Bachelorarbeit, 2019
54 Seiten, Note: 1,7
2. Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Self-Tracking
2.1.2 Lifelogging
2.1.3 Quantified-Self-Bewegung
2.2. Aktueller Forschungsstand
2.3 Geschichtlicher Hintergrund
2.3.1 Selbstthematisierung im Tagebuch um 1800
2.3.2 Einführung erster mechanischer Geräte um 1900
2.3.3 Selbstvermessung im 21. Jahrhundert
3. Verobjektivierung des Subjekts
3.1 Self-Tracking zwischen Leib und Körper
3.1.1 Anthropologische Philosophie: Dualität des menschlichen Körpers
3.1.2 Neophänomenologische Soziologie: Leib sein und Körper haben
3.1.3 Wahrnehmung von objektivierten Zahlenkörpern
3.2. Sichtweisen auf Verobjektivierung
3.2.1 Self-Tracking als Befreiung und Selbstermächtigung
3.2.3 Self-Tracking als Naturbeherrschung
4. Selbstexperiment: Was machen Lauf-Apps mit mir und meinem Körper?
4.1 Methoden
4.2 Kommentar zur Autoethnografie
4.3 Verwendete Apps
4.3.1 Runtastic
4.3.2 Nike Run Club
4.3.3 Appvergleich
4.4 Durchführung des Experiments und Auswertung
4.4.1 Technik vs. leibliches Gefühl
4.4.2 Motivationsaspekt
4.4.3 Abhängigkeit von Technik
4.4.4 Schlussfolgerungen: neue Körper- und Subjekverhältnisse?
5. Auswirkungen auf andere gesellschaftliche Bereiche
5.1 Der Mensch als Ware: Social Surveillance und Big Data
5.2 Self-Tracking in Unternehmen und im Gesundheitswesen
6. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Self-Tracking-Applikationen auf das Verhältnis zwischen dem menschlichen Körper und dem Subjekt, wobei insbesondere die Auswirkungen auf die individuelle Körperwahrnehmung analysiert werden.
4.4.1 Technik vs. leibliches Gefühl
Zunächst ist mir aufgefallen, dass meine eigene Körperwahrnehmung nicht immer mit den gemessenen Daten übereinstimmt. Oft standen sie sogar im Widerspruch zueinander: Ich konnte mich gut fühlen und schlechte Ergebnisse haben und andersherum. Gerade am Anfang hatte ich oft das Gefühl schneller zu laufen, als mir die App angezeigt hat:
„11:40 Uhr: Mir geht es gut und ich laufe etwas schneller. Zum ersten Mal schaue ich wieder auf die App und bin enttäuscht, dass meine Pace langsamer ist, als ich dachte.“ (Notiz 26.5.)
Mittlerweile habe ich das Gefühl auf Basis meiner Erfahrungen die Geschwindigkeit besser einschätzen zu können. Ich kann nachvollziehen, dass einige Nutzer diese bessere Kalkulierbarkeit von Leistungen mit dem Aspekt verbinden, sich selbst bzw. seinen Körper besser zu verstehen. Wolf (2012) assoziiert mit der Möglichkeit, dieses Wissen über sich selbst zu erlangen sogar eine Befreiung aus der vorherigen Unkenntnis.
2. Grundlagen: Einführung in begriffliche Definitionen (Self-Tracking, Lifelogging, Quantified-Self), den Forschungsstand sowie eine historische Einordnung der Selbstvermessung.
3. Verobjektivierung des Subjekts: Theoretische Auseinandersetzung mit der Dualität von Leib und Körper sowie den verschiedenen Sichtweisen auf Objektivierungsprozesse durch Messdaten.
4. Selbstexperiment: Was machen Lauf-Apps mit mir und meinem Körper?: Darstellung der methodischen Vorgehensweise und detaillierte Auswertung der persönlichen Erfahrungen mit Lauf-Apps im Hinblick auf Körperwahrnehmung, Motivation und Technikabhängigkeit.
5. Auswirkungen auf andere gesellschaftliche Bereiche: Analyse der soziologischen Folgen von Datenverwertung, Big Data und Überwachungskulturen durch Self-Tracking.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und Reflexion der Ausgangs-Forschungsfrage unter Einbeziehung theoretischer Konzepte.
Self-Tracking, Quantified-Self, Leib, Körper, Verobjektivierung, Fitness-Apps, Autoethnografie, Daten, Selbstoptimierung, Big Data, Körperwahrnehmung, Überwachung, Subjektivität, Digitalisierung, Lebensführung
Die Publikation untersucht, inwiefern die Nutzung von Self-Tracking-Technologien, insbesondere Fitness-Apps, das Verhältnis eines Individuums zu seinem eigenen Körper verändert.
Die Arbeit behandelt die philosophische Unterscheidung von Leib und Körper, die methodische Anwendung der Autoethnografie und die soziologischen Implikationen von quantifizierten Daten in der modernen Gesellschaft.
Das Ziel ist es herauszufinden, ob durch die kontinuierliche Selbstvermessung eine Entfremdung stattfindet oder ob das Subjekt seinen Körper dadurch bewusster wahrnimmt und steuert.
Die Verfasserin nutzt den Ansatz der Autoethnografie, bei dem sie in einem zweimonatigen Selbstexperiment ihr eigenes Laufverhalten und ihre damit verbundenen Gefühle mithilfe von Apps protokolliert und reflektiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse des Körperverständnisses (u.a. Plessner, Gugutzer) und eine empirische Auswertung des Experiments, in dem aufgezeigt wird, wie Technik in die Körperwahrnehmung eingreift.
Wesentliche Begriffe sind Self-Tracking, Verobjektivierung, Leib, Subjektivität, Körperwahrnehmung sowie gesellschaftliche Aspekte wie Big Data und soziale Überwachung.
Die Autorin stellt fest, dass ihre Motivation zu laufen stark an die Dokumentation der Daten geknüpft ist; ohne die App fehlt ihr das "Gefühl der Gültigkeit" ihrer sportlichen Betätigung.
Laut der Arbeit wirken Tracking-Apps als externe Autorität, die dem leiblichen Widerstand (Trägheit/Schweinehund) entgegenwirken und das Subjekt zur Einhaltung sportlicher Disziplin zwingen können.
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