Bachelorarbeit, 2023
65 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung und Fragestellung
2. Forschungsstand
3. Theorie des föderalen Einflusses auf die Verfassungsgerichtsbarkeit
3.1 Einheits- und Föderalstaaten
3.2 Verfassungsgerichte als Hüter der Verfassung
3.3 Hypothesen
4. Daten und methodisches Vorgehen
4.1 Fallauswahl
4.2 Design und Operationalisierung
4.3 Index der Einflussnahme am Auswahlverfahren (IdeaA)
5. Einfluss von Föderalismus auf das verfassungsgerichtliche Prüfungsrecht
5.1 Verfassungsrigidität als Grundlage
5.2 Staatstruktur und richterliches Prüfungsrecht
5.3 Modifizierte Föderalismus-Unitarismus-Dimension
5.4 Aussagekraft des Föderalismusgrades
6. Einfluss auf die Gerichtsbarkeit durch die Beteiligung an der Richterernennung
6.1 Generelle Beteiligung am Auswahlverfahren
6.2 Weiterführende Erklärungsfaktoren
6.3 Erkenntnisse des IdeaA
7. Fallstudie: Deutschland, Belgien und Frankreich im Vergleich
7.1 Deutschland
7.1.1 Die Besonderheiten des deutschen Föderalismus
7.1.2 Die Macht des Bundesverfassungsgerichts
7.1.3 Die Verfassungsgerichtsbarkeit im Bundesstaat
7.2 Belgien
7.2.1 Die Umwandlung eines Einheitsstaates in einen Bundesstaat
7.2.2 Der Cour constitutionnelle
7.2.3 Das Verfassungsgericht als Akzessorietät zur belgischen Föderalisierung
7.3 Frankreich
7.3.1 Unitarische Staatsstruktur und Zentralisierung der Macht
7.3.2 Ernennung und Macht der Richter des Conseil constitutionnel
7.3.3 Senat und Verfassungsrat
7.4 Vergleich und Ergebnisse
8. Diskussion und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen föderalen Staatsstrukturen und der Ausgestaltung sowie Macht von Verfassungsgerichten, mit einem besonderen Fokus auf die Beteiligung subnationaler Einheiten an Richterernennungsverfahren.
1. Einleitung und Fragestellung
Sowohl das Föderalismusprinzip als auch das Bundesverfassungsgericht sind in der deutschen Gesellschaft tief verwurzelt. Nach einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung (2023a) durchgeführten Studie fanden im Jahr 2022 69 % der Bevölkerung, dass der Föderalismus in Deutschland wichtig ist und auch bleiben sollte. Nur knapp ein Drittel sprach sich für die Abschaffung dieser Staatsstruktur aus (Friedrich-Ebert-Stiftung, 2023a). In einer weiteren Umfrage wurde abgefragt, wie groß das Vertrauen Deutschen in bestimmte Institutionen wie der Bundesregierung, dem Bundestag, den Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ist (Friedrich-Ebert-Stiftung, 2023b). Das Bundesverfassungsgericht schnitt dabei mit Abstand am besten ab, 49.8 % der Befragten haben großes, 21.1 % sogar sehr großes Vertrauen in das Gericht (Friedrich-Ebert-Stiftung, 2023b). Demgegenüber vertrauen der Regierung und dem Parlament lediglich 42.4 % bzw. 42.3 % der Bevölkerung, der Europäischen Union nicht einmal jeder Dritte (Friedrich-Ebert-Stiftung, 2023b). Berücksichtigt man zusätzlich die Parteipräferenz der Befragten, ergeben sich Zustimmungswerte zwischen 93.1 % bei den Grünen bis 72.3 % bei der Linken, AfD Befürworter stellten mit 24.9 % einen Ausreißer dar (Friedrich-Ebert-Stiftung, 2023c). Somit befürwortet eine klare Mehrheit der Deutschen die Verfassungsgerichtsbarkeit des Landes ebenso wie das Bundesstaatsprinzip.
Die Bedeutsamkeit von Föderalismus ist gleichermaßen im Inland wie im Ausland gegeben, so blickt diese Staatsorganisationsform auf eine lange Tradition zurück. Bekannte Vertreter wie die Vereinigten Staaten oder die Schweiz wurden bereits 1787 bzw. 1848 gegründet (Broschek, 2016, 332). Heute findet man zwar nur in 25 von 190 Staaten föderale Strukturen, doch handelt es sich bei diesen vorwiegend um bevölkerungsreiche und großräumige Länder wie Indien oder Brasilien (Broschek, 2016, 332). Dies hat zur Folge, dass beinahe die Hälfte der Weltbevölkerung in diesen föderalen Staaten lebt (Broschek, 2016, 332).
