Masterarbeit, 2023
74 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
2. Die Gesamtgattung »Kriminalliteratur«
3. Darstellung und Abgrenzung verschiedener Genres
3.1 Kriminalerzählung
3.1.1 Das Schema der Kriminalerzählung
3.1.2 Der Wahrheitsanspruch der Kriminalerzählung
3.2 Novelle
3.2.1 Das Erzählen als Gestaltungsmittel
3.2.2 Der Authentizitätsanspruch
3.2.3 Die pyramidale Struktur
3.3 (Literarische) Fallgeschichten
3.3.1 Die Tradition des Pitavals als Ursprung der Fallgeschichte
3.3.2 Das Spannungsfeld von Wissenschaft und Fiktion
3.3.3 Fallgeschichten als epistemische Schreibweise
3.4 Abgrenzung der Genres
4. Forschungsstand und methodisches Vorgehen
5. Die Analyse unter den Aspekten der Genres
5.1 Fähner aus dem Erzählband Verbrechen
5.1.1 Das Schema
5.1.2 Fakt oder Fiktion?
5.1.3 Zur Hybridität
5.2 Volksfest aus dem Erzählband Schuld
5.2.1 Das Schema
5.2.2 Fakt oder Fiktion
5.2.3 Zur Hybridität
5.3 Der kleine Mann aus dem Erzählband Strafe
5.3.1 Das Schema
5.3.2 Fakt oder Fiktion
5.3.3 Zur Hybridität
6. Einordnung der Erzählbände in (k)ein Genre
6.1 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählbände von Ferdinand von Schirach, um zu klären, in welchem literarischen Genre diese einzuordnen sind und ob eine Hybridisierung zwischen Kriminalerzählung, Novelle und Fallgeschichte vorliegt. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Analyse des Schemas, der Unterscheidung von Fakt und Fiktion sowie der narrativen Technik und Stilistik.
3.1 Kriminalerzählung
„Zur Gattung der Erzählung werden in der Literatur alle Erzähltexte gerechnet, die nicht als Roman bezeichnet werden, die in der Regel kürzer sind als ein Roman aber länger als andere Gattungen wie Novelle, Kurzgeschichte u. a.“ (Neuhaus 2021: 75). Nach Marsch meint Erzählung das Erzählen selbst und ist daher von der Gattung Novelle abzugrenzen (vgl. Marsch 1972/1983: 13). Neuhaus versteht die Kriminalerzählung als die allgemeinstе Kategorie des Krimis und als einen Sammelbegriff für alle Krimis, die nicht Detektiverzählung oder Thriller sind (vgl. Neuhaus 2021: 75). Aus den unterschiedlichen Definitionen lässt sich die Problematik des Begriffs Kriminalerzählung ableiten. Erzählung hat zweierlei Bedeutungen: im weiten Sinn wird die Erzählung als literarische Gattung der Epik bezeichnet, die alle epischen Gattungen einschließt, im engen Sinn gilt die Erzählung als selbstständiges Literaturgenre. In dieser Arbeit wird die Kriminalerzählung als literarisches Genre verstanden.
Der historische Terminus »Criminalgeschichte«, wie bereits von Meißner, Hitzig und Häring gebraucht, „meint die Erzählung einer ursprünglich wahren Begebenheit aus dem Bereich der praktischen Justiz, also einen Rechtsfall mit allen seinen möglichen Umständen“ (Marsch, 1972/1983: 13). Die »Criminalgeschichte« verlangt einen knappen Umfang, weshalb die Spannung des Lesers nicht beliebig expandieren lässt, und erfordert einen reduzierten Blick auf das erzählte Geschehen (ebd.: 14). Auch Burdorf et al. heben den Aspekt der Kürze hervor und betonen, dass die Kriminalerzählung „durch formale Eigenarten wie Formelhaftigkeit, Betonung des Rätsels, Vernachlässigung einer differenzierten Figurencharakterisierung sowie [ein] meist offenes Ende“ (Burdorf et al. 2007: 404) von verwandten Genres wie Kriminal- und Detektivroman abzugrenzen ist.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den „True-Crime“-Boom und führt in die Thematik der Erzählbände von Ferdinand von Schirach ein, wobei die zentrale Fragestellung der Genreeinordnung formuliert wird.
2. Die Gesamtgattung »Kriminalliteratur«: Dieses Kapitel liefert eine begriffliche Fundierung der Kriminalliteratur, skizziert deren Entwicklung und grenzt sie von anderen Gattungen ab.
3. Darstellung und Abgrenzung verschiedener Genres: Hier werden die theoretischen Grundlagen zu den Genres Kriminalerzählung, Novelle und Fallgeschichte detailliert ausgearbeitet und analysiert.
4. Forschungsstand und methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel reflektiert existierende wissenschaftliche Ansätze zu Schirach und legt die methodische Vorgehensweise der eigenen Untersuchung fest.
5. Die Analyse unter den Aspekten der Genres: Es folgt die praktische Analyse der Erzählungen Fähner, Volksfest und Der kleine Mann im Hinblick auf Schema, Faktizität/Fiktionalität und Hybridität.
6. Einordnung der Erzählbände in (k)ein Genre: Das Fazit führt die Analyseresultate zusammen und beantwortet die Frage nach der Genrezugehörigkeit der untersuchten Schirach-Werke.
Ferdinand von Schirach, Kriminalerzählung, Novelle, Fallgeschichte, Genre-Hybridität, True-Crime, Narratologie, Fakt und Fiktion, Kriminalschema, Rechtswissenschaft, Literatur, Verbrechen, Schuld, Strafe, Authentizität.
Die Arbeit analysiert ausgewählte Erzählungen von Ferdinand von Schirach aus den Bänden Verbrechen, Schuld und Strafe, um deren literarische Genre-Verortung zu bestimmen.
Zentral sind die Untersuchung narrativer Strukturen, die Abgrenzung der Begriffe Kriminalerzählung, Novelle und Fallgeschichte sowie die Reflexion über das Verhältnis von Realität und literarischer Fiktion.
Das Ziel ist es, zu klären, ob sich Schirachs Erzählungen eindeutig einem Genre zuordnen lassen oder ob Merkmale einer Genre-Hybridität feststellbar sind.
Es wird eine erzähltheoretische und stilistische Analyse durchgeführt, die unter anderem auf Genettes Kategorien und dem Vergleich formaler Strukturen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definitionsphase der Genres und eine anschließende praktische Analyse der ausgewählten Kurzprosa unter den Aspekten Schema, Wahrheitsanspruch und Hybridität.
Schlüsselbegriffe sind Kriminalerzählung, Novelle, Fallgeschichte, Genre-Hybridität, „True-Crime“ und das Verhältnis von Fakt und Fiktion.
Die Fallgeschichte dient laut der Arbeit als epistemische Schreibweise, die juristisches Wissen vermittelt und individuelle Krisen in einen übergeordneten normativen Zusammenhang stellt.
Weil Schirachs Texte oft sowohl das formale Schema kriminalistischer Erzählungen nutzen als auch dramaturgische und symbolische Elemente der Novelle enthalten, was zu einer Überlagerung der Genremerkmale führt.
Die Analysen zeigen in allen Fällen eine hybride Struktur, bei der die Texte zwischen der Dokumentation eines Rechtsfalls und der literarischen Inszenierung einer Novelle changieren.
Hybridität bedeutet hier, dass die Texte Merkmale verschiedener literarischer Gattungen vereinen und sich somit einer strikten, eindimensionalen Zuordnung entziehen.
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