Examensarbeit, 2009
70 Seiten, Note: 1,7
1 EINLEITUNG
2 TONY UND DAS MOTIV DES VERFALLS
2.1 Degeneration und Dekadenz: Das Leitmotiv des Verfalls
2.2 Anzeichen des Verfalls bei Tony
2.2.1 Anfangsszene als Vorausdeutung
2.2.2 Verfallssymptome
2.2.3 Tonys Verfall auf der Erzählebene
2.3 „Sie ist zufrieden mit sich selbst“: Gründe für Tonys Konstanz
2.3.1 Unerschütterliche Vitalität als elementarer Unterschied zu Thomas und Hanno.
2.3.2 Anpassungsfähigkeit
2.3.3 Familiensinn
2.3.4 Fehlende Reflexivität
2.4 Zwischenbilanz: Tonys Funktion im Verfallsgeschehen
3 TONY ALS WEIBLICHE ROMANFIGUR DES 19. JAHRHUNDERTS
3.1 „Man muss dem Herzen Zeit lassen“: Der Vorgeschriebene Weg der Ehe
3.1.1 Bürgerstöchter zwischen Vernunftehe und Liebesheirat
3.1.2 „Ein Glied in der Kette“: Tonys Eheschließungen als Dienst an der Firma
3.2 „Ich bin eine dumme Gans“: Darstellung Tonys als weltfremde und manipulierbare Frau
3.3 Tony in ihrer Beziehung zu anderen Figuren
3.3.1 Vater und Bruder als Familienoberhaupt
3.3.2 Tony in Beziehung zu ihren Freundinnen
3.4 Tony als komische Figur: Humor und Ironie
3.5 Literarische Schwestern: Effi Briest und Tony Buddenbrook
3.5.1 Effi Briest als Vorbild
3.5.2 Das ewige Kind
3.5.3 Zwischen Fremdbestimmung und Individualität
3.5.3.1 Unterdrückung der Individualität
3.5.3.2 Ausdruck von Individualität
3.5.4 Umgang mit ihrem Schicksal
3.5.5 Gescheiterte Frauen als Identifikationsfigur
4 SCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion der Figur Antonie "Tony" Buddenbrook in Thomas Manns Roman "Buddenbrooks". Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Tony einerseits vom familiären Verfall betroffen ist und andererseits durch ihre spezifische Konstitution, insbesondere ihre Vitalität und kindliche Konstanz, eine Sonderrolle einnimmt, die sie von den anderen Familienmitgliedern unterscheidet.
2.2.1 Anfangsszene als Vorausdeutung
Um bei der langen erzählten Zeit, die sich immerhin über vier Generationen erstreckt, die Einheit der Handlung zu bewahren, hat sich Thomas Mann an Richard Wagner orientiert. Das Motiv, das Selbstzitat, die autoritative Formel, die wörtliche und gewichtige Rückbeziehung über weite Strecken hin, das Zusammentreten von höchster Deutlichkeit und höchster Bedeutsamkeit, das Metaphysische, die symbolische Gehobenheit des Moments – alle meine Novellen haben den symbolischen Zug – : Diese wagnerischen und eminent nordischen Wirkungsmittel [...] sind schon völlig Instinkt bei mir geworden.41
Thomas Mann übernimmt von Wagner vor allem die Leitmotivtechnik, in der eine Reihe von Motiven das Gesamtwerk durchziehen. Die Motive ermöglichen „das Präsenthalten der Zeit“42. Durch das „Sich-Erinnern, aber auch in der Vorwegnahme soll das Werk, das an sich ins Unübersehbar-Chaotische ausufern könnte, zusammengehalten werden“43. Hans Wysling betont, dass die wiederkehrenden Motive dabei nicht das Gleiche wiederholen, sondern vielmehr Situationen in verschiedenen historischen und erlebten Augenblicken miteinander konfrontieren.44 Dadurch wird eine Entwicklung erfahrbar, insbesondere der Verfall.
