizinstudium und insbesondere mit dem Professor Wilbrand, deren Einflüsse er direkt in die Gestaltung der inhumanen „Doktor-Figur“ in seinem Drama Woyzeck übertrug.
4. Der Hessische Landbote – Eine revolutionäre Flugschrift: Hier werden Entstehung, Agitationsstrategien, der Gebrauch von biblischer Rhetorik sowie der sozialrevolutionäre Gehalt der Flugschrift analysiert, wobei auch der Konflikt mit Weidig thematisiert wird.
5. Schlussbetrachtung: Dieses abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und würdigt die Bedeutung der Gießener Jahre als Ausgangspunkt für Büchners Wirken als Dichter und politischer Agitator.
Georg Büchner, Gießen, Woyzeck, Der Hessische Landbote, Vormärz, Revolution, Gesellschaft der Menschenrechte, Sozialkritik, Medizinstudium, Johann Bernhard Wilbrand, Determinismus, Flugschrift, politische Agitation, Literatur des 19. Jahrhunderts.
Die Arbeit befasst sich mit der einjährigen Gießener Studienzeit Georg Büchners (1833/34) und untersucht, wie die dortigen politischen und persönlichen Erfahrungen den Grundstein für seine spätere schriftstellerische Tätigkeit und revolutionäre Gesinnung legten.
Die zentralen Themen sind Büchners persönliche Lebenskrise, der Einfluss der sozialen Misere in Hessen, die Gründung des Geheimbundes „Gesellschaft der Menschenrechte“ sowie die literarische Verarbeitung von Erfahrungen aus dem Medizinstudium.
Das Hauptziel ist die Verknüpfung von Büchners realen Erlebnissen in Gießen mit seinem Wirken als politischer Agitator und Schriftsteller, um so seine Neuerungen und revolutionären Errungenschaften in dieser Zeit sichtbar zu machen.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, wobei Biografien, Briefe Büchners, historische Protokolle sowie seine literarischen Werke (Woyzeck, Der Hessische Landbote) als Primär- und Sekundärquellen herangezogen werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Gießener Lebensumstände, die Verbindung von Studienerfahrungen und der „Doktor-Figur“ im Woyzeck sowie die Untersuchung des Hessischen Landboten als revolutionäres Manifest.
Wichtige Begriffe sind Georg Büchner, Gießen, Woyzeck, Hessischer Landbote, soziale Reform, Vormärz, Determinismus und politische Konspiration.
Büchner nutzte Wilbrands bornierte wissenschaftliche Methoden und dessen zynisches Verhalten als Vorbild für die entmenschlichte und sadistische Figur des „Doktors“, der den Soldaten Woyzeck für seine Experimente ausbeutet.
Das Ziel war, die Landbevölkerung über ihre soziale Ausbeutung aufzuklären und durch den Einsatz von statistischen Daten und volksnaher biblischer Rhetorik zur Rebellion gegen die herrschende Obrigkeit anzustiften.
Das Scheitern motivierte ihn letztlich dazu, seine kritische Sicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse literarisch in Werken wie Woyzeck zu verarbeiten, anstatt auf politisch-aktivem Wege kurzfristige Erfolge zu erzwingen.
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