Masterarbeit, 2010
142 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Absolute Armut
2.2. Relative Armut
2.3. Der Ressourcenansatz
2.4. Der Lebenslagenansatz
3. Auswirkungen von Armut auf Kinder und politische Intervention
4. Risikogruppen
4.1. Ein-Eltern-Kinder
4.2. Kinderreiche Familien
4.3. Familien mit Migrationshintergrund
5. Momentane Situation in Deutschland/Forschungsstand
6. Theoriekonzepte
6.1. Identitätskonzept
6.2. Konzept der Lebensbewältigung
7. Konzept der Resilienz
7.1. Die Kauai-Studie
7.2. Die Mannheimer- Risikokinder- Studie
7.3. Handlungskonzepte zur Resilienzförderung
7.3.1. Kindzentriertes Konzept
7.3.2. Schule als Schutzfaktor
8. Zwischenfazit
9. Hypothesen
10. Methodenteil
10.1. Forschungsdesign
10.2. Instrumente und Messgeräte
10.3. Gütekriterien
10.4. Stichprobenkonstruktion und Durchführung
10.5. Ablaufmodell der Datenanalyse
10.6. Qualitative Analysetechniken
10.7. Durchführung der Zusammenfassung
11. Ergebnisse
11.1. Stichprobenbeschreibung
11.2. Ergebnisse der hypothesenbezogenen Fragestellungen
12. Diskussion
13. Fazit und Ausblick
14. Literaturverzeichnis
15. Anhang
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Kinderarmut in Deutschland und analysiert Strategien, die Lehrkräfte in der Grundschule anwenden, um ungünstige Entwicklungsbedingungen von Kindern zu kompensieren. Ziel ist es, durch eine Verknüpfung von theoretischen Resilienzkonzepten mit einer empirischen Befragung von Lehrkräften herauszufinden, ob und wie diese Handlungsansätze in der schulischen Praxis umgesetzt werden.
7. Konzept der Resilienz
„Wenn sich Personen trotz gravierender Belastungen oder widriger Lebensumstände psychisch gesund entwickeln, spricht man von Resilienz. Damit ist keine angeborene Eigenschaft gemeint, sondern ein variabler und kontextabhängiger Prozess. In verschiedenen Langzeitstudien in den USA und Europa wurden schützende (protektive) Faktoren festgestellt, die dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen zu unterstützen“ (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2009, S. 9).
Der Definition von Wustmann folgend, ist mit Resilienz die individuelle Fähigkeit gemeint, mit negativen Stressfolgen und belastenden Lebensumständen erfolgreich umzugehen (vgl. Wustmann, 2004, S. 18). Ihre Begriffsbestimmung ist im deutschsprachigen Raum allgemein anerkannt und dient deshalb an dieser Stelle als Grundlage. Sie berücksichtigt sowohl internale als auch externale Kriterien und definiert Resilienz schließlich als „die psychische Widerstandskraft gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken“ (Wustmann, 2004, S. 18).
„Dabei umfasst Resilienz:
- eine positive, gesunde Entwicklung trotz hohem Risiko-Status (wie chronische Armut, psychische Erkrankungen der Eltern usw.)
- die beständige Kompetenz unter extremen Stressbedingungen (wie Trennung der Eltern)
- die positive bzw. schnelle Erholung von traumatischen Ereignissen“ (Wustmann, 2004, S. 19).
Es lässt sich festhalten, dass Kinder unter Umständen bestimmten Risikofaktoren ausgesetzt sind. Diesen Risikofaktoren können, soweit entwickelt, Schutzfaktoren entgegenwirken. Wichtig ist hierbei, dass diese beiden Faktoren miteinander ein Interdependenzgeflecht bilden. Fröhlich- Gildhoff und Rönnau- Böse beschreiben diesen Vorgang wie folgt:
„Eine Vielzahl risikoerhöhender Faktoren tragen zur Entstehung psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter bei. Demgegenüber stehen aber risikomildernde Faktoren, die die Risiken abpuffern bzw. Resilienz fördern. Risiko- und Schutzfaktoren beeinflussen sich darüber hinaus aber auch gegenseitig. Diese Wechselwirkungsmechanismen sind Gegenstand der aktuellen Forschung“ (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2009, S. 19).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Kinderarmut in Deutschland und stellt die Forschungsfrage nach den Kompensationsmöglichkeiten durch Lehrkräfte.
