Diplomarbeit, 2003
131 Seiten, Note: 2
Einleitung
1. Einführung in das Thema Borderline und soziale Arbeit
1.1 Erklärung der Begriffe
1.2 Historischer Überblick
1.3 Kontakt zu Borderlinern in Arbeitsfeldern der SozialenArbeit
2. Diagnostik
2.1 Allgemeine Definition der Persönlichkeitsstörung
2.2 Die Klassifikation der Borderline-Störung
2.3 Erläuterung der Symptome und Verhaltensmuster
2.3.1 Denk- und Verhaltensmuster
2.3.2 Zwänge
2.3.3 Ängste und Phobien
2.3.4 Sucht
2.3.5 Mini-Psychose
2.3.6 Dissoziation
2.3.7 Selbstverletzendes Verhalten
2.3.8 Aggression
2.3.9 Depression
2.3.10 Suizidalität
2.3.11 Exkurs: Interview mit einer Betroffenen
2.4 Stempel oder Störung? Zur gesellschaftlichen Problematik des Krankheitsbegriffes
2.5 Auswirkungen der Diagnose auf die Beziehung zwischen Betreuer und Klient
3. Wichtige Erklärungsansätze und Modelle der Borderline-Störung
3.1 Der Beitrag neurobiologischer Faktoren zur Entwicklung einer Borderline-Störung
3.1.1 Impulsive Aggression und serotonerges System
3.1.2 Affektive Instabilität und cholinerges System
3.2 Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze
3.2.1 Deprivation, Misshandlung und Missbrauch
3.2.2 Die strukturelle Seite der traumatischen Gewalterfahrungen
3.2.3 Die Familienorganisation
3.3 Kernbergs psychoanalytisches Erklärungsmodell
3.3.1 Libidotheorie und psychosexuelle Entwicklung
3.3.2 Die Entstehung einer Borderline-Persönlichkeitsorganisation
3.3.3 Die Funktionen der typischen Borderline-Strukturen
3.4 Systemische Theorien
3.4.1 Erzeugung und Sinn der Symptome
3.4.2 Die Borderline-Familienstrukturen und ihre Funktion
3.5 Die biosoziale Theorie der dialektisch-behavioralen Therapie
3.5.1 Emotionale Fehlregulation
3.5.2 Invalidierende Umgebungen
3.5.3 Die Wechselwirkungen
3.6 Zusammenfassende Bewertung der verschiedenen Ansätze
3.6.1 Vergleich und persönliche Einschätzung
3.6.2 Interessante Aspekte für die Soziale Arbeit
4. Die Auswirkungen des Borderline-Syndroms auf das Umfeld der Betroffenen
4.1 Die Notwendigkeit der Angehörigenarbeit
4.2 Informationen über Betroffene und Angehörige finden, aber wie?
4.3 Die Auswirkungen der Borderline-Störung auf die Partnerschaft
4.3.1 Co-Problematik bei Partnern von Borderlinern
4.3.2 Interview mit einer Partnerin
4.4 Weglaufen gilt nicht! Die Bedeutung der Borderline-Störung für die Familienangehörigen
4.4.1 Böse Eltern oder leidende Eltern?
4.4.2 Interview mit einer Mutter
4.4.3 Von Helden und Sündenböcken- Die Kinder aus Borderline-Familien
4.5 "Borderliner spalten das Team!" Auswirkungen auf die professionelle Beziehung
4.6 Sieben Fragen an einen Mitarbeiter eines sozialpsychiatrischen Dienstes
5. Therapeutische Möglichkeiten
5.1 Die medikamentöse Therapie der Borderline-Störung
5.1.1 Antipsychotika
5.1.2 Antidepressiva
5.2 Die psychoanalytische Therapie der Borderline-Störungen
5.3 Dialektisch-behaviorale Therapie
5.4 Systemische Therapie
5.5 Zusammenfassende Bewertung der verschiedenen Ansätze
5.5.1 Vergleich und persönliche Einschätzung
5.5.2 Interessante Aspekte für die Soziale Arbeit
5.6 Anlaufstellen
5.6.1 Kliniken
5.6.2 Hilfe aus dem Internet
6. Beispiele aus der Praxis
6.1 Gespräche mit Frau W.
6.2 Gespräche mit Frau S.
6.3 Mein Erleben der Kontakte
7. Schlusswort
8. Literaturliste
Weiterführende Literatur
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, das Verständnis für das Borderline-Syndrom innerhalb der Sozialen Arbeit zu fördern, da Fachkräfte in diesem Bereich häufig unvermittelt mit betroffenen Klienten konfrontiert werden. Die Arbeit leistet eine theoretische Fundierung, analysiert diagnostische Kriterien und beleuchtet die Auswirkungen auf das soziale Umfeld sowie die professionelle Beziehungsgestaltung.
