Magisterarbeit, 2009
130 Seiten, Note: 1,00
1. Einleitung
2. Nähe und Distanz im Journalismus – Eine Annäherung
2.1 Objektivität im Journalismus
2.2 Das Nähe-Distanz-Problem aus systembezogener Perspektive
2.3 Das Nähe-Distanz-Problem aus akteursbezogener Perspektive
2.4 Nähe und Distanz im Sportjournalismus
2.4.1 Entstehung und Entwicklung des Sportressorts in der Tagespresse
2.4.2 Einflüsse auf Nähe und Distanz im Sportressort
2.4.3 Das Nähe-Distanz-Problem im Alltag der Sportjournalisten
2.5 Nähe und Distanz im Politikjournalismus
2.5.1 Entstehung und Entwicklung des Politikressorts in der Tagespresse
2.5.2 Einflüsse auf Nähe und Distanz im Politikressort
2.5.3 Das Nähe-Distanz-Problem im Alltag der Politikjournalisten
2.6 Zwischenfazit
3. Empirische Untersuchung
3.1 Forschungsfragen
3.2 Untersuchungsdesign der Fallstudie
4. Ergebnispräsentation
4.1 Hobby und Beruf – Die Verbindung zum Berichterstattungsgegenstand
4.2 Seitenwechsel: Einflüsse der eigenen Biographie im Journalistenalltag
4.3 Balanceakt: Die Nähe zu den Aktiven
4.4 Kumpel Sportjournalist? Die Kumpanei-Vorwürfe
4.5 Nähe: Chancen und Probleme
4.6 Informelle Informanten – Ihre Bedeutung im Alltag
4.7 Kontaktpflege – Der Einfluss auf die Arbeit
4.8 Auf Augenhöhe: Die Position des Journalisten
4.9 Die Spielregeln: Kodizes für den Umgang mit Aktiven
4.10 Die objektive Berichterstattung – Anspruch und Wirklichkeit
5. Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht das dem Journalismus immanente Nähe-Distanz-Problem, welches Journalisten dazu zwingt, ein Gleichgewicht zwischen notwendiger Nähe zu Informationsquellen und der für die Objektivität erforderlichen Distanz zu finden. Ziel ist es, am Beispiel des Sport- und Politikjournalismus bei deutschen Regionalzeitungen zu analysieren, wie Redakteure diesen Balanceakt bewältigen und welchen systemischen sowie persönlichen Einflüssen sie dabei ausgesetzt sind.
2.2 Das Nähe-Distanz-Problem aus systembezogener Perspektive
Von einer individuumzentrierten Journalismusforschung Mitte des 20. Jahrhunderts ging der Weg in Richtung einer systemischen Betrachtung des Forschungsgegenstandes. Der Journalismus wird folglich mittlerweile in der Regel nicht mehr auf einzelne Personen oder die Addition derselben beschränkt, sondern als – funktionales – System erfasst, das komplex strukturiert und mit anderen sozialen Systemen vernetzt ist (Vgl. u.a. Frütel 2005: 30; Weischenberg 1994a: 428). Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die journalistische Aussagenentstehung systematisiert. Sie beruht nicht mehr auf individuellen Leistungen, sondern ist in erster Linie das Ergebnis von Handlungen in einem systemischen Kontext (Vgl. Weischenberg 1994b: 232; Weischenberg 1994a: 432).
Journalistisches Handeln ist also nicht als individuelles Handeln zu analysieren, sondern stets vor dem Hintergrund systemischer Bedingungen zu sehen. Der Umgang mit Nähe und Distanz im Journalismus ist folglich nicht zu verstehen, wenn der Untersuchungsansatz auf die akteursspezifische Ebene beschränkt bleibt – im Gegenteil: Betrachtet man das Nähe-Distanz-Thema aus systemtheoretischer Sicht, wird deutlich, dass es sich um ein Problem handelt, das dem Journalismussystem insgesamt immanent ist.