Solche Vorrausdeutungen findet der Leser bereits auf der ersten Seite des Romans und sie sind besonders auch im Hinblick auf Tony Buddenbrook sehr aussagekräftig. Theodor Fontane, der ein bedeutendes Vorbild für Thomas Mann war, stellt in einem Brief an Gustav Karpeles fest: „Das erste Kapitel ist immer die Hauptsache und in dem ersten Kapitel die erste Seite, beinah die erste Zeile. [...] Bei richtigem Aufbau muß in der erste [!] Seite der Keim des Ganzen stecken."45 Auch Thomas Mann nutzte in seinen Werken das Kunstmittel, im ersten Kapitel auf geradezu symbolische Weise das kommende Geschehen anzulegen und so dem Leser die Möglichkeit zu geben, eine innere Ordnung zu erkennen.46
1 EINLEITUNG: Darstellung von Zielsetzung und theoretischem Rahmen der Untersuchung von Antonie Buddenbrook im Kontext des Romanverfalls.
2 TONY UND DAS MOTIV DES VERFALLS: Analyse, inwieweit Tony als einzige weibliche Hauptfigur vom Verfall betroffen ist oder durch ihre Konstanz eine Gegenposition einnimmt.
3 TONY ALS WEIBLICHE ROMANFIGUR DES 19. JAHRHUNDERTS: Untersuchung der gesellschaftlichen Bedingtheit von Tonys Schicksal und Vergleich mit literarischen Vorbildern wie Effi Briest.
4 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Funktion Tonys als zentrale, vital-konstante Identifikationsfigur in einem Roman des Niedergangs.
Thomas Mann, Buddenbrooks, Tony Buddenbrook, Verfall, Degeneration, Dekadenz, Familiensinn, Weibliches Rollenbild, Effi Briest, Gesellschaftsroman, Identifikationsfigur, Vitalität, Konstanz, Ironie, Literaturanalyse
Die Arbeit analysiert die Figur der Antonie Buddenbrook im Roman "Buddenbrooks" von Thomas Mann unter Berücksichtigung ihrer Rolle im Verfallsprozess der Familie und ihrer Funktion als weibliche Romanfigur des 19. Jahrhunderts.
Im Zentrum stehen das Motiv des Verfalls (Degeneration/Dekadenz), das gesellschaftliche Frauenbild der Zeit, die Rolle der Ehe sowie die literarische Einordnung von Tony im Vergleich zu anderen Figuren.
Die Arbeit untersucht, ob Tony Buddenbrook trotz ihres Überlebens vom familiären Verfall betroffen ist und wie ihre "vitale Konstanz" ihre Funktion und Bedeutung als Hauptfigur konstituiert.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Romans eng an zeitgenössische theoretische Konzepte (z.B. Nietzsches Dekadenztheorie, Schopenhauers Frauenbild) und literarische Vergleichsbeispiele wie Fontanes "Effi Briest" rückbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Tonys Stellung zum Verfallsgeschehen (Konstanz, Nervosität, Familiensinn) und eine Analyse ihrer gesellschaftlichen Bedingtheit (Ehekonventionen, Vergleich mit Effi Briest).
Wichtige Begriffe sind Thomas Mann, Buddenbrooks, Tony Buddenbrook, Verfall, Degeneration, Gesellschaftsroman, weibliches Rollenbild, Effi Briest und Identifikationsfigur.
Es dient als exemplarisches Beispiel für ihre kindliche Naivität und ihr Streben nach höheren Werten, welches bei ihr regelmäßig an der Realität scheitert, jedoch ohne ihren Lebensoptimismus zu zerstören.
Im Gegensatz zu vielen anderen literarischen Figuren der Epoche, die an Schicksalsschlägen zerbrechen (wie z.B. Effi Briest), bewahrt Tony durch ihre fehlende Selbstreflexion und ihren Familiensinn eine "vitale Konstanz", die sie überleben lässt.
Die Ehe wird nicht als Ausdruck von Liebe, sondern als "Dienst an der Firma" und als "buddenbrooksche Gesetz" dargestellt, welchem Tony ihre persönlichen Wünsche unterordnet, was ihr letztlich zum Verhängnis wird.
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