Bachelorarbeit, 2021
43 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Dahls Konzeption der Polyarchie
3 Das Kaiserreich im Lichte Dahls Polyarchie-Konzeption
3.1 Partizipation und Wahlen
3.2 Opposition und Freiheitsrechte
3.3 Partizipation vor Parlamentarisierung
4 Fazit
Diese Arbeit untersucht das Deutsche Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg auf Basis der empirischen Demokratietheorie von Robert A. Dahl. Ziel ist es, anhand der Konzeption der "Polyarchie" zu analysieren, inwieweit das Kaiserreich Bedingungen für eine Demokratie erfüllte und wie es auf der Skala zwischen Autokratie und Polyarchie einzuordnen ist.
Die drei Wege zur Polyarchie
Dahl unterscheidet zwischen drei Wegen, die Staaten in ihrer Geschichte durchliefen, von der geschlossenen Hegemonie zur Polyarchie. Der erste Weg zur Polyarchie, der zu den ältesten und stabilsten Systemen führte, ist jener über die kompetitive Oligarchie, der Vorrang des öffentlichen Wettbewerbs vor der Partizipation. Diesen Weg beschritten zuvorderst das Vereinigte Königreich und ihm folgend die ehemaligen, angelsächsischen Kolonien, aber auch die skandinavischen Monarchien. Der zweite, weniger erfolgversprechende Weg zur Polyarchie, ist jener über die inklusive Hegemonie, wo ohne folgenreichen Wettbewerb breitere Teile der Bevölkerung partizipieren dürfen. Exemplarisch nennt Dahl hier Deutschland zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, das Deutsche Kaiserreich mithilfe von Dahls Demokratiemessung zu bewerten.
2 Dahls Konzeption der Polyarchie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Polyarchie-Konzeption nach Robert A. Dahl sowie die notwendigen institutionellen Bedingungen für moderne Demokratien.
3 Das Kaiserreich im Lichte Dahls Polyarchie-Konzeption: Hier erfolgt die empirische Anwendung der Theorie auf das Kaiserreich durch Untersuchung von Wahlen, der Behandlung der Opposition und dem Grad der Parlamentarisierung.
3.1 Partizipation und Wahlen: Unterkapitel zur Analyse des Wahlrechts und der Wahlpraxis im Kaiserreich im Kontext der von Dahl geforderten Fairness und Freiheit.
3.2 Opposition und Freiheitsrechte: Erörterung des Umgangs von Staat und Regierung mit oppositionellen Kräften und der faktischen Ausübung von Freiheitsrechten.
3.3 Partizipation vor Parlamentarisierung: Analyse der politischen Struktur des Kaiserreichs hinsichtlich des Zugangs zur Regierungsübernahme und der Rolle des Parlaments im Vergleich zur monarchischen Exekutive.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das Kaiserreich als Beispiel für eine inklusive Hegemonie ein, die den Übergang zur Polyarchie nicht vollzog.
Deutsches Kaiserreich, Polyarchie, Robert A. Dahl, Demokratisierung, Parlamentarismus, Partizipation, Wahlen, Hegemonie, Opposition, Freiheitsrechte, Regierungsbildung, Bismarck, Wilhelm II., Mitbestimmung, Verfassungsgeschichte.
Die Arbeit analysiert das politische System des Deutschen Kaiserreichs anhand der Demokratietheorie von Robert A. Dahl, insbesondere dessen Konzeption der Polyarchie.
Zentrale Themen sind die Entwicklung von Herrschaftssystemen, Wahlrecht, Freiheitsrechte, das Verhältnis zwischen Exekutive und Parlament sowie der Weg von einer geschlossenen Hegemonie hin zu demokratischen Strukturen.
Das Ziel ist es, das Kaiserreich wissenschaftlich fundiert als entweder autokratisches oder polyarchisches System entlang von Dahls Kriterien einzuordnen und den Grad seiner Demokratisierung zu bestimmen.
Methodisch erfolgt eine politikwissenschaftliche Analyse, die Dahls institutionelle Bedingungen für Polyarchien als theoretisches Grundgerüst verwendet, um historische Daten und verfassungsrechtliche Zustände im Kaiserreich zu bewerten.
Im Hauptteil werden das Wahlrecht und die Wahlpraxis, der staatliche Umgang mit politischen Gegnern (wie Sozialdemokraten und Zentrumspartei) sowie die Möglichkeiten zur Regierungsübernahme durch das Parlament detailliert untersucht.
Die Begriffe Polyarchie, inklusive Hegemonie, Parlamentarisierung, politische Partizipation sowie der Konflikt zwischen monarchischer Exekutive und gewählter Volksvertretung sind essenziell.
Der Autor sieht den Reichstag gespalten in seiner Funktion: Er war zwar ein gewähltes Organ, hatte jedoch im Vergleich zur monarchischen Regierung, die über die Exekutivgewalt und Prärogativen verfügte, kaum echten Einfluss auf die Regierungsbildung.
Besonders unter Bülow wurde versucht, durch wechselnde Mehrheiten und Koalitionen (wie den Bülow-Block) eine Arbeitsfähigkeit des Reichstags zu erreichen, um die Regierungspolitik gegen die "Reichsfeinde" (SPD und Zentrum) durchzusetzen.
Der Autor argumentiert, dass das fehlende "mutual security" zwischen den politischen Gruppen und die starke Fixierung der Monarchie auf ihre Prärogativen im verfassungsrechtlichen Gefüge einen parlamentarischen Übergang effektiv verhinderten.
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