Masterarbeit, 2023
118 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1 Einleitung
2 Dissoziative Identitätsstörung
2.1 Definition
2.2 Prävalenz
2.3 Trauma und Traumafolgestörung
2.4 Pathogenese
2.4.1 Entstehung der DIS
2.4.2 Theorie der strukturellen Dissoziation der Persönlichkeit
2.4.3 Wechsel der Persönlichkeitszustände
2.5 Diagnostik
2.6 Komorbiditäten
2.7 Therapie
2.8 Trauma-Modell versus Nicht-traumabasiertes-Modell
3 Neurobiologie der Dissoziativen Identitätsstörung
3.1 Neurobiologische Erkenntnisse
3.1.1 Strukturelle Auffälligkeiten
3.1.2 Funktionelle Auffälligkeiten
3.1.3 Genetische Auffälligkeiten
3.1.4 Biomarker
3.2 Kritik
4 Aussagepsychologische Glaubhaftigkeitsbegutachtung
4.1 Einführung in die Aussagepsychologie
4.2 Glaubhaftigkeitsbegutachtung
4.3 Aussagebegutachtung bei Personen mit Dissoziativer Identitätsstörung
5 Forschungsfrage und Erkenntnisinteresse
6 Methodik
6.1 Methodik des leitfadengestützten Experteninterviews
6.1.1 Leitfadenentwicklung
6.1.2 Expertenauswahl
6.2 Interviewdurchführung
6.3 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
7 Ergebnisse
7.1 Kategorienüberblick
7.2 Darstellung der Hauptkategorien
7.2.1 Hauptkategorie 1: Fehlendes Wissen / Vorurteile
7.2.2 Hauptkategorie 2: Akzeptanz der Diagnostik nach ICD-11
7.2.3 Hauptkategorie 3: Potenzial neurobiologischer Diagnostik
7.2.4 Hauptkategorie 4: Potenzial epigenetischer Diagnostik
7.2.5 Hauptkategorie 5: Kriterien der Glaubhaftigkeitsbegutachtung
7.2.6 Hauptkategorie 6: Suggestibilität
7.2.7 Hauptkategorie 7: Organisation des Untersuchungs- und Befragungsdesigns
7.2.8 Hauptkategorie 8: Methodik der Glaubhaftigkeitsbegutachtung
7.2.9 Hauptkategorie 9: Therapie versus Aussagepsychologie
7.2.10 Hauptkategorie 10: Lösungsansätze
8 Diskussion
8.1 Ergebnisse der Untersuchung und deren Bedeutung
8.2 Limitationen des Untersuchungsdesigns
9 Fazit
9.1 Fazit der vorliegenden Arbeit
9.2 Ausblick für weitere Forschung
Die Arbeit untersucht, inwieweit neurowissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere der Nachweis von Biomarkern, die aussagepsychologische Glaubhaftigkeitsbegutachtung bei Personen mit Dissoziativer Identitätsstörung (DIS) stützen und unterstützen können, um die rechtliche Validität ihrer Aussagen zu verbessern.
3 Neurobiologie der Dissoziativen Identitätsstörung
Nach herrschender wissenschaftlicher Meinung wird es als erwiesen angesehen, dass sich psychiatrische Erkrankungen durch das Zusammentreffen genetischer Veranlagung und ungünstiger Umwelteinflüsse entwickeln. Entscheidend ist dabei, dass vor allem Kinder und Jugendliche besonders angreifbar sind, da die Plastizität des Gehirns in jungen Jahren hoch ist und die Entwicklung erst mit dem 20. Lebensjahr abgeschlossen ist. Strüber und Roth verweisen in diesem Zusammenhang auf sensible Perioden der Gehirnentwicklung, in denen das Gehirn besonders sensitiv auf Umwelteinflüsse reagiert. Erkenntnisse der Neurobiologie und Untersuchungen an Waisenkindern legen nahe, dass die frühe Kindheit hinsichtlich der sozialen, emotionalen und kognitiven Entwicklung eine sensible Periode darstellt.