Das schwarzweiße Leben im Hier und Jetzt
Die meisten Menschen gewinnen ihre Einschätzung von anderen Personen durch eine Vielzahl von Interaktionen, die zwischen ihnen und diesen Personen erfolgen. Sind diese Erfahrungen überwiegend positiv, wird man dem anderen leicht zugestehen können, einmal einen schlechten Tag zu haben. Sind sie überwiegend negativ, wird man auf einen guten Tag kaum Hoffnungen aufbauen, dass es von nun an immer so sein wird. Borderliner kennen diese sogenannte Objektkonstanz nicht, das heißt, sie können andere Menschen nicht als komplexe Wesen mit vielen unterschiedlichen Seiten betrachten, die trotz der Unterschiedlichkeit in ihren Reaktionen immer die gleichen Menschen bleiben.
Die Folge davon ist, dass Borderliner die Personen in ihrem Umfeld jeden Tag neu bzw. nur auf der Basis der letzten Begegnung wahrnehmen. Deshalb erscheinen andere Menschen den Betroffenen als widersprüchlich, weil sie kein konstantes Bild entwickeln und verinnerlichen können, das alle Aspekte der Persönlichkeit der anderen einschließt. Wie man es in kindlichen Vorstellungen regelmäßig findet, unterteilen auch erwachsene Borderliner andere Menschen in die "Guten" und die "Bösen". Dieses Schwarz-Weiß-Denken, das keine Abstufungen oder Grauzonen zulässt, erklärt Idealisierungen und Abwertungen.
Die häufig vorkommenden unrealistischen Hoffnungen und überzogenen Erwartungen an die "Guten" werden durch Idealisierungen gerechtfertigt. Werden die Hoffnungen jedoch enttäuscht, kehrt sich das Bild vom "Guten" in das Bild vom "Bösen" um. Diese Enttäuschungen sind vorprogrammiert und werden durch Abwertungen des Gegenübers abgeschwächt.
1. Einführung in das Thema Borderline und soziale Arbeit: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begriffe und die historische Entwicklung des Störungsbildes sowie die Relevanz der Thematik für verschiedene Handlungsfelder der Sozialen Arbeit.
2. Diagnostik: Hier werden Definitionen der Persönlichkeitsstörung sowie die spezifischen Kriterien und Symptome des Borderline-Syndroms gemäß DSM-IV detailliert dargestellt und kritisch reflektiert.
3. Wichtige Erklärungsansätze und Modelle der Borderline-Störung: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene theoretische Modelle, von neurobiologischen und sozialwissenschaftlichen bis hin zu psychoanalytischen und systemischen Ansätzen, um die Ursachen der Störung zu verstehen.
4. Die Auswirkungen des Borderline-Syndroms auf das Umfeld der Betroffenen: Fokus liegt hier auf den Belastungen für Angehörige und Partner sowie der Dynamik in Familien, ergänzt durch Praxisinterviews und die Bedeutung für die professionelle Beziehung.
5. Therapeutische Möglichkeiten: Die Autorin bietet einen Überblick über stationäre und ambulante Therapieansätze, inklusive medikamentöser Optionen und praktischer Ratschläge für Fachkräfte im Alltag.
6. Beispiele aus der Praxis: Anhand zweier konkreter Betreuungsfälle (Frau W. und Frau S.) werden methodische Ansätze sowie der Verlauf und die Herausforderungen der professionellen Beziehungsarbeit veranschaulicht.
Borderline-Syndrom, Sozialarbeit, Persönlichkeitsstörung, Diagnostik, Symptomatik, Angehörigenarbeit, Co-Abhängigkeit, Psychodynamik, Systemische Therapie, Dialektisch-behaviorale Therapie, Selbstverletzung, Identitätsstörung, Objektkonstanz, Stigmatisierung, Stressbewältigung
Die Arbeit widmet sich dem Verständnis des Borderline-Syndroms aus der Perspektive der Sozialen Arbeit, um Fachkräfte besser auf die Arbeit mit betroffenen Klienten vorzubereiten.
Zentrale Themen sind die diagnostische Einordnung, die theoretischen Ursachenmodelle, die Auswirkungen auf das soziale Umfeld sowie professionelle Interventionsmöglichkeiten.
Das primäre Ziel ist es, Sozialarbeitern eine Einstiegshilfe und theoretische Basis zu bieten, um den Umgang mit Borderline-Klienten kompetenter und reflektierter zu gestalten.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Standards (z.B. DSM-IV) und ergänzt diese durch empirische Einblicke aus der Praxis mittels Interviews und Fallbeispielen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine diagnostische Übersicht, eine tiefgehende Diskussion verschiedener Erklärungsmodelle (biopsychosozial, systemisch, psychoanalytisch) sowie die praxisnahe Erörterung von Therapiewegen.
Wichtige Begriffe sind Borderline-Syndrom, Sozialarbeit, Diagnostik, Angehörigenarbeit, professionelle Beziehungsgestaltung und interdisziplinäre Therapieansätze.
Das Fehlen der Objektkonstanz erklärt das Schwarz-Weiß-Denken der Betroffenen, welches zu den typischen Idealisierungs- und Abwertungsprozessen in sozialen Beziehungen führt.
Die Autorin betont, dass Angehörige oft "mitbetroffen" sind und durch die Dynamik des Systems selbst belastet werden, weshalb eine Einbeziehung in die Beratung essenziell ist.
Die Autorin empfiehlt Supervision, Transparenz im Team sowie eine wertschätzende Haltung, um die vom Klienten oft unbewusst initiierte Spaltung zu verhindern.
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