Deutlich wird dies bereits dadurch, dass der Kontakt zwischen Journalist und Informant nicht willkürlich stattfindet, sondern aus einem systemischen Kontext heraus: Ein Handelnder des Journalismussystems kommuniziert mit einem Handelnden eines anderen Sozialen Systems, das der Umwelt des Journalismussystems zuzurechnen ist. Das geschieht, weil beide Systeme miteinander kommunizieren müssen. Dies wird deutlich, wenn bedacht wird, dass die Systeme in einer ausdifferenzierten, modernen Gesellschaft stets eine Funktion erfüllen müssen, um damit gesellschaftliche Probleme zu lösen und sich selbst zu erhalten.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das spannungsreiche Nähe-Distanz-Problem im Journalismus ein, das sich aus dem notwendigen Zugang zu Informationen und dem gleichzeitigen Anspruch auf Objektivität ergibt.
2. Nähe und Distanz im Journalismus – Eine Annäherung: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Aufarbeitung des Nähe-Distanz-Verhältnisses aus verschiedenen Perspektiven, wobei insbesondere die Historie und Besonderheiten von Sport- und Politikressorts gegenübergestellt werden.
3. Empirische Untersuchung: Hier wird das Untersuchungsdesign vorgestellt, das auf einer qualitativen, leitfadengestützten Befragung von elf Sport- und Politikjournalisten regionaler Zeitungen basiert.
4. Ergebnispräsentation: In zehn Unterkapiteln werden die empirischen Erkenntnisse zu Themen wie Seitenwechseln, Kumpanei, Kontaktpflege und dem Objektivitätsanspruch detailliert dargestellt.
5. Schlussbetrachtung: Das Schlusskapitel fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen, reflektiert die gewählte Methodik und gibt einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Journalismus, Nähe-Distanz-Problem, Sportjournalismus, Politikjournalismus, Objektivität, Systemtheorie, Kumpanei, Rollenselbstbild, Hintergrundinformationen, Informanten, Regionalzeitung, Fallstudie, Medienkonkurrenz, Arbeitsrolle, Journalistenalltag.
Die Arbeit untersucht das journalistische Spannungsfeld zwischen der notwendigen Nähe zu Informationsquellen einerseits und der für eine objektive Berichterstattung erforderlichen professionellen Distanz andererseits.
Zentrale Themen sind die systemischen Zwänge im Journalismus, die Unterschiede zwischen Sport- und Politikressort, die Rolle individueller Journalistenbiographien sowie die Bedeutung von Informanten und Netzwerken.
Ziel ist es, den Balanceakt zwischen Nähe und Distanz am Beispiel von Sport- und Politikredakteuren deutscher Regionalzeitungen empirisch zu untersuchen und bestehende Annahmen der Journalismusforschung zu hinterfragen.
Die Verfasserin nutzt eine qualitative, leitfadengestützte Befragung von elf Experten (fünf Politik- und sechs Sportjournalisten), um detaillierte Einblicke in deren Berufsalltag zu gewinnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (inkl. Systemtheorie und Rollenverständnis) und eine empirische Fallstudie, die konkrete Strategien der Journalisten im Umgang mit Akteuren beleuchtet.
Wichtige Begriffe sind Nähe-Distanz-Problem, Objektivität, Kumpanei, systemtheoretische Journalismusforschung, Rollenverständnis und die Arbeit bei Regionalzeitungen.
Die Arbeit zeigt, dass Sportjournalisten aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen (z.B. tägliche Präsenz beim Verein) oft einen intensiveren persönlichen Kontakt zu Aktiven pflegen müssen als Politikjournalisten, die häufiger formalere Wege oder Telefonkontakte nutzen.
Die Befragten betonen in der Regel ihre professionelle Rolle und betrachten Nähe als journalistisches Werkzeug. Sie sind sich der Gefahr bewusst, instrumentaliert zu werden, versuchen aber, durch Distanz und die Verpflichtung gegenüber dem Leser gegenzusteuern.
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