Bachelorarbeit, 2023
49 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Forschungsstand und Methodik
3 Schlüsselbegriffe und ihre Definition
4 Die ambivalente Rolle psychisch kranker Menschen im Mittelalter
5 Erklärungskonzepte der (Geistes-/ Krankheit)
5.1 Humoralpathologischer Ansatz
5.2 Religiöse Vorstellungen
6 Verstecken oder behandeln? – Orte des Ausschlusses und Hospitalbildung
6.1 Orte des Ausschlusses
6.2 Hospitalbildung
7 Konzept und Intention hinter der Gründung des hohen Hospitals Haina
8 Alltagsleben der Insassen und Organisation im Hospital Haina
8.1 Das Aufnahmeverfahren und die Hospitaliten
8.2 Formen der Unterbringung: Disziplinierend oder bedürfnisgerecht?
8.3 Alltag und Konflikte
9 Das Krankheitsverständnis und die daraus resultierende Behandlung
9.1 Anwendung von Arzneien, Diätetik und Chirurgie
9.2 Seelsorge
10 Haina im 21. Jahrhundert
11 Fazit und Ausblick
12 Anlagen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel im Umgang mit psychisch und geistig beeinträchtigten Menschen in frühneuzeitlichen Spitälern am Beispiel des hessischen Hospitals Haina, um die Frage zu beantworten, inwiefern die frühneuzeitliche Spitalbildung eine Zäsur in diesem Bereich markierte.
8.2 Formen der Unterbringung: Disziplinierend oder bedürfnisgerecht?
Durch die Beschreibung des Küchenverwalters Crantz über die Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters und seine externen Gebäude, wobei im Folgenden insbesondere jene, die der Beherbergung dienten im Fokus der Aufmerksamkeit stehen sollen, lassen sich sowohl Lebensbedingungen der Hospitaliten wie auch eine zeitgenössische Wertung der verschiedenen Unterbringungsarten ableiten. Bei der Belegung der Quartiere fällt die Einteilung der Patienten in verschiedene Gruppen auf. Die Zuteilung war abhängig von ihrer Beeinträchtigung und ihrem Verhalten, wobei ihr potenzieller Störfaktor oder die Gefährdung anderer und ihrer selbst eine entscheidende Rolle spielte. Durch diese Einteilung lässt sich auch die Zusammenlegung von „Wahnsinnigen“ und Taubstummen erklären, da die Aufwärter annahmen, dass sich diese nicht an ihnen stören würden, da sie akustische Störungen nicht wahrnehmen konnten.
Crantz Darstellung über die Aufteilung der Armenquartiere, welche zentral im Flügel gegen Morgen lagen, veranschaulicht die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kranken. Denn die unterste Etage, welche über große und räumliche Zimmer verfügte, wurde gebrechlichen Menschen mit unterschiedlichsten Erkrankungen zugeteilt. Die darüber liegenden ehemaligen Mönchszellen, dessen Erreichen mehr Mobilität voraussetzte, wurden von körperlich gesünderen Patienten bewohnt. Ferner wurden Insassen auch in weiteren Räumen des aufgelösten Klosters untergebracht. Dazu gehörten innerhalb des Klostergevierts auch der Kapitelsaal, das Parlatorium und das Dormitorium. In diesen Räumlichkeiten waren insbesondere pflegeleichte Kranke untergebracht, die durch Personal beaufsichtigt werden konnten, welches sich aus ihren eigenen Reihen rekrutierte.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung des Wandels beim Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen am Beispiel des Hospitals Haina.
2 Forschungsstand und Methodik: Der Forschungsstand wird im Kontext der „Disability Studies“ beleuchtet und die methodische Vorgehensweise bei der Auswertung historischer Quellen diskutiert.
3 Schlüsselbegriffe und ihre Definition: Das Verständnis von Krankheit im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wird definiert und das Modell der „totalen Institution“ nach Erving Goffman eingeführt.
