Hausarbeit, 2018
23 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Spracherwerbstheorien in Bezug auf individuelle Unterschiede
2.1 Nativismus
2.2 Konstruktivismus
2.3 Welche Theorie berücksichtigt Variabilität in der Entwicklung?
3. Individuelle Unterschiede
3.1 Unterschiede in der Schnelligkeit beim Wortschatz- und Grammatikerwerb
3.2 Spracherwerbsstile
3.3 Analyse von Daten: holistischer und analytischer Stil
4. Abgrenzung zu entwicklungsgestörten Kindern
5. Fazit
Die Arbeit untersucht das Phänomen der individuellen Unterschiede beim kindlichen Spracherwerb und hinterfragt die Annahme einer uniformen Sprachentwicklung in festen Stufen. Ziel ist es, auf Basis theoretischer Ansätze und der Analyse von Sprachdaten aufzuzeigen, wie Kinder unterschiedliche Erwerbsstile verfolgen und wie sich diese von pathologischen Entwicklungsverzögerungen abgrenzen lassen.
3.1 Unterschiede in der Schnelligkeit beim Wortschatz- und Grammatikerwerb
Lange Zeit wurde in der Spracherwerbsforschung nur die individuelle Entwicklung bei einzelnen Kindern untersucht. Bei diesen Studien können die Ergebnisse nicht verallgemeinert werden. Erst durch die Arbeiten mit Fragebögen von Bates et al. (1988) und Fenson et al. (1994) konnten größere Stichproben genommen werden, da Fragebögen vergleichsweise leicht und schnell ausgefüllt und ausgewertet werden können. Die sogenannten MacArthur-Bates Communicate Development Inventories, kurz CDI, sind detaillierte Elternfragebögen für amerikanisches Englisch. (vgl. Szagun 2013: 158) Der zweite Teil des Tests, der sich an 16 bis 30 Monate alte Kinder wendet, behandelt Wortschatz und Grammatik, während es beim ersten für 8- bis 18- Monate alte Kinder um Gesten, Wortverständnis und Wortproduktion geht. Die Eltern kreuzen aus einer Reihe möglicher Formen die an, die das Kind gebraucht. Die Ergebnisse des zweiten Tests, der an 1142 Kindern getestet wurde, zeigen, dass eine sehr große Variabilität beim frühen Wortschatz- und Grammatikerwerb vorhanden ist. (vgl. ebd., 159) Mittlerweile wurde das CDI für viele Sprachen angepasst; so auch für Deutsch. Szagun et al. (2009) haben an der Universität Oldenburg einen Fragebogen zur frühkindlichen Sprachentwicklung (FRAKIS) für Kinder im Alter von 1;6 und 2;6 entwickelt. Der Fragebogen enthält sowohl einen Wortschatz- als auch einen Grammatikteil, der wiederum aus einen Teil zur Flexionsmorphologie und einem zur Satzkomplexität besteht. (vgl. ebd.: 160)
Die Wachstumskurve für den Wortschatz zeigt, dass er im Alter von 18 Monaten von 41 Wörtern auf 486 mit 30 Monaten ansteigt. Zwischen 16 und 20 Monaten steigt der Wortschatzerwerb bei den meisten Kindern besonders schnell an. Dieses Phänomen wird auch Vokabelspurt genannt (vgl. Goldfield & Reznick 1990 zit. n. Papoušek 1994: 171). Die Variabilität ist besonders zwischen 21 und 27 Monaten enorm groß. Wenn man die extremen Werte herausrechnet, beträgt der Alterstunterschied von Kinder mit ähnlichen Wortschatz elf Monate. (vgl. Szagun 2013: 162) Deutlich wird auch, dass die Mädchen deutlich schneller beim Erwerb des Wortschatzes sind (vgl. ebd.: 163).
1. Einleitung: Die Arbeit hinterfragt die Annahme, dass der Spracherwerb bei allen Kindern nach demselben Prinzip und in identischen Stufen verläuft, und definiert den Fokus auf den L1-Erwerb.
2. Spracherwerbstheorien in Bezug auf individuelle Unterschiede: Es werden der Nativismus und Konstruktivismus gegenübergestellt, wobei untersucht wird, inwieweit diese Theorien individuelle Variabilität in der Entwicklung zulassen.
3. Individuelle Unterschiede: Dieses Kapitel analysiert sowohl die variierende Geschwindigkeit des Wortschatz- und Grammatikerwerbs als auch die verschiedenen Spracherwerbsstile (analytisch vs. holistisch) anhand von praktischen Beispielen.
4. Abgrenzung zu entwicklungsgestörten Kindern: Es wird erörtert, wie auf Basis der festgestellten Variabilität zwischen normalen Lernprozessen und behandlungsbedürftigen Spracherwerbsstörungen unterschieden werden kann.
5. Fazit: Die Ergebnisse bestätigen, dass Kinder unterschiedliche Wege zum Spracherwerb nutzen, wobei die strikte Einteilung in Meilensteine durch eine enorme individuelle Variabilität widerlegt wird.
Spracherwerb, Sprachentwicklung, Individuelle Unterschiede, Nativismus, Konstruktivismus, Wortschatzerwerb, Grammatikerwerb, Spracherwerbsstil, Analytischer Stil, Holistischer Stil, FRAKIS, Variabilität, Spracherwerbsstörung, Sprachentwicklungsauffälligkeiten, L1-Erwerb.
Die Arbeit untersucht das Phänomen, dass Kinder beim Spracherwerb sehr unterschiedlich vorgehen und verschieden schnell lernen, anstatt einem starren, normierten Stufenmodell zu folgen.
Die zentralen Felder umfassen Spracherwerbstheorien, die Variabilität hinsichtlich des Tempos sowie die Klassifizierung in analytische und holistische Erwerbsstile.
Ziel ist es, die individuelle Variabilität im Spracherwerb aufzuzeigen und zu untersuchen, wie man ein "normales" Varianzspektrum von einer echten Spracherwerbsstörung abgrenzen kann.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstands sowie eine qualitative Analyse von Sprachdaten aus dem CHILDES-Korpus von vier Kindern.
Im Hauptteil werden zunächst die Unterschiede in der Erwerbsgeschwindigkeit beleuchtet, gefolgt von einer detaillierten Analyse der holistischen und analytischen Sprachlernstrategien und deren Abgrenzung zu Störungen.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Spracherwerb, individuelle Unterschiede, Analytischer/Holistischer Stil, Nativismus, Konstruktivismus und Sprachentwicklungsstörungen.
Analytische Kinder konzentrieren sich stärker auf Nomen und segmentieren ihre Sprache klarer, während holistische Kinder eher größere Phrasen und soziale Ausdrücke imitieren, ohne diese zunächst zu zergliedern.
Aufgrund der enormen individuellen Variabilität im frühen Spracherwerb fallen viele Kinder, die sich noch im normalen Entwicklungsbereich befinden, zeitweise durch langsame Leistungen auf, weshalb eine sichere Diagnose erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist.
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