Epidemiologische Studien zeigen, dass „… Gewalt das Risiko eben für psychiatrische Erkrankungen enorm erhöht…“ (Binder, 2021, 2:16). Vor allem in der frühkindlichen Entwicklung zeigt das Gehirn im Rahmen einer frühen Programmierung (Heim & Binder, 2012) eine hohe Sensibilität und Vulnerabilität (Knop et al., 2020). „Abnorme Erfahrungen in diesem frühen Lebensabschnitt (z. B. traumatische Vernachlässigung, Gewalterfahrungen) nehmen hier direkten Einfluss auf die Herausbildung der physischen Mikroarchitektur des Gehirns, der basalen, subliminalen Funktionsmechanismen, insbesondere jedoch der höheren assoziativen, frontokortikalen Steuerungskompetenzen …“ (Naumann-Lenzen, 2007, Abs. 7).
1 Einleitung: Einführung in das DIS-Phänomen und die problematische Schnittstelle zwischen klinischer Störung und Rechtssystem.
2 Dissoziative Identitätsstörung: Theoretischer Überblick über Definition, Epidemiologie, Pathogenese und aktuelle Klassifikationsstandards.
3 Neurobiologie der Dissoziativen Identitätsstörung: Analyse neurobiologischer, struktureller und funktioneller Besonderheiten, die mit DIS assoziiert sind.
4 Aussagepsychologische Glaubhaftigkeitsbegutachtung: Darstellung der forensischen Standards und Herausforderungen bei der Glaubhaftigkeitsbewertung.
5 Forschungsfrage und Erkenntnisinteresse: Darlegung der vier zentralen Dilemmata, die der Forschungsarbeit zugrunde liegen.
6 Methodik: Beschreibung des qualitativen Forschungsdesigns und der methodischen Durchführung der Experteninterviews.
7 Ergebnisse: Präsentation und induktive Zusammenfassung der Expertenmeinungen in zehn Hauptkategorien.
8 Diskussion: Interpretation der Ergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund und kritische Reflexion des Studiendesigns.
9 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf notwendige interdisziplinäre Entwicklungen.
Dissoziative Identitätsstörung, Neurobiologie, Biomarker, Aussagepsychologie, Glaubhaftigkeitsbegutachtung, Trauma, Nullhypothese, Psychotraumatologie, Experteninterview, Kindesmissbrauch, Frühkindliche Entwicklung, Rechtspsychologie, Suggestibilität, Forensik, Qualitative Inhaltsanalyse
Die Arbeit beleuchtet die Rolle der Neurobiologie bei der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) und deren Auswirkungen auf die juristische Glaubhaftigkeitsbegutachtung von Betroffenen.
Die zentralen Themen sind die neurobiologische Forschung zur DIS, die rechtspsychologische Begutachtungspraxis sowie die Interdisziplinarität zwischen Klinik und Justiz.
Das Ziel ist zu erörtern, ob neurowissenschaftliche Befunde, wie zum Beispiel Biomarker, die Glaubwürdigkeit von Opfer-Zeugen mit DIS stärken und die Begutachtungsstandards modifizieren können.
Die Autorin wendet eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring auf teilstrukturierte Experteninterviews an.
Der Hauptteil behandelt die klinische Definition der DIS, die aktuellen neurobiologischen Erkenntnisse hierzu sowie eine kritische Analyse des aussagepsychologischen Begutachtungsprozesses.
Wichtige Begriffe sind Dissoziative Identitätsstörung, Biomarker, Glaubhaftigkeitsbegutachtung, Nullhypothese und Rechtspsychologie.
Experten betonen, dass das bestehende standardisierte Begutachtungssetting bei DIS-Betroffenen oft Trigger für Retraumatisierungen setzt, was die psychische Stabilität und damit die Aussagequalität negativ beeinflusst.
Ein Großteil der Experten kritisiert die einseitige Anwendung der Nullhypothese in der aktuellen Begutachtung als eine enorme Hürde, die das Leid der Betroffenen vergrößert und eine vorurteilsfreie Wahrheitsfindung behindern kann.
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