4 Die ambivalente Rolle psychisch kranker Menschen im Mittelalter: Die zwiespältige soziale Stellung Betroffener wird zwischen Nächstenliebe, Diskriminierung und rechtlicher Behandlung (z.B. im Sachsenspiegel) aufgezeigt.
5 Erklärungskonzepte der (Geistes-/ Krankheit): Hier werden die medizinische Humoralpathologie und religiöse Deutungsmuster als zwei zentrale Erklärungskonzepte für Krankheitsursachen gegenübergestellt.
6 Verstecken oder behandeln? – Orte des Ausschlusses und Hospitalbildung: Das Kapitel analysiert die Entwicklung von externen Verwahrungsorten wie „Dorenkisten“ bis hin zur Institutionalisierung durch frühe Hospitäler.
7 Konzept und Intention hinter der Gründung des hohen Hospitals Haina: Die Transformation des ehemaligen Klosters Haina in ein Hospital unter Landgraf Philipp an der Reformation wird als sozialreformerischer Akt thematisiert.
8 Alltagsleben der Insassen und Organisation im Hospital Haina: Der Fokus liegt auf der Aufnahmeordnung, den Unterbringungsformen und dem täglichen Leben, das von Disziplinierungsmaßnahmen geprägt war.
9 Das Krankheitsverständnis und die daraus resultierende Behandlung: Die medizinischen Therapieansätze sowie die essenzielle Rolle der Seelsorge im Behandlungskonzept werden analysiert.
10 Haina im 21. Jahrhundert: Ein kurzer Überblick über die moderne psychiatrische Nutzung und die historische Aufarbeitung im heutigen Vitos-Klinikum.
11 Fazit und Ausblick: Eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse zum Wandlungsprozess des Hospitals und dessen Stellung in der psychiatriegeschichtlichen Entwicklung.
Hospital Haina, Frühe Neuzeit, Psychiatriegeschichte, Geisteskrankheit, Humoralpathologie, Totale Institution, Disability Studies, Sozialfürsorge, Reformation, Landgraf Philipp, Behandlungsmethodik, Seelsorge, Inklusion, Arzneimittelversorgung, Armenfürsorge.
Die Arbeit untersucht den Umgang mit psychisch oder geistig beeinträchtigten Menschen in frühen Hospitälern, wobei das Hospital Haina als zentrales Fallbeispiel für eine historische Untersuchung der Psychiatriegeschichte dient.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Verständnismodellen für Krankheiten, den institutionalisierten Formen der Unterbringung und Versorgung sowie den sozialen und religiösen Rahmenbedingungen dieser Zeit.
Das Ziel ist es zu beantworten, inwiefern die Etablierung des Krankenhauswesens in der Frühen Neuzeit eine Zäsur im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Personen markierte.
Es werden historische Quellen, ergänzt durch Theorien der „Disability Studies“ und das Konzept der „totalen Institution“ nach Erving Goffman, analysiert, um eine sozialhistorische Einordnung vorzunehmen.
Im Hauptteil liegt der Fokus konkret auf der Geschichte und Organisation des Hospitals Haina, dessen Alltag, Patientenaufnahmen sowie den angewandten medizinischen und pastoralen Behandlungsmethoden.
Die Arbeit ist fachlich geprägt durch Begriffe wie "Samthospitäler", "Humoralpathologie", "Disziplinierung", "Supplikationen" und "Reformationsgeschichte".
Der Philippstein visualisiert als historisches Denkmal die Stiftungsabsichten Landgraf Philipps und verdeutlicht das damalige Selbstverständnis von christlicher Wohltätigkeit gegenüber Armen und Kranken.
Obwohl die Hospitaliten strikten Regeln unterworfen waren, konnten sie mittels Bittstellungen (Supplikationen) ihre Interessen gegenüber der Hospitalverwaltung vertreten, was ein gewisses, wenn auch begrenztes Widerstandspotenzial aufzeigt.
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