Examensarbeit, 2007
95 Seiten, Note: 1,0
1 Vorwort
2 Einleitung
3 Zu den Rezeptionsbedingungen biblischer Geschichte im 12. Jahrhundert
3.1 Gesellschaftsstruktur und religiöses Klima
3.2 Zugänge zur Bibel und biblischem Wissen
3.3 Allegorese und Typologie als Formen mittelalterlicher Bibelexegese
4 Zu den Texten: Überlieferung und Edition
4.1 Zum Gregorius
4.2 Zum Armen Heinrich
5 Biblische Geschichte und höfische Literatur am Beispiel Gregorius
5.1 Die Geschichte – Ein kurzer Handlungsüberblick
5.2 Ausgewählte Forschungspositionen
5.3 Form und Funktion der biblischen Implikationen im Gregorius
6 Biblische Geschichte und höfische Literatur am Beispiel Der arme Heinrich
6.1 Die Geschichte – Ein kurzer Handlungsüberblick
6.2 Ausgewählte Forschungspositionen
6.3 Form und Funktion der biblischen Implikationen in Der arme Heinrich
7 Fazit
8 Schlussbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von biblischer Geschichte und der höfischen Legendendichtung Hartmanns von Aue. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie biblische Motive und Figuren in den Werken "Gregorius" und "Der arme Heinrich" als strukturierende Elemente dienen und in welchem Verhältnis sie zu den biblischen Vorlagen sowie zur zeitgenössischen Rezeption stehen.
3.3 Allegorese und Typologie als Formen mittelalterlicher Bibelexegese
Ein entscheidender Begriff bei der Analyse mittelalterlicher Texte vor der Folie biblischer Geschichte ist der der „Typologie“. Nicht nur, dass Hartmann von Aue dieses biblische Auslegeverfahren gekannt haben muss, liegt doch seine schöpferischste Anwendung im 12. Jahrhundert, sondern vielmehr die Tatsache, dass er es auf seine Dichtung transferiert, nötigen unweigerlich zu einer Auseinandersetzung mit dieser Thematik. Denn, wie Friedrich Ohly sagt:
„Dichtung lässt uns manchmal Theologisches in einem Maß gesteigert sehen, daß es den Atem verschlägt. Nur Wissen um Typologie macht Dinge solcher Art begreiflich.“
Vor allem aber Erich Auerbach hat mit Nachdruck auf die Bedeutung der Typologie für die mittelalterliche Dichtung verwiesen. Für ihn steht fest,
„daß die typologische Exegese, so wie sie von den großen Predigern, Exegeten und Hymnendichtern verwendet wurde, mit ihrer unendlichen Fülle von Kombinationen und Anspielungen, Motivkreuzungen und Metaphern, das eigentliche Lebenselement der christlich mittelalterlichen Dichtung bildet.“
1 Vorwort: Das Vorwort führt in die zeitgenössische Diskussion um die "Wiederkehr der Religionen" ein und begründet das Interesse an der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Bibel in den Wissenschaften und Künsten.
2 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, Hartmanns Legenden in ihrem sich bedingenden Verhältnis zur biblischen Geschichte zu untersuchen und die Rezeptionsbedingungen des 12. Jahrhunderts darzulegen.
3 Zu den Rezeptionsbedingungen biblischer Geschichte im 12. Jahrhundert: Dieses Kapitel beschreibt die Gesellschaftsstruktur, das religiöse Klima und die verschiedenen Zugänge zu biblischem Wissen für unterschiedliche Gesellschaftsschichten.
4 Zu den Texten: Überlieferung und Edition: Hier werden Entstehungszeit, Gattungsfragen sowie der handschriftliche Überlieferungsstand der beiden Werke "Gregorius" und "Der arme Heinrich" detailliert erörtert.
5 Biblische Geschichte und höfische Literatur am Beispiel Gregorius: In diesem Hauptteil wird das Werk "Gregorius" einer detaillierten Analyse hinsichtlich seiner biblischen Implikationen, Handlungsstrukturen und der theologischen Schuldfrage unterzogen.
6 Biblische Geschichte und höfische Literatur am Beispiel Der arme Heinrich: Äquivalent zum vorangegangenen Kapitel erfolgt hier die Analyse von "Der arme Heinrich", wobei der Fokus auf dem Vergleich zur Hiob-Figur und dem Motiv des Mädchens liegt.
7 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die biblische Typologie bei Hartmann nicht nur ein Zitat, sondern ein zentrales "Kompositionsprinzip" ist, das die Handlung steuert.
8 Schlussbemerkungen: Die Schlussbemerkungen plädieren für eine interdisziplinäre wissenschaftliche Forschung, die Literaturwissenschaft, Theologie und Kunstgeschichte bei der Interpretation mittelalterlicher Texte verbindet.
Hartmann von Aue, Gregorius, Der arme Heinrich, Mittelalter, Biblische Typologie, Bibelexegese, Höfische Literatur, Legenden, Allegorese, Schuld und Sühne, Gnade Gottes, Figura, Heilsgeschichte, Intertextualität.
Die Arbeit untersucht, wie Hartmann von Aue in seinen Legenden "Gregorius" und "Der arme Heinrich" biblische Geschichten und Motive verarbeitet und diese als erzählerisches Kompositionsprinzip einsetzt.
Die zentralen Themen sind die mittelalterliche Bibelauslegung (Typologie und Allegorese), die Rolle von Religion in der höfischen Literatur sowie die Darstellung von Schuld und Erlösung.
Ziel ist es, die "werkimmanente Typologie" bei Hartmann nachzuweisen und zu zeigen, dass biblische Implikationen mehr als nur Interpretationshilfen sind, sondern die Handlung der Legenden maßgeblich steuern.
Die Arbeit nutzt die methodischen Ansätze der Literaturwissenschaft zur Textanalyse, insbesondere unter Einbeziehung von Exegese-Verfahren wie der Typologie, um poetische Texte mit theologischen Prätexten zu vergleichen.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung beider Legenden, wobei jeweils die Handlungsstränge, die Schuldfrage der Protagonisten und der Bezug zu biblischen Figuren (z.B. Mose, Petrus, Hiob) analysiert werden.
Zentrale Begriffe sind Typologie, Legende, Heilsgeschichte, Gregorius, Der arme Heinrich, mittelalterliche Bibelexegese und christliche Symbolik.
Die Arbeit differenziert, dass Typologie auf einer historischen Distanz und Analogie beruht, während Allegorese als Form der bildhaften Deutung über verschiedene Bedeutungsebenen fungiert.
Die Tafel wird als Indikator für den Handlungsaufbau identifiziert; sie fungiert als strukturierendes Element, das die Wendepunkte in Gregorius' Leben (Vorgeschichte, Ausfahrt, Eremitentum, Papstamt) markiert.
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