Examensarbeit, 2010
98 Seiten, Note: 1
1. Hinweise zur Transkription und Aussprache
2. Die Krise des Osmanischen Reiches zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die Elitenkostellation
3. Das Reich zur Wende zum 19. Jahrhundert
3.1 Das klassische osmanische Herrschaftssystem
3.2 Ende der klassischen Ordnung
3.2.1 Ökonomischer Rückstand im 18. Jahrhundert
3.2.2 Dezentralisierung und Aufstieg der ayan
3.3 Militärische und politische Ereignisse
3.4 Die Eliten und die Krisenzeit
4. Existenzkrise und der Machtkampf im Inneren
4.1 Zwischen Alt und Neu
4.1.1 Selim III. und die neue Sicht auf Europa
4.1.2 Reformbestrebungen und die Reaktion der Gegeneliten
4.2 Der neue Absolutismus des Mahmud II. (1808-1839)
4.2.1 Zugeständnisse und Machtsicherung
4.2.2 Die Sozioökonomie der Macht der ayan
4.2.3 Zerschlagung der Provinzautonomien
4.2.4 Der Balkan und Ägypten
4.2.5 „Das Wohltätige Ereignis“
4.2.6 Zentralisierung und Verwestlichung
4.2.7 Der Aufstieg einer neuen Elite: Die neue Bürokratie
5. Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit analysiert die innenpolitischen Wandlungsprozesse des Osmanischen Reiches um die Wende zum 19. Jahrhundert, mit einem besonderen Fokus auf die Verschiebung der Machtverhältnisse innerhalb der Eliten sowie die Auswirkungen von Reformbemühungen unter den Sultanen Selim III. und Mahmud II. auf die staatliche Struktur und Gesellschaft.
Die Rolle des Sultans und das klassische Herrschaftssystem
An der Spitze des Staates stand der Sultan und er verkörperte den Staat. Er war kein Primus inter pares, sondern ein absoluter Herrscher, der nach Maßgabe der Rechtsordnung über Leben und Tod entschied. In der Person des Herrschers vereinigten sich Züge römisch-byzantinischer imperialer Tradition, des islamischen Führers der Gemeinde und des türkischen Chans. „Die Rolle des Sultans war so wichtig, dass die Osmanen des 16. Jahrhunderts in ihrer politischen Literatur kein Wort für ’Staat’ kannten.“
Er behielt sich alle grundlegenden Entscheidungen vor, wie etwa Kriegserklärungen und Friedensschlüsse, und er konnte die höchsten Machtpositionen nach eigenem Ermessen vergeben und auch jederzeit widerrufen. Das klassische osmanische Herrschaftssystem war so angelegt, dass es der Entstehung zusätzlicher konkurrierender Machtzentren im Reich vorbeugen sollte, wie etwa einer einflussreichen Aristokratenschicht. Neben dem Sultan bzw. der osmanischen Herrscherdynastie durfte es keine erbliche Aristokratie geben, deren Angehörige ihr zur Konkurrenz hätten werden können. Das hatte nicht nur den Vorteil, dass eine innere gesellschaftliche und politische Stabilität gewährleistet war, sondern auch, dass der Sultan und die herrschende Klasse im Reich keine Rücksicht auf nicht leistungsadäquate Umstände, wie Familienzugehörigkeit, Adel oder Vermögensverhältnisse, zu nehmen brauchte.
1 Hinweise zur Transkription und Aussprache: Erläuterung der verwendeten Transkription und Lautschrift für türkische Begriffe.
2 Die Krise des Osmanischen Reiches zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die Elitenkostellation: Einführung in die historische Phase und Darstellung der Bedeutung von Elitenkonstellationen im Osmanischen Reich.
3 Das Reich zur Wende zum 19. Jahrhundert: Untersuchung der klassischen Herrschaftsordnung und deren allmählicher Erosion durch ökonomische und machtpolitische Veränderungen.
4 Existenzkrise und der Machtkampf im Inneren: Analyse der Reformbestrebungen unter Selim III. und Mahmud II. und die daraus resultierenden Spannungen mit den alten Eliten.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Arbeit über die Transformation des Staates und einen Ausblick auf die Modernisierungsfolgen.
Osmanisches Reich, Eliten, Sultan, Zentralisierung, Mahmud II., Selim III., Janitscharen, Ayan, Modernisierung, Reformen, Ilmiye, Bürokratie, Machtgefüge, Sozioökonomie, Tradition
Die Arbeit behandelt die Transformationsprozesse des Osmanischen Reiches an der Wende zum 19. Jahrhundert, insbesondere im Hinblick auf staatliche Reformen und deren Auswirkungen auf die Machtstruktur.
Die Themen umfassen die Rolle der Eliten, die Dezentralisierung des Reiches, den Einfluss der europäischen Expansion auf Wirtschaft und Militär sowie die Bemühungen der Sultane zur Zentralisierung.
Das Ziel ist die Analyse der internen Faktoren, die zu Anpassungsschüben im Osmanischen Reich führten, und die Untersuchung der Rolle der herrschenden Eliten in diesen Wandlungsprozessen.
Die Arbeit nutzt einen elitesoziologischen Ansatz, um historische Prozesse der Machtverschiebung und Transformation zu erklären.
Der Hauptteil analysiert das klassische Herrschaftssystem, den ökonomischen Rückstand gegenüber Europa, den Aufstieg der Ayan sowie die Reformversuche und den Machtkampf zwischen der Zentralgewalt und traditionellen Gegeneliten.
Zentrale Begriffe sind Osmanisches Reich, Reformen, Eliten, Zentralisierung, Janitscharen, Ayan und Modernisierung.
Das timar-System diente als Garant gegen die Bildung einer erblichen Aristokratie und förderte die Meritokratie, indem es die Inhaber direkt von der Gunst des Sultans abhängig machte.
Die Janitscharen fürchteten um ihre Privilegien, ihre ökonomische Basis und ihren politischen Einfluss, der durch eine moderne, zentralisierte Armee gefährdet wurde.
Die Reformen führten zu einer stärkeren bürokratischen Einbindung der religiösen Eliten, was deren Autonomie beschnitt, aber auch die Kontrolle durch den Staat erhöhte.
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