1. Einleitung und Fragestellung: Einführende Darstellung der Relevanz von Föderalismus und Verfassungsgerichtsbarkeit sowie Formulierung der Forschungsfragen.
2. Forschungsstand: Überblick über existierende politikwissenschaftliche und rechtswissenschaftliche Literatur zur Unabhängigkeit und institutionellen Einbettung von Verfassungsgerichten.
3. Theorie des föderalen Einflusses auf die Verfassungsgerichtsbarkeit: Theoretische Konzeption föderaler Systeme, deren Abgrenzung zu Einheitsstaaten und die Funktion von Verfassungsgerichten als Schiedsinstanzen.
4. Daten und methodisches Vorgehen: Erläuterung des Mixed-Methods-Designs, der Fallauswahl und Herleitung der Variablen inklusive des Index zur Beteiligung subnationaler Einheiten.
5. Einfluss von Föderalismus auf das verfassungsgerichtliche Prüfungsrecht: Statistische Analyse der Zusammenhänge zwischen Staatsstruktur, Verfassungsstarrheit und richterlicher Prüfungsbefugnis.
6. Einfluss auf die Gerichtsbarkeit durch die Beteiligung an der Richterernennung: Untersuchung, ob und wie föderale Einheiten auf die personelle Besetzung von Verfassungsgerichten einwirken.
7. Fallstudie: Deutschland, Belgien und Frankreich im Vergleich: Qualitativer Abgleich der drei Länder unter Berücksichtigung ihrer spezifischen historischen und institutionellen Kontexte.
8. Diskussion und Ausblick: Zusammenfassung der gefundenen Ergebnisse, Reflexion der Limitationen und Vorschläge für zukünftige politikwissenschaftliche Forschung.
Föderalismus, Verfassungsgerichtsbarkeit, richterliches Prüfungsrecht, IdeaA, subnationale Einheiten, Gewaltenteilung, Verfassungsrigidität, Richterernennung, Rechtsvergleich, institutionelles Design, Deutschland, Belgien, Frankreich, Kompetenzstreitigkeiten
Die Arbeit befasst sich mit der politikwissenschaftlichen Untersuchung föderaler Staatsstrukturen und deren messbarem Einfluss auf die Machtkonstellationen und Besetzungsverfahren von Verfassungsgerichten weltweit.
Im Zentrum stehen die Interaktion zwischen föderalem Staatsaufbau und der gerichtlichen Normenkontrolle sowie die institutionalisierte Beteiligung von Regionen an der Auswahl von Verfassungsrichtern.
Das primäre Ziel ist es, zu klären, inwieweit föderale Gliedstaaten durch ihre Beteiligung am Auswahlverfahren von Verfassungsrichtern Einfluss auf die Rechtsprechung nehmen und wie sich die Macht dieser Gerichte durch den Föderalismusgrad erklären lässt.
Es wird ein Mixed-Methods-Design verwendet, das quantitative Korrelationsanalysen mit einem datenbasierten Index (IdeaA) sowie eine qualitative vergleichende Fallstudie kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, datengestützte Analysen des Einflusses auf das Prüfungsrecht und die Ernennung von Richtern sowie einen vertieften Ländervergleich zu Deutschland, Belgien und Frankreich.
Die Arbeit charakterisiert sich durch Begriffe wie Föderalismusgrad, Verfassungsrigidität, richterliche Prüfungsbefugnis, Akzessorietät, Normenkontrolle und die Beteiligung subnationaler Einheiten am Besetzungsprozess.
In Frankreich, als unitarisch geprägtem Staat, ist der Einfluss subnationaler Einheiten auf das Verfassungsgericht sehr gering, da diese lediglich durch den Senat indirekt repräsentiert werden, was im Gegensatz zu stark föderalen Staaten wie Deutschland steht.
Der "Index der Einflussnahme am Auswahlverfahren" (IdeaA) quantifiziert systematisch, in welchem Ausmaß subnationale Regierungen an der Ernennung von Verfassungsrichtern beteiligt sind, um länderübergreifende Vergleiche zu ermöglichen.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass zwar eine positive Korrelation zwischen Föderalismus und gerichtlicher Prüfungsbefugnis besteht, jedoch andere Faktoren wie die Rechtstradition (Common Law vs. Civil Law) und historisch gewachsene Institutionen ebenfalls eine entscheidende Rolle für die tatsächliche Macht von Verfassungsgerichten spielen.
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