2. Definitionen: Dieses Kapitel differenziert zwischen absoluter und relativer Armut sowie dem Ressourcen- und Lebenslagenansatz.
3. Auswirkungen von Armut auf Kinder und politische Intervention: Hier werden die negativen Folgen von Armut auf die Entwicklung und den Bildungserfolg diskutiert sowie staatliche Hilfsmaßnahmen vorgestellt.
4. Risikogruppen: Das Kapitel analysiert spezifische Gruppen wie Ein-Eltern-Kinder, kinderreiche Familien und Familien mit Migrationshintergrund hinsichtlich ihres Armutsrisikos.
5. Momentane Situation in Deutschland/Forschungsstand: Dieser Abschnitt fasst aktuelle Studien zur Kinderarmut zusammen und stellt die defizitären Lebenslagen betroffener Kinder dar.
6. Theoriekonzepte: Es werden zentrale Theorien zur Sozialisation und Lebensbewältigung erläutert, insbesondere das Identitätskonzept von Hurrelmann und das Konzept der Lebensbewältigung von Böhnisch und Schefold.
7. Konzept der Resilienz: Dieses Kapitel führt in das Konzept der Resilienz ein, stellt wichtige Studien vor und erläutert fördernde Handlungskonzepte.
8. Zwischenfazit: Das Zwischenfazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und leitet zum empirischen Teil der Arbeit über.
9. Hypothesen: Hier werden die vier aufgestellten Hypothesen zur Untersuchung der Kompensationsstrategien formuliert.
10. Methodenteil: Dieser Teil beschreibt das methodische Vorgehen, das Forschungsdesign, die Datenerhebung durch Interviews und die Auswertung nach Mayring.
11. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die Analyse der geführten Interviews und die Kategorisierung der Lehrkraft-Antworten.
12. Diskussion: Das Kapitel diskutiert die empirischen Ergebnisse vor dem Hintergrund der theoretischen Ausführungen und zeigt die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis auf.
13. Fazit und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und Anforderungen an Staat und Schule zur Förderung von benachteiligten Kindern formuliert.
Kinderarmut, Resilienz, Bildungssozialisation, Grundschule, relative Armut, Lebensbewältigung, Identitätskonzept, soziale Benachteiligung, pädagogische Strategien, Frühförderung, Chancengleichheit, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, qualitative Inhaltsanalyse, Lehrkräfte.
Die Masterarbeit beschäftigt sich mit der Problematik von Kinderarmut an Grundschulen und untersucht, welche Strategien Lehrkräfte einsetzen, um benachteiligte Entwicklungsbedingungen der Kinder auszugleichen.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Armut und Resilienz, die Auswirkungen auf die frühkindliche Entwicklung sowie die empirische Analyse des Lehrerhandelns in der Praxis.
Ziel ist es zu ermitteln, ob und wie Lehrkräfte durch resilienzfördernde Konzepte in der Lage sind, auf die schwierige soziale Lage armutsbetroffener Schüler aktiv Einfluss zu nehmen.
Der empirische Teil basiert auf qualitativen Interviews mit Lehrkräften, deren Aussagen mittels der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Theorieteil, der Konzepte wie Resilienz und Lebensbewältigung erörtert, sowie einen Methodenteil, in dem die Durchführung der Experteninterviews detailliert dargelegt wird.
Besonders prägend sind Begriffe wie Resilienzförderung, relative Armut, soziale Benachteiligung, Schulprogramm und die Kluft zwischen Theorie und Praxis im Schulalltag.
Die Untersuchung zeigt, dass Lehrkräfte zwar intuitiv oft richtig handeln und Empathie zeigen, jedoch meist keine gezielten, theoriegeleiteten Resilienzförderungskonzepte anwenden, da ihnen diese Konzepte oft nicht bekannt sind.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Schule allein das gesellschaftliche Problem der Armut nicht lösen kann, aber durch eine bessere institutionelle Ausstattung und verpflichtende Fortbildungen zur Resilienzförderung einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit leisten könnte.
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