Magisterarbeit, 2010
69 Seiten, Note: 1,6
1 Einleitung
2 Das Streben
2.1 curiositas und superbia als Elemente des faustischen Strebens
2.2 Von der Schau zur Tat
2.3 „[Der Sonne] nach und immer nach zu streben“ – Fausts Sehnsucht nach Leben und Genuss
2.4 Bekenntnis zur Rastlosigkeit
2.5 „Doch hast du [...]“ – Die Wette auf Genussverzicht
2.6 „Mit meinem Geist das Höchst’ und Tiefste greifen“ – Beginn der Weltfahrt
2.7 Der Blick in die Sonne als Station auf dem Weg zur Gottwerdung
2.8 Schöpfung eines eigenen Paradieses
2.9 Exkurs: Die Bedeutung des Sehens und Schauens für die Beurteilung des faustischen Strebens
3 Die Folgen des Strebens
3.1 Schuld, Reue und Gewissen
3.1.1 „Mag ihr Geschick auf mich zusammenstürzen / Und sie mit mir zugrunde gehen!“
3.1.2 Das Problem des Schuldbewusstseins
3.2 Die Sorge und der Tod
3.2.1 „Hast du die Sorge nie gekannt?“
3.2.2 Der blinde Faust
4 Der himmlische Rahmen
4.1 Der Irrtum und der rechte Weg
4.2 Beurteilung der Erlösung
5 Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Fausts Streben und dessen unausweichlichen Folgen – namentlich Schuld und Sorge. Dabei wird analysiert, inwieweit Faust für sein Handeln moralisch verantwortlich gemacht werden kann, ob er tatsächliches Schuldbewusstsein oder Reue zeigt und wie dies seine Erlösung im himmlischen Rahmen beeinflusst.
2.1 curiositas und superbia als Elemente des faustischen Strebens
Sie kennen ihn nicht, diesen Weg, auf dem sie von ihrem Ich zu Ihm hinabsteigen und durch Ihn hinaufsteigen sollten zu Ihm. Sie kennen diesen Weg nicht und dünken sich erhaben und leuchtend wie die Sterne, und siehe, sie sind herabgestürzt auf die Erde, und ‚verfinstert’ ward ihr törichtes Herz’. Viel Wahres sagen sie über die Schöpfung, aber die Wahrheit selbst, den Meister der Schöpfung, suchen sie nicht, ihm zugetan, und darum finden sie ihn nicht, oder wenn sie ihn finden, so ‚erkennen sie zwar Gott, ehren ihn aber nicht als Gott, noch danken sie ihm’. Und sie werden ‚hohl in ihren Gedanken und sagen, sie seien weise’, und schreiben sich selber zu, was Dein ist.
Wäre Goethe Augustinus’ Aussagen über den Neugierigen gefolgt, wäre Fausts Schicksal von Anfang an besiegelt gewesen: „Nicht irdisch ist des Toren Trank noch Speise“ (V. 301), teilt Mephistopheles, Fausts Charakter einführend, dem Zuschauer mit. Doch Goethe modernisiert das Bild des verächtlichen Teufelsbündners und kreiert mit seiner Faustfigur eine kunstvolle Zusammenführung zweier Traditionen: Er verbindet das Drama des genialen und schwärmerischen Gelehrten des 18. Jahrhunderts, der aus Verzweiflung über die gesetzten Wissensgrenzen der Wissenschaft sich der Magie ergibt, mit dem Warndrama des 16. Jahrhunderts, welches „vor Neugier, Hochmut des Wissens und Wissenswollens sowie dem Ausbruch des Wissenschaftlers aus den Schranken des Menschlichen“ mahnt.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des faustischen Strebens und dessen unlösbare Verbindung mit Schuld und Sorge ein und skizziert die wissenschaftliche Herangehensweise.
2 Das Streben: Das Kapitel analysiert den Wandel von Fausts Zielsetzungen, von der theoretischen Erkenntnis zur Magie und schließlich zur Tat, unter Einbeziehung zentraler Szenen wie der Osterspaziergang und die Wette.
3 Die Folgen des Strebens: Hier wird untersucht, wie Fausts Streben zu individuellen Verbrechen führt und wie er, oder die ihn umgebenden allegorischen Figuren, mit der daraus resultierenden Schuld und Sorge umgehen.
4 Der himmlische Rahmen: Dieses Kapitel diskutiert die göttliche Sicht auf Fausts Irrtum und Streben sowie die moralische Problematik seiner endgültigen Erlösung.
5 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die wesentlichen Erkenntnisse über Faust als zwiespältigen Charakter zusammen, der trotz seiner moralischen Verfehlungen und mangelnden Reue durch den göttlichen Rahmen und die Macht der Liebe erlöst wird.
Faust, Goethe, Streben, Schuld, Sorge, Magie, Erlösung, Hybris, Tat, Erkenntnisdrang, Reue, Gewissen, Teufelsbund, Wette, Anthropologie
Die Arbeit analysiert das zentrale Motiv des faustischen Strebens in Goethes Faust-Dichtung und beleuchtet die unausweichlichen Konsequenzen dieses Dranges, insbesondere im Hinblick auf moralische Schuld und die allegorische Figur der Sorge.
Die zentralen Themen sind das Streben als Existenzmerkmal, das Problem des Schuldigwerdens durch die Tat, die Rolle der Magie bei der Verwirklichung eigener Ziele sowie die kritische Hinterfragung der Erlösung Fausts.
Ziel ist es, eine Bewertung der Handlungen Fausts vorzunehmen und zu klären, wie sich sein fortwährendes Streben mit seiner moralischen Schuld und der scheinbar widersprüchlichen Erlösung vereinbaren lässt.
Die Arbeit nutzt eine philologische Analyse des Faust-Textes unter Einbeziehung umfangreicher Faustforschung und verschiedener Interpretationsrichtungen, um die Ambivalenz des Charakters und seiner Handlungen darzulegen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Strebens, die Analyse der Schuld und Sorge als Folgen des Handelns und eine abschließende Betrachtung des himmlischen Rahmens und der Erlösungsproblematik.
Faust, Streben, Schuld, Sorge, Erlösung, Magie, Tat, Hybris, Gewissen, Reue.
Faust konnte sich durch sein Streben nach Erkenntnis und die Nutzung magischer Hilfsmittel zeitweise dem beengten Leben entziehen; erst die Furcht vor dem nahenden Tod konfrontiert ihn unmittelbar mit der Sorge.
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Faust keine aufrichtige Reue zeigt; seine Erlösung ist vielmehr als ein Aufstieg zur Göttlichkeit im Sinne des platonischen Eros zu verstehen.
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