Magisterarbeit, 2009
119 Seiten, Note: 1,0
1. Zu Konzeption und Aufbau der Arbeit
2. Die postmoderne Theorie von der Abwesenheit des Autors
2.1. Der Begriff des ‚Autors’ – Ein geschichtlicher Überblick
2.2. Roland Barthes: Der Tod des Autors
2.3. Michel Foucault: Was ist ein Autor?
2.4. Die Rezeption der Theorien – Das Überleben des Autors
3. Filmanalyse: PROVIDENCE
3.1. Alain Resnais und die Zusammenarbeit mit seinen Drehbuchautoren
3.2. Das Sichtbarmachen des kreativen Prozesses
3.3. Das Neuschreiben des eigenen Lebens
3.4. Die Grenzen der schriftstellerischen Macht
3.4.1. Das Entgleiten der Figuren
3.4.2. Das Filmende
4. Filmanalyse: NAKED LUNCH
4.1. Die Verfilmung eines ‚unverfilmbaren’ Romans
4.2. Ablehnen der Berufung und Realitätsflucht
4.3. Einsicht in die Berufung
5. Filmanalyse: BARTON FINK
5.1. Die Stellung des Drehbuchautors im Studiosystem
5.2. Barton Fink und Hollywood
5.3. Barton Finks Schreibblockade
5.3.1. Auslöser und Verlauf der Schreibblockade
5.3.2. Überwindung der Schreibblockade (?)
6. Filmanalyse: SHAKESPEARE IN LOVE
6.1. Filmische Schriftstellerbiographien
6.2. Der Fall Shakespeare
6.2.1. Shakespeare als Ikone
6.2.2. Shakespeares Autorschaft im Film
6.3. Das postmoderne Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart
7. Resümee und Ausblick
Die Arbeit untersucht, wie postmoderne Theorien über die Abwesenheit des Autors das Bild des Schriftstellers in filmischen Werken prägen. Dabei wird analysiert, wie vier ausgewählte Filme – PROVIDENCE, NAKED LUNCH, BARTON FINK und SHAKESPEARE IN LOVE – den kreativen Prozess sowie die Machtverhältnisse zwischen Autor und Figur darstellen und inwiefern sie postmoderne Konzepte wie den "Tod des Autors" reflektieren oder in Frage stellen.
1. Zu Konzeption und Aufbau der Arbeit
ATONEMENT, NOVEMBERKIND, LES POUPÉES RUSSES, REPRISE und STRANGER THAN FICTION sind nur einige Beispiele aus den letzten Jahren für die zahlreichen Filme, in denen der Protagonist ein Schriftsteller oder eine Schriftstellerin ist. Dabei scheint auf den ersten Blick kaum etwas weniger kinotauglich zu sein als die Bemühungen eines Schriftstellers, seine Erfahrungen, Beobachtungen und Ideen zu einem druckreifen literarischen Werk zu verarbeiten. Schließlich findet der wichtigste Teil der Arbeit des Schriftstellers in dessen Kopf statt und ist nicht leicht in Bildern darzustellen, während das eigentliche Schreiben mit der Hand oder an Schreibmaschine oder Computer zwar gezeigt werden kann, durch seine Eintönigkeit aber nicht besonders dafür geeignet scheint, ein Kinopublikum für diese Tätigkeit zu interessieren.
Auch im Vergleich mit anderen Künstlern ist der Schriftsteller im Nachteil: Während bei Malern, Photographen, Komponisten und Musikern das Entstehen eines künstlerischen Werks durch das Miterleben verschiedener Entstehungsphasen von der Inspiration bis hin zur Vollendung relativ leicht vom Zuschauer nachempfunden werden kann, reicht das Bild des arbeitenden Schriftstellers nicht aus, um den kreativen Akt nachvollziehbar zu machen. A. Mary Murphy bemerkt allerdings zu Recht, dass Filme, die einen Schriftsteller als Protagonisten wählen, einen Fehler begehen, wenn sie wegen der scheinbar fehlenden Dramatik des Schreibakts ganz auf dessen Abbildung verzichten. Schließlich sei es die Tatsache, dass er (berufsmäßig) schreibe, die den Schriftsteller von anderen Menschen abgrenze, weswegen der Schreibakt dem Zuschauer nicht vorenthalten werden dürfe. Wie Paul Arthur feststellt, versuchen Filme über Schriftsteller häufig durch das Vorführen eines Konflikts zwischen der ‚innerlichen’ Welt der Kreativität und bestimmten ‚äußerlichen’ Umständen, die sich positiv oder negativ auf den Schreibprozess auswirken, dem Zuschauer etwas vom geheimnisvollen künstlerischen Schöpfungsakt zu vermitteln. Das hat laut Arthur zur Folge, dass bestimmte Motive in Schriftstellerfilmen immer wieder vorkommen, wie zum Beispiel Schreibblockaden und Ereignisse, die sich als Störfaktor für den Schreibprozess erweisen.
