Examensarbeit, 2009
81 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Vom Königreich zum Nationalstaat – Sachsen von 1800-1871
2.1. Zwischen Agrarromantik und Fortschrittsglaube
2.2. Der Verlust politischer Autonomie
2.3. Im Spannungsfeld von Landesbewusstsein und Nationalbildung
3. Lernziel: Untertan - Sachsen im Kaiserreich
4. Die Wiederentdeckung der Heimat - Der Freistaat in der Weimarer Republik
5. „Blut und Boden“ – Sachsen als faschistischer Gau
6. Das sozialistische Vaterland – Die sächsischen Bezirke in der DDR
7. Schematische Auswertung der Untersuchung
8. Ausblick
Die vorliegende Arbeit dekonstruiert, wie sich die geschichtliche Konzeption des Heimatgedankens in sächsischen Schul- und Lesebüchern sowie im Unterricht niederschlägt und für politische sowie soziale Zwecke instrumentalisiert wurde.
2. Vom Königreich zum Nationalstaat – Sachsen von 1800-1871
Das Königreich Sachsen sieht sich um 1800 mit inneren und äußeren Veränderungen konfrontiert, welche in ihrer Konsequenz den traditionalen Heimatbegriff grundlegend verändern sollten. Die von nationalen und liberalen Ideen getragenen Befreiungskriege gegen Napoleon, die zu einem nicht unwesentlichen Teil auf sächsischem Territorium gefochten wurden und in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ihren Höhepunkt erreichten, propagierten die „geeinte Heimat“ für alle in den einzelnen König- und Fürstentümern zersplittert lebenden Deutschen. Auch wenn die europäischen Mächte auf dem Wiener Kongress 1815 die vorrevolutionären – kleinstaatlichen und undemokratischen - Verhältnisse unter dem Schlagwort der Restauration wiederherstellten, waren die Hoffnungen auf einen deutschen Nationalstaat langfristig nicht zu zerstreuen.
Sachsen selbst gehörte jedoch zu den großen Verlierern des Krieges. Bis zuletzt an der Seite Napoleons stehend, musste es 58 % seines Territoriums und dadurch auch 42 % seiner Einwohner an Preußen abtreten. Politisch an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt, spotteten bereits demokratisch gesinnte Zeitgenossen über die „gekrönte Amtshauptmannschaft“ (vgl. DELAU 2003, 63). Sachsen tritt wenig später dem Deutschen Bund, einer losen Föderation der deutschen Einzelstaaten bei.
Der zweite Faktor, der tiefgreifende Umwälzungen im sächsischen Staatsgebilde auslösen sollte, war die im ausgehenden 18. Jahrhundert einsetzende „industrielle Revolution“. Darunter versteht man im Allgemeinen [...] jenen Komplex wirtschaftlicher Veränderungen, mit denen sich eine vorindustrielle, traditionelle Wirtschaftsgesellschaft, die durch niedrige Produktivität und Stagnation gekennzeichnet ist, in eine sich entwickelnde Industriewirtschaft verwandelt, in der die Produktion je Einwohner und der Lebensstandard relativ hoch sind und wirtschaftliches Wachstum anhält (DEANE 1969, 1).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Heimatbegriffs als Medium für politische und soziale Wertevermittlung in der Schule ein.
2. Vom Königreich zum Nationalstaat – Sachsen von 1800-1871: Das Kapitel beleuchtet den sächsischen Wandel unter dem Einfluss der industriellen Revolution und politischer Umbrüche im 19. Jahrhundert.
3. Lernziel: Untertan - Sachsen im Kaiserreich: Hier wird untersucht, wie die Schule im Kaiserreich versuchte, Identität zwischen Regionalbewusstsein und kaiserlicher Loyalität zu steuern.
4. Die Wiederentdeckung der Heimat - Der Freistaat in der Weimarer Republik: Das Kapitel analysiert die Suche nach einer neuen nationalen und regionalen Identität nach dem Zusammenbruch der Monarchie.
5. „Blut und Boden“ – Sachsen als faschistischer Gau: Diese Sektion behandelt die radikale ideologische Umgestaltung des Heimatbegriffs unter nationalsozialistischer Herrschaft.
6. Das sozialistische Vaterland – Die sächsischen Bezirke in der DDR: Das Kapitel beschreibt, wie die DDR Heimat als sozialistisches Identitätsmerkmal definierte und für ihre Ideologie nutzte.
7. Schematische Auswertung der Untersuchung: Dieses Kapitel fasst die Erkenntnisse über die Instrumentalisierung des Heimatbegriffs in einer Typologie zusammen.
8. Ausblick: Der Ausblick reflektiert die Relevanz regionaler Identität in der heutigen Informationsgesellschaft und modernen Demokratie.
Heimat, Sachsen, Nationalstaat, Schulbuchanalyse, Identitätskonstruktion, Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, DDR, Indoktrination, Heimatkunde, Patriotismus, Gesellschaft, politische Bildung, Herrschaftslegitimation.
Die Arbeit untersucht, wie das Konzept „Heimat“ in sächsischen Schulbüchern von 1800 bis in die DDR-Zeit konstruiert und für politische Zwecke instrumentalisiert wurde.
Im Fokus stehen die historische Entwicklung Sachsens, die Rolle der schulischen Erziehung bei der Identitätsbildung sowie die politische Vereinnahmung regionaler Bindungen.
Ziel ist es, die dekonstruktive Analyse des Heimatbegriffs als Instrument staatlicher Identitätspolitik in verschiedenen Epochen darzulegen.
Es handelt sich primär um eine qualitative Querschnittsanalyse von Schul- und Unterrichtspublikationen, ergänzt durch die Auswertung zeitgenössischer Quellen.
Der Hauptteil analysiert chronologisch die sächsische Geschichte von der Agrarromantik über das Kaiserreich und den Nationalsozialismus bis hin zur DDR und deren jeweils spezifische Heimatkonstruktionen.
Schlüsselbegriffe sind Identitätskonstruktion, Instrumentalisierung, Nationalbildung, Bildungsauftrag und Heimatkunde.
Während der Nationalsozialismus Heimat völkisch-rassisch und antimodernistisch definierte, betonte die DDR den sozialistischen Fortschritt und die Bindung an den Arbeiter- und Bauernstaat.
Der „kleine Raum“ fungiert als Fluchtpunkt oder Mikroebene, die in Krisenzeiten genutzt wurde, um ein Gefühl der Geborgenheit und Ordnung zu suggerieren, losgelöst von übergeordneten politischen Realitäten.
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