1. Zu Konzeption und Aufbau der Arbeit: Das Kapitel führt in die Thematik der filmischen Darstellung von Schriftstellern ein und begründet die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Die postmoderne Theorie von der Abwesenheit des Autors: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die poststrukturalistische Autorkritik, insbesondere anhand der Texte von Roland Barthes und Michel Foucault.
3. Filmanalyse: PROVIDENCE: Die Analyse des Films von Alain Resnais fokussiert sich auf die filmische Sichtbarmachung des kreativen Prozesses und die Grenzen der Kontrolle des Autors über seine Figuren.
4. Filmanalyse: NAKED LUNCH: Untersucht wird hier die Entwicklung des Protagonisten vom Ablehnen seiner schriftstellerischen Berufung bis hin zum schmerzhaften Akzeptieren seiner Bestimmung.
5. Filmanalyse: BARTON FINK: Dieses Kapitel analysiert die Darstellung der Arbeitsbedingungen von Drehbuchautoren in Hollywood und die Entlarvung des Mythos vom integren, genialen Autor.
6. Filmanalyse: SHAKESPEARE IN LOVE: Die Analyse beleuchtet, wie der Film den historischen Autor Shakespeare in eine populäre Identifikationsfigur verwandelt und dabei gleichzeitig postmoderne Konzepte der Autorschaft aufgreift.
7. Resümee und Ausblick: Das Kapitel fasst die Analyseergebnisse zusammen und bestätigt, dass postmoderne Vorstellungen die Darstellung von Schriftstellern im Film nachhaltig geprägt haben.
Schriftsteller, Film, Postmoderne, Autor, Schreibblockade, Kreativität, Autorschaft, Dekonstruktion, Poststrukturalismus, Filmanalyse, Fiktion, Identität, Literatur, Rezeption, Kunstschöpfung.
Die Magisterarbeit untersucht das Bild des Schriftstellers als Protagonisten im postmodernen Film und analysiert, inwiefern postmoderne Theorien über die Autorschaft die filmische Darstellung künstlerischer Arbeit beeinflusst haben.
Zentral sind der kreative Schreibprozess, die Darstellung von Schreibblockaden, die Machtverhältnisse zwischen Autor und Figur sowie die Spannung zwischen historischer Person und literarischem Mythos.
Die Arbeit hinterfragt, wie postmoderne Konzepte – insbesondere die Infragestellung des allmächtigen Autors (Autor-Gott) – in Spielfilmen über Schriftsteller inszeniert werden.
Es wird eine systematische Filmanalyse angewandt, die durch eine theoretische Fundierung in der Literatur- und Postmoderne-Theorie ergänzt wird, um die Repräsentation von Schriftstellern in vier spezifischen Filmen zu dekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Autorkritik und vier detaillierte Filmanalysen der Werke PROVIDENCE, NAKED LUNCH, BARTON FINK und SHAKESPEARE IN LOVE.
Die zentralen Begriffe umfassen den Tod des Autors, das Biopic, die Dekonstruktion, das Studiosystem, die intertextuelle Narration und die Verhandlung von Identität im kreativen Prozess.
Der Film verdeutlicht, dass die Figuren des Protagonisten Clive Langham ein Eigenleben entwickeln und seinen Anweisungen als Schöpfer entgleiten, was seinen Kontrollverlust über das eigene Werk symbolisiert.
Die Schreibmaschine fungiert nicht nur als Werkzeug, sondern wird als lebendiges, teilweise feindseliges Wesen dargestellt, welches den Schreibprozess kontrolliert und den Protagonisten Bill Lee von seiner eigenen Verantwortung befreit.
Der Film ist von besonderem Interesse, da er mit einer kulturellen Ikone arbeitet und zeigt, wie ein moderner Spielfilm den "allmächtigen Autor" erst dekonstruiert und dann als zugängliche Identifikationsfigur popularisiert.
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